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Künstlerin Mia Unverzagt geht auf Reisen

Uwe Dammann 16.02.2016 0 Kommentare

Mia Unverzagt - Künstlerin aus Bremen geht auf Reisen
Mia Unverzagt - Künstlerin aus Bremen geht auf Reisen (Mia Unverzagt)

Die Bananenkartons stehen noch leer, aber gestapelt an der Wand. Fotografien, Zeichnungen hängen auf einer Wäscheleine, und Möbelstücke sind auch noch da. Noch ist nicht alles ausgeräumt aus dem Atelier von Mia Unverzagt im Bremer Künstlerhaus am Deich. Aber es dauert nicht mehr lange, dann zieht hier ein anderer Kreativer ein und kann im dritten Stock mit Blick auf Bremer Dächer arbeiten.

Mia Unverzagt, die sich in der Stadt als Fotografin, Zeichnerin aber auch mit Performance einen Namen gemacht hat, verlässt nach sieben Jahren ihr Atelier und geht auf Reisen. „Unverzagt unterwegs“, heißt ihr Projekt, das sie ab dem 24. Februar angeht. Gemeinsam mit ihrem Mann fliegt sie zunächst nach Kuba, dann nach Nordamerika, um später Mexiko und andere Länder des amerikanischen Kontinent zu bereisen.

Und von überall will sie den Kontakt zur alten Heimat Bremen halten. Wer will, kann bei ihr eine Kunstkiste abonnieren, die alle drei Monate mit einem Kunstobjekt aus Lateinamerika bestückt wird. In dem Päckchen, dass die Kunstkistenabonnenten dann mit der Post erhalten, befinden sich jeweils ein Kunstwerk, ein kurzer Reisebericht und eine Landkarte mit eingezeichnetem Streckenverlauf.

Für ein Fotoprojekt in Havanna hat Unverzagt Touristen willkürlich auf einen Sockel gestellt und sie im Hof vor der Statue von Christoph Kolumbus zum Touristen des Jahres erklärt.
Ebenso fotografierte Mia Unverzagt in Mexiko. Sie hat dort etliche Männer porträtiert und sie nach ihrer weiblichen Note gefragt.
Auch dieses Foto zeigt einen mexikanischen Mann, dem sie nach ihrer weiblichen Note gefragt hat.
Bereits vor 16 Jahren hat Mia Unverzagt Länder wie Kuba, Mexiko, aber auch Nordamerika mit einem mobilen Atelier erkundet. Für das Projekt "Unverzagt unterwegs" wollen sich Mia und Marc Unverzagt in Amerika ein Wohnmobil kaufen und das zum mobilen Atelier umbauen.
 
Fotostrecke: Fotografien der Bremer Künstlerin Mia Unverzagt

Die Zeichnungen, Druckgrafiken oder Fotografien von Mia Unverzagt entstehen unter den Einflüssen des jeweiligen Gastlandes und der Region, in der sie sich aufhält. „Anders geht das auch gar nicht. Ich kann mich nicht frei machen von den künstlerischem Umfeld, das mich umgibt“, sagt Mia Unverzagt. Sie muss es wissen. Schließlich hat sie Länder wie Kuba, Mexiko, aber auch Nordamerika schon vor 16 Jahren, damals mit drei Kindern und Mann besucht, und war seinerzeit äußerst kreativ. Ihre Arbeiten standen unter dem Einfluss der jeweiligen Kunst- und Kulturszene sowie der landestypischen Traditionen. So entstanden in Mexiko Fotografien, die im Nachhinein mit indianischen Stickereien versehen wurden. Die ungewöhnliche Kombination von Fotografie und farbenfroher Stickerei ergibt eine gelungene Kombination, zumal die Bilder durchaus eine selbstironische Aussage haben, aber gleichzeitig die Mythen des Gastlandes einbeziehen.

