Nach Abschluss bleiben viele Fachkräfte nicht

Bremen kämpft um Absolventen

Nach dem Uni-Abschluss verlassen mehr Absolventen Bremen, als neue dazu kommen. Damit ist Bremen der unattraktivste Stadtstaat für den Berufseinstieg. Aber: Es gibt einen Aufwärtstrend.
31.03.2019, 21:29
Lesedauer: 3 Min
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Bremen kämpft um Absolventen
Von Lisa-Maria Röhling
Bremen kämpft um Absolventen

Von den derzeit 600 Studierenden in dualen Studiengängen verbleibt ein Großteil der Absolventen in der Region.

Julian Stratenschulte/dpa

Aus Bremen wandern jedes Jahr mehr Hochschulabsolventen und damit potenzielle Fachkräfte ab, als neu dazu kommen. Jedes Jahr verlassen knapp vier Prozent der hier ausgebildeten Absolventen das Land. Damit ist Bremen der unattraktivste Stadtstaat für den Berufseinstieg. Das geht aus Zahlen der Studienreihe „Fachkraft 2030“ des Personaldienstleisters Studitemps in Zusammenarbeit mit der Universität Maastricht hervor. Allerdings gibt es auch gute Nachrichten: Noch im vergangenen Jahr lang die Netto-Abwanderungsquote, bei der Fachkräftezuwanderung mit der -abwanderung verrechnet werden, wesentlich höher.

Bei der Studie wurden insgesamt 18.700 junge Akademiker aus ganz Deutschland befragt. Tatsächlich hat Bremen laut Studitemps einen erheblichen Sprung nach vorne gemacht: Noch 2013 verlor Bremen ein Drittel seiner Hochschulabsolventen. Weit hinter anderen Stadtstaaten abgeschlagen ist das kleinste Bundesland allerdings weiterhin: Hamburg kann mit einer Nettoquote von 160 Prozent sogar im Vergleich mit Flächenländern den größten Zuzug verzeichnen, auch Berlin ist mit 78 Prozent wesentlich besser aufgestellt als Bremen.

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Nicht nur Arbeitskräfte gehen verloren

Trotzdem: Mit der Abwanderungsquote von vier Prozent liegt Bremen im gesamten Ländervergleich im Mittelfeld. Insgesamt verzeichnen zwölf Bundesländer Negativquoten. Niedersachsen verliert pro Jahr ein Fünftel seiner Absolventen, das Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt, wo jährlich knapp zwei Drittel aller Hochschulabsolventen in ein anderes Bundesland abwandern.

Doch nicht nur Arbeitskräfte gehen durch Abwanderung verloren: So lange Bremen eine Negativquote einfährt, finanziert es Fachkräfte anderer Bundesländer. Denn: Während in Bremen Geld in Ausbildung und Hochschulqualifizierung der jungen Absolventen gesteckt wird, kommt ihre Wirtschaftskraft später anderen Ländern zugute.

Laut Studitemps gehen Bremen damit jährlich acht Millionen Euro verloren, Niedersachsen ist mit Verlusten von 375 Millionen Euro sogar Schlusslicht. Den größten Gewinn macht Hamburg mit knapp 1,1 Milliarden Euro, die andere Bundesländer in Form von Fachkräften abgeben. Laut Studitemps kann das durch eine frühzeitige Bindung von Arbeitskräften an den regionalen Arbeitsmarkt geschehen, beispielsweise durch Studierendenjobs.

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Für das Wissenschaftsressort von Eva Quante-Brandt (SPD) sind die Abwanderung von vier Prozent der Absolventen allerdings noch kein Grund zur Sorge: Die Lage in Bremen sei gut, die Absolventenquoten zufriedenstellend. Laut einer Absolventenbefragung der Universität Bremen beginnen mehr als 70 Prozent der Abgänger nach ihrem Abschluss in Bremen und im Umland zu arbeiten. An der Hochschule Bremen ist es hingegen nur die Hälfte der Absolventen. Allerdings, sagt Christina Selzer, Sprecherin des Wissenschaftsressorts: „Bremen bildet in hohem Maße und über den eigenen Bedarf aus.“

Weiterer Ausbau dualer Studiengänge ist zentral

Zudem erreichen in Bremen laut dem Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mehr Studierende als in allen anderen Bundesländern einen Studienabschluss. Das hat auch mit dem Wissenschaftsfokus in der Mathematik, den Naturwissenschaften und den Informatik- und Technikberufen zu tun. Laut Studie trägt Bremen in diesen Bereichen zur „Verringerung aktueller und künftiger Fachkräfteengpässe“ bei, und das bundesweit.

Die Lage auf dem Fachkräfte-Markt für Hochqualifizierte in Bremen sei derzeit ausgeglichen, betont Selzer. Trotzdem arbeite das Wissenschaftsressort weiterhin verstärkt daran, mehr Hochschulabsolventen in Bremen zu halten. Zentral dafür sei der weitere Ausbau der dualen Studiengänge an der Hochschule Bremen. Denn damit werde dem Fachkräftebedarf einzelner Unternehmen, mit denen die Hochschule kooperiert, genau entsprochen.

„Das eröffnet den Absolventinnen und Absolventen passgenaue Beschäftigungsmöglichkeiten“, so Selzer. Von den derzeit 600 Studierenden in dualen Studiengängen verbleibe ein Großteil der Absolventen in der Region. Dabei spiele auch die hohe Studienerfolgsquote, nach Angaben des Wissenschaftsressorts zwischen 90 und 100 Prozent, eine entscheidende Rolle. Dass immer noch mehr Absolventen abwandern als nach Bremen kommen, soll laut Selzer bei künftigen Absolventenbefragungen in den Fokus rücken.

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