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Belletristik
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Aufstieg eines Bordellbesitzers

Hendrik Werner 17.04.2019 0 Kommentare

Hat ein großes Faible für Hamburgs Halbwelt: Rocko Schamoni.
Hat ein großes Faible für Hamburgs Halbwelt: Rocko Schamoni. (KERSTIN BEHRENDT)

Ein gewisser Tobias Albrecht, geboren im holsteinischen Lütjenburg, feiert am 8. Mai seinen 52. Geburtstag. Sein bisheriges Leben ist reich an verwegenen Erfindungen, die auch und gerade seine breit gestreute Identität als Künstler betreffen. Unter anderem nannte sich der Mann schon Bims Brohm, IBM Citystar und Silvio Strecker.

Rocko Schamoni lautet das geläufigste Pseudonym des eminent umtriebigen Schauspielers und Musikers, Komikers und Entertainers, Golden-Pudel-Clubbetreibers und Schelmenromanciers. Vor zwei Jahren versuchte sich das Multitalent mit dem Hang zur Rampensau am Oldenburgischen Staatstheater sogar an seiner ersten Alleinregie: bei der Uraufführung einer Stückfassung seines Prosatextes „Fünf Löcher im Himmel“, der – einmal mehr – von liebenswerten Verlierern handelt, die sich auf die Suche nach einem lebenswerten Leben begeben.  

Auch in seiner jüngsten Hervorbringung erzählt Rocko Schamoni, der im belletristischen Beritt mit den autobiografisch unterfütterten Büchern „Risiko des Ruhms“ (2000) und „Dorfpunks“ (2004) bekannt wurde, von einem Mann, der nach dem Glück fahndet. Doch anders als in seinen Romanen „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ (2007) und „Tag der geschlossenen Tür“ (2011), die um den Tunichtgut und Taugenichts Michael Sonntag kreisen, einen antriebslosen Kunststudenten, orientiert sich der ironisch gewiefte Erzähler diesmal an einer historisch einschlägig hervorgetretenen Figur: Wolfgang Köhler, seines Zeichens Blumenkind und Bordellbesitzer, Kiezgröße und Weltreisender, begnadeter Fabulierer und überzeugter Marxist.

Schamoni war befreundet mit dem im Sommer 2017 verstorbenen Mann, den sie „Wolli Indienfahrer“ nannten. So heißt auch ein Buch, für das der in der Hamburger Halbwelt verankerte Schriftsteller Hubert Fichte (1935-1986) Köhler verschiedentlich interviewte.

Schamonis sympathische Hommage an Wolli (Steckenpferde: „Haschisch rauchen, Liebe machen, Musik hören“) heißt „Große Freiheit“. Es handelt sich dabei um eine an Abgründen (käuflicher Sex! Drogen!! Schläger!!!) und kulturhistorischem Beiwerk (The Beatles) reiche Kiez-Saga. Dennoch ist das Werk weniger krass als Heinz Strunks Serienmörder-Moritat „Der goldene Handschuh“. Weil der Text zugleich als Entwicklungsroman taugen soll, klamüsert Schamoni die erst zähe, dann jähe Erfolgsgeschichte Köhlers auf St. Pauli auseinander. Besonders gewitzt gerät diese Quasi-Biografie naturgemäß als Hörbuch, gelesen vom Autor.

Weitere Informationen

Rocko Schamoni: Große Freiheit. hanserblau, Berlin. 288 Seiten, 20 €. Hörbuch: Random House Audio, München. 482 Minuten, 20 €. Am 11. Mai liest Schamoni im Bremer Schlachthof.


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