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Musikfest Bremen
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Traumhafte Zeit im Belcanto-Himmel

Wolfgang Denker 23.08.2016 0 Kommentare

Europa Galante
Das Barockorchester Europa Galante mit seinem Dirigenten Fabio Biondi begeisterte in Oldenburg. (Ana de Labra)

Beim „Sommer in Lesmona“ ging es erst kürzlich mit Werken von Tschaikowsky, Prokofjew und Bernstein um die Liebesgeschichte von Romeo und Julia. Das Musikfest Bremen lieferte nun im Oldenburgischen Staatstheater mit einer konzertanten Aufführung der Oper „I Capuleti e i Montecchi“ („Romeo und Julia“) von Vincenzo Bellini einen weiteren Beitrag zu diesem Thema. Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ steht etwas im Schatten seiner Opern „Norma“, „I Puritani“ und „La Sonnambula“. Das ist unverständlich, denn Bellinis Musik ist mit ihrer Melodienseligkeit, vor allem in den langen Duetten, erstrangig und unwiderstehlich.

Dieser Eindruck wurde durch die Aufführung in Oldenburg nachhaltig bestätigt. Bellini hat in seinen „Capuleti“ einige Teile aus seiner kurz zuvor durchgefallenen „Zaira“ übernommen, um diese Musik doch noch zu retten. Und wie Fabio Biondi sie mit dem Orchester Europa Galante – die schon bei der Großen Nachtmusik begeisterten – mitsamt den fünf Solisten zum Leben erweckte, bescherte ein traumhaftes Belcanto-Fest.

Biondi dirigierte mit energischem Zugriff und arbeitete die Feinheiten der Partitur bestens heraus. Bei der Ouvertüre brauchte das Orchester noch ein paar kleine Augenblicke, um dann schnell zu optimaler Form aufzulaufen. Bestechend waren das Hornsolo und die verzaubernde Stimmung vor dem ersten Auftritt von Giulietta, dramatisch zugespitzt das Quintett im Finale des ersten Akts. Dabei räumte Biondi seinen Sängern stets das Primat ein. Aus gutem Grund – die fünf Rollen waren alle erstrangig besetzt.

Über jeden Zweifel erhaben

An vorderster Stelle ist da Vivica Genaux als Romeo zu nennen, die erst am Tag zuvor in der Glocke mit drei Vivaldi-Arien begeistern konnte. Ganz am Anfang klang ihr schlanker Mezzo noch eine Spur kehlig, aber dann lief sie zu ganz großer Form auf. Technisch ist sie ohnehin über jeden Zweifel erhaben – und gestalterisch gab sie der Romeo-Figur eine atemberaubende Tiefe und Präsenz.

Romeos Stolz als Anführer der Montagues verdeutlichte sie ebenso wie seine fordernde, verzweifelte Liebe. Ihre bewegliche, ausdrucksvolle Stimme führte sie klangvoll durch alle Lagen. Beim tiefen, satten Brustregister fühlte man sich fast an die Zeiten von Marilyn Horne erinnert. Ihr zur Seite beigeisterte nicht minder Valentina Farcas als Giulietta. Die rumänische Sopranistin machte die romantische Sehnsucht Giuliettas mit ihrer Stimme voll ätherischer Süße zum Greifen deutlich.

Wenn sich die Stimmen von Genaux und Farcas in den langen Duetten mal innig, mal dramatisch umspielten und vereinten, schien die Zeit im Belcanto-Himmel stehen zu bleiben. Das ist nicht nur ein Verdienst der beiden Sängerinnen, sondern natürlich auch den himmlischen Melodien Bellinis zu danken. Die ergreifende Schlußszene, wenn Julia aus ihrem Schlaf erwacht, Romeo aber bereits das tödliche Gift genommen hat, traf mitten ins Herz und war der emotional sehr berührende Höhepunkt der Aufführung.

Hervorragende Besetzung

Das Duett „Ah! crudel! che mai facesti!“ dürfte niemanden kalt gelassen haben. Tebaldo ist aus dem Lager der Capulets, Romeos Feind und für Giulietta als Ehemann bestimmt. Die dankbare Partie wurde von Davide Giusti mit kräftigem und höhensicherem Tenor gestaltet. Seine Stimme hat einen warmen, einschmeichelnden Klang, was er gleich bei seiner Auftrittscavatine „È serbata a questo acciaro“ unter Beweis stellte. Er gab der Figur Feuer und Temperament und eine gehörige Portion Dramatik mit auf den Weg.

Capellio, Giuliettas Vater, ist der uneinsichtige Bösewicht, der nur von Hass erfüllt ist. Der Bassbariton Ugo Guagliardo sang die Partie mit kernig-markanter Stimme und gestalterischer Nachdrücklichkeit. Lorenzo, der Arzt und Berater Capellios, schlägt sich bekanntlich auf die Seite des Liebespaares und denkt sich die List mit dem scheinbaren Tod Giuliettas aus.

Die Partie war mit Fabrizio Beggi hervorragend besetzt – ein Bassist mit einer sehr profunden Stimme von großem Volumen und tiefschwarzer Farbe. Der Abend dürfte sich schon jetzt einen Platz unter den Höhepunkten des 27. Bremer Musikfestes gesichert haben. 


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