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Open Air-Poetry Slam im Bremer Schlachthof
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"Slammer Filet" feiert Besucherrekord

Jana Früh 07.07.2012 0 Kommentare

„Auch wenn wir noch nicht ausgezählt haben können wir schon sagen: das ist ein neuer Besucherrekord!“, begrüßt Moderator Sebastian Butte, der zusammen mit seinem Kollegen Robin Evers durch den Abend führt, die rund 500 Zuschauer.

Einmal im Jahr veranstaltet das Team vom „Slammer Filet“ einen Open Air Poetry Slam, zu dem Poeten aus ganz Deutschland und manchmal auch aus der Schweiz und aus Österreich eingeladen werden.

Heute kommen die zehn „Slammer“ alle aus Deutschland. „Jeder der auf der Bühne steht muss exhibitionistisch sein, etwas von sich zeigen wollen. Man braucht ein Quäntchen Ego“, erklärt Thomas Jurisch aus Dresden. Die anderen Slammer kennt er schon von verschiedenen anderen Events, sodass das Ganze eher wie eine fröhliche Party unter Freunde, als wie ein Wettkampf um den TitelFreiluftkapitänoder Freiluftkapitänin des Jahres 2012wirkt.

Bevor es endgültig losgehen kann, muss die Jury ausgewählt werden. Sieben Zuschauer bekommen Schilder mit den Nummern eins bis zehn darauf, melden kann sich hierfür jeder.

Als erstes stellt sich Sebastian Hahn aus Bremen der Jury. „Mütter sind alle gleich, sie sind zu ihren Kindern die ehrlich!“, erklärt er dem Publikum. Und auch sonst führt er laut seines Textes ein sehr hartes Leben- und das, obwohl sein neuer, roter Pulli im Schachclub der Renner ist.

So unterschiedlich die Slammer, so unterschiedlich sind auch ihre Texte.Die Texte gehen von der Problematik Ikeamöbel aufzubauen und lustigen Anekdoten von ereignisreichen Samstagabenden über poetische Erzählungen über die Liebe bis zu tiefsinnigen Texten über den Sinn des Lebens.

„Meine Texte sind jetzt nicht so Poetry Slam- mäßig“, findet Jenny TooMany, die eine kurze Geschichte vorträgt. Ihre Texte, die fast ein bisschen an Sprechgesang erinnern, handeln davon sich selbst zu finden und mit dem zufrieden zu sein, was man hat. „Es geht um das Was, viel mehr als um das Wie.“

Der Hannoveraner Tobias Kunze berichtet, passend zur EM, von dem Experiment sich bei dem Spiel Deutschland gegen Holland als Hollandfans auszugeben. Die „Erfahrungen“ reichen von lästernden „Tussneldas“, die zwar Lidschatten in den Deutschlandfarben zur Schau stellen, aber vor dem Anpfiff fragen, wer überhaupt spielt, bis zu einem Lynchmob, der mit Mistgabeln bewaffnet und Holzclogs werfend auf die vermeidlichen niederländischen Fans losgeht. Und wie kommt man auf solche Ideen?

„Ich hab eine Halle mit 20 dressierten Affen, die schreiben den ganzen Tag. Und wer es am besten gemacht hat, der kriegt einen Tag frei und 30 Kokosnüsse“, erzählt Tobias lachend.

Je später es wird, desto ausgelassener wird das Publikum. Rund um den Platz stehen Fackeln. Auch das angekündigte Gewitter bleibt Bremen fern.

Als der Dortmunder Torsten Sträter als siebter die Bühne betritt, ist die Stimmung schon so ausgelassen, dass er gar nichts sagen muss, einige Leute lachen auch schon so. Es dauert zwar eine Weile, bis er sich das Publikum soweit beruhigt hat, dass er seinen Text vorlesen kann, doch dann bekommt Torsten 50 Punkte und den bisher lautesten Applaus des Abends.

Diese Wertung können auch die letzten drei Kandidaten nicht überbieten. Torsten ist neben Julia Engelmann mit 48 und Thomas Jurisch mit 46 Punkten im Finale. Nachdem alle drei einen weiteren Text vorgetragen haben, bestimmt das Publikum per Applausabstimmung den Gewinner. Torsten schafft es ganz knapp vor Julia auf den ersten Platz.

Der Sieger sollte eigentlich eine Flasche Schnaps bekommen, doch die wurde anscheinend schon ausgetrunken. Torsten gewinnt eine goldene Blechbüchse. Da es beim Poetry Slam aber um den Spaß und nicht ums Gewinnen geht, freut er sich trotzdem. „Ohne euch wär das hier heute echt scheiße geworden“, bedankt er sich augenzwinkernd beim Publikum. Na dann, viel Spaß mit der Blechdose und bis zum nächsten Mal.


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