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Martin Sonneborn kommt nach Bremen
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Auf einem schmalen Grat

Patrick Reichelt 24.03.2019 3 Kommentare

Die großen Parteien reiben sich seit Jahren an Martin Sonneborn und wissen nicht so recht umzugehen mit dem Satiriker, der gleichzeitig auch Politiker ist und im EU-Parlament sitzt.
Die großen Parteien reiben sich seit Jahren an Martin Sonneborn und wissen nicht so recht umzugehen mit dem Satiriker, der gleichzeitig auch Politiker ist und im EU-Parlament sitzt. (Fischer/dpa)

Er bezeichnet den türkischen Präsidenten gerne mal als „Irren vom Bosporus“, oder erscheint bei einer Lesung des AfD-Politikers Björn Höcke im Stauffenberg-Kostüm. Martin Sonneborn weiß, wie er seine Wähler begeistert. Genau 184.709 waren das bei der Europawahl vor vier Jahren, das reichte für einen Platz im Parlament.

Seit 2014 sitzt Martin Sonneborn, ehemaliger Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, nun als alleiniger Abgeordneter der Kleinstpartei „Die Partei“ dort. Die bisherige Bilanz? Nach eigenem Bekunden eine Hervorragende. Er habe die Engländer nach Hause geschickt, Martin Schulz entmachtet und zum SPD-Kanzlerkandidaten degradiert, und er habe dafür gesorgt, dass „Kanzleraltlast Helmut Kohl vom Netz genommen, demontiert und witwengesichert endgelagert“ werde.

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Gescheitert sei er nur daran, dem ungarischen Orbán-Regime und der polnischen PIS-Partei demokratische Grundwerte zu lehren. Dafür habe seine Partei jetzt aber „ganz im Sinne der christlichen Unionsparteien“ eine Obergrenze für Flüchtlinge gefordert. „Deutschland soll jährlich nicht mehr aufnehmen müssen als das Mittelmeer“, sagte der 53-Jährige bei einer Plenarsitzung in Straßburg.

Man kann das geschmacklos finden, gar pietätlos, aber auch entlarvend oder sogar lustig. Martin Sonneborn hat das Wandern auf dem schmalen Grat perfektioniert. Die großen Parteien reiben sich seit Jahren an ihm, wissen nicht so recht umzugehen mit dem Satiriker, der gleichzeitig auch Politiker ist – oder umgekehrt. Die einen sagen, er führe mit seinen Aktionen ein junges Publikum an die Politik heran, gebe Einblicke in ein krudes System und halte gerade den rechten Parteien den Spiegel vor. Die anderen werfen ihm  Verantwortungslosigkeit und Eigennutz vor. Besonders kritisch sehen viele Politiker, dass er bei Abstimmungen ohne Blick auf das Thema abwechselnd mit Ja und Nein votiert. Sonneborn begründet das mit seinem fehlenden Einfluss als fraktionsloser Abgeordneter. 

Den Grundstein für seine Karriere hat Martin Sonneborn schon früh gelegt: Er studierte Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaften, in seiner Magisterarbeit behandelte er die „absolute Wirkungslosigkeit von Satire“. Danach heuerte er bei der „Titanic“ an, arbeitete sich vom Redakteur zum Mitherausgeber hoch. Es folgten satirische Beiträge für „Spiegel Online“ und die „Heute-Show“, seine Serie „Sonneborn rettet die Welt“ (ZDFneo) wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Vor Kurzem ist sein Buch „Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament“ erschienen, in dem er anekdotenhafte Einblicke in seine Zeit als Europaabgeordneter gibt.

In den nächsten Monaten wird die Diskussion um Sonneborn noch einmal an Fahrt aufnehmen. Bei einer Insa-Umfrage liegt „Die Partei“ derzeit bei 1,5 Prozent – das würde für einen Wiedereinzug ins EU-Parlament reichen, es gibt keine Sperrklausel. „In Zeiten, in denen es kein Geld für Jugendzentren und Kultur gibt, bieten wir den Leuten etwas an. Viele entwickeln darüber ein Interesse für Politik. Und sogar für das Europaparlament“, sagte Sonneborn jüngst der „Rheinischen Post“. Manchmal, so scheint es, ist ihm der Spaß wirklich ernst.


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