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Als die Pop-Art das Design prägte

Alexandra Knief 07.06.2019 0 Kommentare

Verner Pantons „Moon Lamp“, 1960
Verner Pantons „Moon Lamp“, 1960. (Fotos: Pamono.de)

Spricht man über Kunst und Design der 60er-Jahre, dann kommt man um ein Thema nicht herum: Pop-Art. Grelle Farben und außergewöhnliche Formen prägten das Design, insbesondere in den späten Jahren des Jahrzehnts. Die Jugend distanzierte sich von Konventionen – sowohl politischer als auch gesellschaftlicher oder modischer Natur. Der erste Mensch landete auf den Mond, Weltraumthemen waren allgegenwärtig. Alles war im Umbruch, und das spiegelte sich natürlich auch im Design wider. Wohnzimmer wurden bunter, spaciger, flauschiger, weniger bieder. Man saß nicht mehr, man fläzte. Und es gab den Wunsch nach neuen, lässig-hippen aber auch erschwinglichen Möbeln.

Möbel wurden zu Konsumgütern. Kunststoff wurde eines der vorherrschenden Materialien und brachte unfassbar viele neue Möglichkeiten mit sich, was Form und Farbe anging. Der dänische Architekt und Designer Verner Panton war einer der ersten, der sich mit Plastikmöbeln einen Namen machte. Der aus einem Guss entstandene Panton-Chair (1967) ist wohl das bekannteste Designstück des Dänen.

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Zudem sah Panton Räume als Gesamtkunstwerk und schuf diverse psychedelisch anmutende Wohnhöhlen. Besonders viel Aufmerksamkeit erlangten seine für das ehemalige „Spiegel“-Verlagshaus in Hamburg umgesetzten Räumlichkeiten, zu denen sogar ein Schwimmbad gehörte. Pantons einst als Kantine fungierender Raum steht heute im Museum – und unter Denkmalschutz. Als 1995 auf dem Cover der Vogue eine nackte Kate Moos auf einem knallig roten Panton-Stuhl saß, wuchs das Interesse am Design des Dänen wieder. Viele seiner 60er-Jahre-Entwürfe wurden erneut produziert.

Ganz neue Wege

Eigentlich wollte der 1926 geborene Panton Malerei studieren. Davon hielten seine Eltern allerdings wenig. Also entschied er sich für Architektur. Nach seinem Studium in Kopenhagen arbeitete er für den berühmten Architekten und Designer Arne Jacobsen. Doch das reichte ihm nicht. Er wollte mehr. „Mein Mann mochte Beine an den Stühlen nicht“, sagt Marianne Panton, die Ehefrau von Verner Panton vergangenes Jahr in einem Interview mit der „FAZ“. Zitate wie dieses zeigen deutlich: Panton wollte völlig neue Wege gehen. Design ganz neu denken, experimentieren und ganz im Sinne der Jugend der Sechziger dem spießigem, fantasielosen Design den Kampf ansagen. Spät abends oder nachts seien ihrem Mann immer die besten Ideen gekommen, erinnert sich seine Frau später. Er habe stets ein paar kleine Kärtchen in der Brusttasche seines Hemdes gehabt, damit er jeden neuen Einfall direkt festhalten konnte.

Doch Panton machte nicht nur mit Stühlen und Räumen auf sich aufmerksam, es gibt auch einige Lampen des Designers, die im Laufe der Jahre Kultstatus erreicht haben. Eine von Pantons bekanntesten Leuchten ist die „Moon Lamp“, die der Däne 1960 entwarf. Das Design ist geprägt von zehn ringförmige Lamellen, die von innen nach außen größer werden und wie ein Fächer das Leuchtmittel in der Mitte der Lampe umgeben.

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Warum die Lampe so heißt, wie sie heißt, ist aufgrund ihrer Form schnell erklärt. Die einzelnen, verstellbaren Lamellen verweisen außerdem auf die einzelnen Mondphasen. Die „Moon Lamp“ war eine von Pantons ersten Lampenentwürfen. Angefertigt wurde sie für den dänischen Leuchtenhersteller Louis Poulsen. Bis heute ist die Lampe ein begehrtes Sammlerstück, das Preise von 1000 Euro oder mehr erzielt.

Noch mehr stellvertretend für das bunte, spielerische Design der 60er-Jahre ist aber der „FlowerPot“, eine Hängeleuchte, die Panton 1968 entwarf und von der es heute Ausführungen in mehreren Größen, Materialien und Farben gibt. Auf einigen Vertriebsplattformen wird die Lampe mit ihrer fließenden Form sogar als „Synonym für die Love & Peace Bewegung“ bezeichnet. Sie besteht aus zwei Halbkugeln, von denen eine den Lampenschirm bildet. Die zweite, halb so große Halbkugel umschließt und verdeckt das Leuchtmittel, gleichzeitig dient das Innere der Kugel als Reflektor. Bis zu seinem Tod 1998 kreierte Panton 25 Lampen.

Zur Sache

Währenddessen bei Wagenfeld:

Stellt man die Entwürfe Wilhelm Wagenfelds dem gegenüber, was ansonsten den Markt der 60er-Jahre prägte, könnte man fast von einer Gegenbewegung sprechen. Organisch fließende Formen, wie sie das Jahrzehnt prägten, sind bei Wagenfeld in den Fünfzigern noch zu finden, verschwinden in den Sechzigern aber nach und nach wieder. Er ging zurück zu strengen, sachlichen Linien. Eine Gemeinsamkeit zahlreicher Entwürfe ist der Wunsch nach einer preiswerten Produktion. So auch bei Wagenfeld. Er arbeitet damals für das Unternehmen Lindner in Bamberg und entwirft Lampen mit typisierten Elementen, die eine preiswerte Produktion in hoher Stückzahl möglich machten. Ein wenig mehr Farbe kam auch bei den Lindner-Leuchten ins Spiel. Mit Tönen wie „Lichtgrün“, „Elfenbein“, „Rosé“ oder „Lichtblau“ präsentierte sich die Reihe allerdings nicht so knallig wie zum Beispiel die Arbeiten Pantons. Zu sehen sind Wagenfelds Lampen in der aktuellen Leuchten-Ausstellung im Wilhelm-Wagenfeld-Haus.


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