Schärfere Regeln in Bremer Kitas

Krisenmodus: Eingeschränkter Regelbetrieb in der Kita St. Georg in Horn

In den Bremer Kitas gelten schon jetzt schärfere Corona-Regeln. Die ohnehin schon angespannte Personalsituation wird dadurch nicht besser. Ein Blick auf die Kita St. Georg in Horn.
19.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Krisenmodus: Eingeschränkter Regelbetrieb in der Kita St. Georg in Horn
Von Frank Hethey
Krisenmodus: Eingeschränkter Regelbetrieb in der Kita St. Georg in Horn

Haben bislang keinen Corona-Fall in der katholischen Kita St. Georg in Horn zu verzeichnen: Kita-Leiterin Sandra Lübbe und Christopher Peiler, Geschäftsführer des Katholischen Gemeindeverbandes.

Frank Thomas Koch

Den Martinstag wollte sich die katholische Kita St. Georg in Horn nicht nehmen lassen. Einmal noch zogen alle Kinder mit ihren Laternen durchs Haus, einmal konnten alle noch zusammen feiern. Am 11. November war das, am vergangenen Mittwoch. Einen Tag später schaltete die Kindertagesstätte in den eingeschränkten Regelbetrieb um, die Stufe 1 des Reaktionsstufenplans. Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat der Krisenmodus in den Kitas Einzug gehalten. Wie schon vor den Sommerferien gibt es wieder Stammgruppen – und die Vorschrift, dass eine Fachkraft nur in höchstens zwei Gruppen arbeiten darf.

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Diesmal hatten die Bremer Kitas eine Woche Zeit, um sich auf die neuen Vorgaben umzustellen. Seit diesem Montag müssen alle Einrichtungen soweit sein. Mit der neuen Situation kommt die Kita St. Georg halbwegs gut zurecht. Es gebe nur „minimale Einschränkungen“, sagt Kita-Leiterin Sandra Lübbe. Die insgesamt 80 Kinder werden jetzt nur noch in drei Kohorten betreut: die 60 Kindergartenkinder in zwei Gruppen, die unter dreijährigen Krippenkinder in einer 20-köpfigen Gruppe.

Möglichst wenig vermischen

Die Krux dabei: Die elf Betreuungskräfte sollen sich möglichst ebenso wenig vermischen wie die Kinder, sie sind einer Kohorte zugeordnet. Dadurch verringert sich ihre Flexibilität, der Betreuungsaufwand für die einzelnen Kräfte steigt. „Die Erzieher sind deutlich mehr eingebunden als in Normalzeiten“, sagt Lübbe. Doch es bleibt keine andere Wahl. „Wir müssen so stark trennen“, betont Christopher Peiler, Geschäftsführer des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen. „Die Gruppen zu verkleinern, das ist eine Vorgabe im Stufenplan.“ Ansonsten drohe bei einem Corona-Fall die Schließung der gesamten Einrichtung.

Ganz unbekannt ist dieses Phänomen in der katholischen Kita-Landschaft nicht. Zwei Erzieherinnen in zwei Kitas wurden bereits positiv getestet, einmal musste eine ganze Kita geschlossen werden, einmal eine Kohorte. Das bedeutet viel Stress für alle Beteiligten. Auch für die Kinder. „Die sind einfach nur glücklich, hier ihre Freunde zu sehen“, sagt Lübbe. Das sei „ein bisschen heile Welt“.

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Derweil sind die Betreuungskräfte doppelt gefordert, sie müssen auch ihre eigenen Kinder im Blick behalten. Zeigen die irgendwelche Symptome, bleiben ihre arbeitenden Eltern eher zu Hause, um den Kita-Betrieb nicht zu gefährden. Die fatale Nebenwirkung: Die Personaldecke dünnt sich weiter aus, für die verbleibenden Kräfte gibt es noch mehr zu tun. „Ausfälle sind natürlich eine Belastung für die anderen Kollegen“, sagt die Kita-Leiterin, Mutter zweier Kinder im Alter von acht und elf Jahren.

Den Personalengpass bekommt auch Lübbe selbst zu spüren. In normalen Zeiten verbringt sie 23 ihrer 30 Arbeitsstunden im Büro. Doch das ist längst Schnee von gestern, inzwischen sind es höchstens noch zehn bis 15 Stunden. „Dann steht Kinderdienst auf dem Programm“, sagt sie. „Dann ist das Büro erst mal Büro.“ Für pädagogisch durchdachte Konzepte bleibt da nicht mehr allzu viel Luft. „Wir arbeiten wesentlich mehr am Kind als früher, wir haben längst keine Zeit mehr, unsere Arbeit vorzubereiten.“ Die Arbeitsbelastung in den Kitas, so ihr Resümee, sei „extrem hoch“.

Viel am Wertschätzen

Dass gerade kleine Kinder viel Zuwendung benötigen, bedarf keiner besonderen Beweisführung. „Die brauchen den Schoß der Erzieher, die Nähe und die Wärme“, sagt die 43-Jährige. Ein bisschen davon brauchen neuerdings auch ihre eigenen Kolleginnen und Kollegen. „Ich bin viel am Wertschätzen, immer wieder bin ich der Motivationscoach für meine Mitarbeiter.“ Frei nach dem Motto: Nicht nur in den Schulen wird gut arbeitet, sondern auch in den Kindergärten.

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In der öffentlichen Wahrnehmung stehen aus Lübbes Sicht die Schulen im Fokus. Und das, was die Lehrkräfte zu leisten haben. „Dabei fällt die Arbeit in den Kitas hinten runter“, sagt die Kita-Leiterin. Zu Unrecht, wie sie meint. „Wir versuchen, möglichst viel Betreuung zu ermöglichen.“ Für Lübbe eine Selbstverständlichkeit, vor allem um berufstätige Eltern zu entlasten. „Der Druck bei den Eltern ist groß. Zumal nicht alle Arbeitgeber Verständnis für Kinderbetreuung haben.“

Immerhin hatten die Kitas diesmal mehr Zeit, sich auf die neuen Regelungen einzustellen. „Zum ersten Mal hatten wir mehr Spielraum“, sagt Lübbe. In der Vergangenheit habe es „super-viele Veränderungen“ gegeben, die innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden mussten. „Manchmal kam freitags die Mail für Dinge, die montags umgesetzt werden mussten.“ Doch das habe sich zum Glück geändert, nun gebe es einen guten Draht zur Behörde.

Bislang ist die Kita St. Georg ohne Corona-Fall durch die Pandemie gekommen. Doch Lübbe weiß: Anderswo gestalten sich die Dinge schwieriger. „Da gibt es Personalvakanzen, deshalb muss die Betreuung schon mal eingeschränkt werden.“ Helfen könne nur mehr Personal. Das Problem: „Es ist gerade nicht so leicht, welches zu finden.“

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Bis jetzt nur eine Kita geschlossen

Der Katholische Gemeindeverband in Bremen ist Träger von elf Kindertagesstätten in Blockdiek, Findorff, Gröpelingen, Horn, Huchting, Kattenesch, Neue Vahr, Schwachhausen und Walle. Bislang sind die pandemiebedingten Schließungen überschaubar: Wegen einer positiv getesteten Mitarbeiterin musste eine Kita vorübergehend schließen, bei einer anderen Kita mussten kürzlich die Kinder einer Kohorte zu Hause bleiben. Insgesamt besuchen 746 Kinder die katholischen Kitas, betreut werden sie von 150 Pädagogen, dazu kommen junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, Auszubildende und Praktikanten.

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