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Auf einen Kaffee mit den Untoten

Iris Hetscher 12.06.2019 0 Kommentare

Na, wo laufen sie denn?  Bill Murray als Officer Cliff Robertson, Chloë Sevigny als Officer Minerva Morrison und Adam Driver (v.l.n.r.) als Officer Ronald Peterson warten auf die Zombies.
Na, wo laufen sie denn?  Bill Murray als Officer Cliff Robertson, Chloë Sevigny als Officer Minerva Morrison und Adam Driver (v.l.n.r.) als Officer Ronald Peterson warten auf die Zombies. (Frederick Elmes/dpa)

Bremen. An einer Vampirgeschichte hat sich Jim Jarmusch, die Ikone des US-amerikanischen Independentfilms, bereits versucht. „Only Lovers Left Alive“ ist eine schwermütige Ballade und bereichert mit ihrem Mix aus Romantik und klaren Bezügen zur Schnelllebigkeit des Hier und Jetzt das Genre. Nun hat Jarmusch erneut einen Ausflug ins Horrorfach unternommen. „The Dead Don‘t Die“ (Die Toten sterben nicht) eröffnete die Filmfestspiele in Cannes und dreht sich um Zombies – auf schlitzohrig-komödiantische Art und getragen von einem Cast, für den Jarmusch seine Lieblingsstars zusammengetrommelt hat.

In Centerville geht das Leben seinen gewohnt gemächlichen Gang, so wie es immer ist, bevor in fiktiven US-amerikanischen Kleinstädten die Apokalypse ausbricht. Die Polizisten Ronnie (Adam Driver) und Cliff (Bill Murray) haben gerade noch nach einem Hühnerdieb gesucht, da dringen aus dem Autoradio beunruhigende Nachrichten. Durch das Fracking an den Polkappen ist die Erde aus ihrer Achse geraten und auch alles andere gerät nun durcheinander. Tag und Nacht beispielsweise – wenn es dunkel wird, hat der Mond zudem eine beunruhigend psychedelische Corona, die Toten steigen aus ihren Gräbern und gieren nicht nur nach dem Fleisch der Lebenden, sondern auch nach dem, was sie früher geliebt haben. Kaffee, Chardonnay, Wi-Fi, Gitarren, Rasenmäher zum Beispiel. „Das wird ein böses Ende nehmen“, sagt Ronnie ein ums andere mal. Er wird recht behalten.

Iggy Pop als Star-Zombie

Auf die taumelnden und grässlich verstümmelten Massen anderer Zombie-Streifen hat Jarmusch verzichtet, seine Untoten wirken eher wie verwahrloste und verzogene Kinder, die von nichts genug bekommen können. Ein Star-Zombie ist natürlich Iggy Pop, der seinen ausgemergelten Körper mit sichtlicher Freude an der Selbstironie durch die Gegend schleppt und es vor allem auf die gefüllte Kaffeekanne aus dem Diner abgesehen hat.

Wie im Genre üblich, setzt Jarmusch der Untotenherde den Widerstand einer Handvoll wackerer Bürger entgegen. Wo in anderen Streifen allerdings Hektik und Schock das Tempo bestimmen, herrscht in „The Dead Don‘t Die“ eine manchmal fast an Stillstand grenzende Lethargie, begleitet von den Jarmusch-typischen lakonischen Dialogen („Chardonnay. Hat sie Chardonnay gesagt?“ „Sie hat Chardonnay gesagt.“). Zu dieser Lässigkeit passt die Musik: Ein kreuzlangweiliger Countrysong hat dem Film den Titel gegeben und spielt als selbstreferentieller Running Gag eine Rolle – sollen doch andere Horrorfilme ihr Publikum per Tonspur verstören, hier leiert Sturgill Simpson aus Radio und CD-Player. Was auf andere Weise nervtötend ist.

Außer dem Polizistentrio, das durch die wunderbare Chloë Sevigny vervollständigt wird, wehren sich weitere Bürger Centervilles gegen die Zombies, was Jarmusch in diversen, nicht immer zu Ende geführten Handlungssträngen erzählt. Tilda Swinton spielt als völlig abgedrehte Bestatterin wie immer in ihrer eigenen Liga und kann so perfekt mit einem Samuraischwert umgehen wie vor ihr nur Uma Thurman in „Kill Bill“. Das wundert keinen der Hillbillies: Die Frau kommt schließlich aus Schottland, und den Europäern mit ihrem komischen Akzent ist alles zuzutrauen.

Da gibt es außerdem die drei Jugendlichen, die aus einer Besserungsanstalt irgendwohin fliehen, Steve Buscemi als reaktionären Farmer (Aufdruck auf seiner Basecap: „Make America White Again“) oder das von Disney-Star Selena Gomez angeführte Hipster-Trio „aus der Großstadt“, das mit einem alten Pontiac durch die Gegend fährt. Auch das Durchbrechen der vierten Wand, bei dem Adam Driver und Bill Murray über das Drehbuch sinnieren, bleibt ein Einsprengsel. Und ja, Jarmusch erbietet dem Vater des Genres, George A. Romero, nicht nur immer wieder visuell seinen Gruß, sondern hat auch ein bisschen von dessen Kapitalismuskritik eingestreut. Tom Waits, der einen zauseligen Waldschrat gibt, referiert aus dem Off zum Showdown, und diese plötzliche Bedeutungsschwere könnte natürlich auch ironisch gemeint sein – wer weiß das schon bei Jarmusch. Das alles reicht tatsächlich für eine leicht bekifft wirkende Horrorkomödie, in der es weniger um eine Geschichte geht denn um viele, viele schräge Zutaten.


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