Die Kunstkiste von Mia Unverzagt wird auch im Foyer der Städtischen Galerie ausgestellt und jeweils immer mit den neuen Objekten aus fernen Ländern aktualisiert und ergänzt. „Auf diese Weise bleiben wir in Kontakt mit Freunden und Kunstliebhabern, die so an der Reise und der Entwicklung meiner künstlerischen Arbeit teilhaben können“, sagt Mia Unverzagt.

Der neue Trip nach Amerika ist für sie so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit. Ihre erste Station ist die kubanische Hauptstadt Havanna. Dort hat Mia Unverzagt während eines Auslandssemester studiert und hatte später auch eine Gastprofessur an der Academia National de Artes übernommen. Die seither bestehenden Kontakte zu den kubanischen Kollegen sollen bei Atelier- und Ausstellungsbesuchen aufgefrischt werden – und sicher wird man auch über das ungewöhnliche Performance-Projekt reden, das Mia Unverzagt einst in Havanna realisiert hatte.

Mit einer Augenbinde, auf der aufgedruckte Kinderaugen zu sehen waren, und einem Kleid, dessen Stoff mit Bildern von Männerhänden bedruckt war, ging sie „blind“ durch Havanna und sorgte für Aufsehen. Viele Menschen sprachen sie an, halfen ihr über die Straße und wollten mehr über die Aktion der „Suchenden“ erfahren. Mia Unverzagt ließ diese Begegnungen von einem befreundeten Fotografen festhalten und gestaltete anschließend ein Buch über den „blinden“ Rundgang durch Havanna. In dem Kuba-Buch sind auch weitere Fotos von Touristen zu sehen, die Mia Unverzagt auf einem Sockel stehend zum „Touristen des Jahres“ machte. Bereitwillig – ausgestattet mit den klassischen Shorts, mit Sandalen und Socken oder Sommerkleid im fröhlichen Blümchenmuster – ließen sich viele Touristen diese mit feiner Ironie überreichte Auszeichnung gefallen. In Mexiko fotografierte sie dagegen fast ausschließlich Männer und fragte sie nach ihrer weiblichen Seite.

Kunstaktionen dieser und ähnlicher Art sollen auch auf der neuen Reise realisiert werden. Nach drei Monaten Aufenthalt in Havanna ziehen die Unverzagts weiter nach Portland in die USA. Dort ist Mia Unverzagt als Künstlerin am Oregon College of Art eingeladen, um hier neben der Präsentation eigener Arbeiten auch einen Einblick in die Kunstszenen Deutschlands und Kubas zu geben. In Amerika wollen sich Mia und Marc Unverzagt ein Wohnmobil kaufen und das zum mobilen Atelier umbauen.

Anschließend geht es weiter nach Süden, bis irgendwann Feuerland erreicht ist. Die Reise soll durch viele Länder in Zentral- und Südamerika führen; wie lange sie dauert, ist nicht klar. Die Ungewissheit der Reise gehört zum Gesamtprojekt. Loslassen können, die Lust auf Neues – auch – und vor allem in künstlerischer Hinsicht, soll der Kreativität dienen. Und auch die Bewältigung der inneren Konflikte gehört für Mia Unverzagt zu dieser Reise.

Da ihre drei Kinder mittlerweile junge Erwachsene sind und eigene Wege gehen, sehen die Eltern sie durch diese Reise lange Zeit nicht wieder. Auch Freunde und weitere Familienangehörige lassen sie in Deutschland zurück, was bereits heute – wenige Tage vor dem Start ins Ungewisse – emotional belastend ist. Und so paart sich bei der Vorfreude auf die Kunstreise ins ferne Lateinamerika schon jetzt die Trauer darüber, dass sie Familienangehörige und Freunde zurücklässt. „So ist das Leben. Jede Entscheidung, die man fällt, hat immer zwei Seiten“, sagt Mia Unverzagt.

Wer das Projekt unterstützen will, kann die Kunstkiste unter mia.unverzagt@fragment.de für den monatlichen Abonnementpreis von 60, 90 oder 120 Euro beziehen.


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