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Bremer Kammerchor Northern Spirit wird zehn Jahre alt – und gibt ein Jubiläumskonzert in der Glocke
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Jung, modern und motiviert

Alexandra Knief 23.09.2016 1 Kommentar

Chor Northern Spirit
Der junge Bremer Chor Northern Spirit tritt bei seinen Konzerten komplett ohne Noten auf. Das sorgt laut Chorleiter Jaret Choolun (im blauen Hemd) nicht nur für mehr Konzentration, sondern beeindruckt auch das Publikum. (AARON D HOLLOWAY und Aaron Holloway, Aaron Holloway)

Es ist fast, als sei man in einer Yogagruppe gelandet. Nach kurzem Aufwärmen beginnt die Gruppe dann allerdings mit ein paar Übungen das zu lockern, worauf es bei ihnen hauptsächlich ankommt: ihre Stimmbänder. Denn hier sind nicht etwa Sportler am Werk, sondern der Kammerchor Northern Spirit – und Jaret Choolun ist kein Trainer, sondern Chorleiter. Das Aufwärmen wird genutzt, um sich gegenseitig die wichtigsten Neuigkeiten aus dem Alltag zu erzählen. Danach heißt es dann aber: volle Konzentration. Choolun stimmt auf dem Keyboard einen Ton an, und der Chor beginnt zu singen: Harmonie schon beim ersten Ton.

Gegründet wurde Northern Spirit 2006 von dem australischen Komponisten und Dirigenten Gordon Hamilton, dessen Einfluss sich auch heute noch im Repertoire des Chores zeigt. Denn dieses unterscheidet sich durchaus von dem Angebot vieler anderer Chöre. In einer Verbindung zu einer Kirche, einer Uni oder anderen Einrichtung steht der Chor nicht, und ist deshalb unabhängig in der Wahl seiner Stücke „Wir singen, was wir wollen“, sagt Choolun.

Das sehr junge Ensemble im Alter von 17 bis 37 Jahren widmet sich vor allem Chorstücken aus dem 20. und 21. Jahrhundert und arbeitet häufig mit jungen Komponisten zusammen, die sie persönlich kennen, unter anderem mit Studenten der Hochschule für Künste. „Ich habe oft eine persönliche Beziehung zu den Komponisten, dessen Stücke wir spielen“, sagt der Chorleiter. Aber auch klassische Chorstücke, zum Beispiel von Johann Sebastian Bach, Anton Bruckner oder Josef Rheinberger sowie eigene Kompositionen der beiden australischen Chorleiter, gehören fest zum Repertoire von Northern Spirit.

Choolun leitet den Chor seit 2012. Auch er stammt wie Chorgründer Hamilton aus Brisbane, Australien. Dort lernten die beiden sich auch kennen, als Hamilton einen Chor leitete, in dem auch Choolun aktiv war.

England, Palästina, Spanien, Island, Polen und sogar Australien – so oft es geht, versucht der Chor Reisen ins Ausland zu unternehmen, um dort aufzutreten oder an Wettbewerben teilzunehmen. In Polen gewann Northern Spirit vergangenes Jahr beim sechsten Internationalen Chorfestival in ­Krakau sowohl den zweiten Platz in der ­Kategorie Kammerchöre als auch einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines polnischen Stückes von einem nicht polnischen Chor. Im kommenden Jahr hofft der Bremer Chor auf eine Teilnahme an den European Choir Games in Riga.

Bei ihren Auftritten singen die Mitglieder von Northern Spirit komplett ohne Noten. Das hat laut Choolun mehrere Gründe. „Der Chor und ich haben so eine bessere Verbindung und können besser miteinander agieren“, sagt er. Außerdem hören Sänger ohne Noten besser zu und achten mehr darauf, was um sie herum passiert. „Ein Grund ist aber natürlich auch, dass es das Publikum beeindruckt“, sagt Choolun mit einem Lachen. Vor allem, weil der Chor Lieder in zahlreichen verschiedenen Sprachen singt – neben Deutsch und Englisch unter anderem auch in Katalanisch, Mazedonisch, Arabisch, Polnisch oder Russisch. „Wir haben fast immer jemanden dabei, der die Sprache kennt und bei der Betonung helfen kann“, sagt Choolun. „Und wenn nicht, dann laden wir jemanden von außerhalb ein, der uns hilft.“ Berufsmusiker ist außer Chorleiter Choolun fast niemand im Chor. „Schüler, Studenten, Techniker, Biologen, angehende Lehrer – hier ist alles dabei“, sagt Chormitglied Paula Reinhardt. Die meisten singen nur in ihrer Freizeit, aber dafür mit sehr hoher Qualität. Einmal wöchentlich probt der Chor für drei Stunden in Walle. „Vor Auftritten natürlich häufiger“, sagt Reinhardt. Außerdem müsse jeder für sich auch alleine zuhause sehr viel üben, damit der Chor am Ende gut klingt.

Auch fernab der Proben treffen sich die Gruppenmitglieder immer mal wieder für gemeinsame Aktivitäten, denn – da ist sich die Gruppe einig – wer viel Zeit miteinander verbringt und sich gut versteht, der klingt auch besser.

Bereits im Oktober stehen der Gruppe einige Auftritte bevor. Der wohl wichtigste Auftritt in diesem Jahr findet dann im 19. November in der Glocke statt. Dort gibt Northern Spirit sein großes Jubiläums-Konzert. Anlass ist das zehnjährige Bestehen, das der Chor in diesem Jahr feiert. Auch Chorgründer Hamilton wird laut Chollun in der Glocke dabei sein, genauso wie einige ehemalige Chormitglieder.

„Ich habe oft eine persönliche Beziehung zu den Komponisten.“ Jaret Choolun, Chorleiter
„Schüler, Techniker, Biologen, angehende Lehrer – hier ist alles dabei.“ Paula Reinhardt, Chormitglied

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