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Zu wenige Besucher in der Schwankhalle

Iris Hetscher 19.08.2016 1 Kommentar

Vor einem Jahr startete die Schwankhalle am Buntentorsteinweg mit neuem Team und neuem Konzept, nun hat die künstlerische Leiterin Pirkko Husemann eine erste Bilanz gezogen. Und die wartet mit schlechten Nachrichten auf.

Schwankhalle
Die Spielzeiteröffnung der Schwankhalle führt – per Video – ins ewige Eis. „Liebe – Ökonomien des Handelns 3“ ist am 27. und 28. August zu sehen. (Schwankhalle)

Zu den 150 Produktionen des Veranstaltungshauses in der Neustadt kamen lediglich schätzungsweise 9300 Besucher – die genauen Zahlen konnte Husemann beim Pressegespräch nicht nennen. Dies entspreche einer durchschnittlichen Auslastung von 40 Prozent, Husemann dazu: „Das ist eine Katastrophe.“

60 Prozent Auslastung sei die selbst gestellte Zielvorgabe gewesen. Damit hat die Schwankhalle, die von der Stadt mit 755.000 Euro jährlich den zweithöchsten Zuschuss innerhalb der institutionellen Förderung der Freien Szene nach der Shakespeare Company erhält (Zuschuss: 832.000 Euro), schätzungsweise ein Minus von 20.000 Euro gemacht. Über den genauen Betrag gab es ebenfalls keine Auskunft. 

Zudem mangelt es offenbar an der Akzeptanz der Produktionen beim Publikum. Am besten ausgelastet seien Inszenierungen regionaler Künstler sowie Kooperationen, beispielsweise mit der Hochschule für Künste oder Arbeiten, in denen politische Themen, zum Beispiel Big Data, aufgegriffen würden.

Nicht selbsterklärend

Bei anderen Veranstaltungen habe man regelmäßig Rückmeldungen über die mangelnde Verständlichkeit der Ankündigungstexte aber auch der Inszenierungen bekommen, so Husemann und meint dazu: „Postdramatisches Theater ist nicht selbsterklärend.“ Sie verwies in diesem Zusammenhang auf ein Stimmungsbild anderer Art: Bei einer – allerdings nicht-repräsentativen – Umfrage unter 100 Zuschauern zweier Aufführungen hätten 89 Prozent erklärt, sie würden diese Produktionen weiterempfehlen.

Die Schwankhalle will nun gegensteuern. Dafür wird zum einen ein sogenanntes solidarisches Preissystem eingeführt: Besucher können wählen, ob sie sieben, zehn oder 14 Euro für eine Karte ausgeben wollen, bisher kosteten alle regulären Tickets 14 Euro. Wer einen Bremen-Pass besitzt, zahlt drei Euro, alle Erstsemester der Bremer Hochschulen haben freien Eintritt.

Damit rückt Pirkko Husemann von einem Grundsatz ab, den sie beim Antritt ihrer Stelle im Juli im vergangenen Jahres postuliert hatte: Sie hatte sich von dem Modell „pay as you wish“ (zahl‘, was du willst) distanziert, das das Vorgängerteam in der Schwankhalle etabliert hatte. Husemanns Begründung damals: Sie wolle nicht mit den Zuschauern über den Wert von Kunst verhandeln.

„Huckepack“-System soll helfen 

Der Hintergrund für die Zurückruder-Aktion: Die Schwankhalle möchte vor allem ein jüngeres Publikum anziehen, doch genau das ist im ersten Jahr nur selten zu Gast gewesen. Als Grund hat das Team die bisher angeblich zu hohen Preise ausgemacht. Das hätten Zuschauer so gesagt, berichtete Husemann, ohne allerdings auf eine valide Befragung verweisen zu können.

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Man setze nun auf ein „Huckepack“-System; diejenigen, die es sich leisten könnten, könnten dann freiwillig mehr zahlen als andere. So will man mehr Besucher anlocken; die Einnahmen blieben dann unterm Strich gleich, erhöhen sich allerdings auch nicht. Für Pirkko Husemann ist das erst einmal nicht so wichtig: „Wir wollen das Haus ja vollkriegen.“

Außerdem soll ein fünfköpfiger „Zuschauerrinnenrat“, der sich dezidiert aus Nicht-Theaterexperten zusammensetzen soll, das Schwankhallen-Team beraten. Bewerben dafür kann man sich unter kbb@schwankhalle.de oder telefonisch unter 520 80 710. Wer sich die Produktionen von Pirkko Husemann selbst erklären lassen will, hat dazu auch Gelegenheit. Unter dem Motto „Schwankhalle for 2“ kann man sich dienstags oder donnerstags eine Stunde von der künstlerischen Leiterin in die Geheimnisse postdramatischen Theaters einweihen lassen, Anmeldung unter presse(at)schwankhalle.de

Zwei Tanzfestivals in September

Mit diesen Änderungen startet die Schwankhalle in die neue Spielzeit, am künstlerischen Konzept soll dabei nicht nachjustiert werden. Bei der Eröffnung am 27. und 28. August sind Daniel Kötter und Hannes Seidl mit ihrer experimentellen Musiktheaterproduktion „Liebe – Ökonomien des Handelns 3“ zu Gast, bei der es sich um eine „raumgreifende Installation aus Musikinstrumenten, die von schmelzendem Eis zum Klingen gebracht werden“ handelt.

Im September feiert das steptext dance project sein 20-jähriges Bestehen (3. und 4.), vom 15. bis 18. finden die Bremen Tanztage statt und am 22. gibt es mit den Postpunkern von The Ex das erste Konzert der neuen Saison. Mit Rabih Mroué und seiner Performance „Riding On A Cloud“ hat die Schwankhalle einen international renommierten Künstler eingeladen, der bei der documenta 13 vertreten war (23. und 24.).

Weitere Projekte der Spielzeit 2016/17: das spanische Theaterfestival im Oktober, das 19. Festival für zeitgenössische Musik im November, das Tanzprojekt „Grün Gold“ von Magali Sander-Fett, die sich gemeinsam mit Thomas Bünger mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Tanztheater und Tanzsport befasst (13. Januar) und das „Outnow! Festival“, das in Zusammenarbeit mit dem Theater Bremen stattfindet. 


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