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Theater am Goetheplatz
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Auftakt der Jazzahead 2019 in Bremen

Iris Hetscher 14.04.2019 0 Kommentare

Weltpremiere am Goetheplatz: Mari Boine und Håkon Kornstad jammen gemeinsam eine Zugabe. Im Hintergrund Gunnar Augland, Percussionist des Mari-Boine-Trios.
Weltpremiere am Goetheplatz: Mari Boine und Håkon Kornstad jammen gemeinsam eine Zugabe. Im Hintergrund Gunnar Augland, Percussionist des Mari-Boine-Trios. (Joerg Sarbach)

Mit einem fabelhaften Konzertabend ist die Jazzahead in ihr Festivalprogramm gestartet. Am Sonnabend gaben sich im ausverkauften Theater am Goetheplatz der Saxofonist und Sänger Håkon Kornstad und die Sängerin Mari Boine die Ehre. Beide versahen die erste Visitenkarte des diesjährigen Partnerlandes mit zwei unterschiedlichen aber gleich starken Handschriften, die sich am Ende sogar zu einer gemeinsamen Signatur fügten. Doch dazu später.

Die Jazzahead-Organisatoren haben gut daran getan, sich beim Konzept des Eröffnungskonzerts wieder auf das Wesentliche, also die Musik, zu beschränken: Noch im vergangenen Jahr musste das Publikum sich von Impro-­Theater aus Polen langweilen lassen. Am Sonnabend enterten nach einer knackig gestalteten Einleitung der charmanten Moderatoren Felix Krömer („Buten und Binnen“) und Lise Risom Olsen (Schauspielerin, unter anderem an der Berliner Schaubühne) sogleich Håkon Kornstad (Saxofon, Stimme) und seine Mitstreiter Ole Marius Sandberg (Bass) und Sigbjørn Apeland (Harmonium, Klavier) die Bühne.

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Kornstad ist der lebende Beweis dafür, dass musikalische Dünkel-Huberei nichts bringt. Seine aktuelle CD heißt „Im Treibhaus“ und zitiert einen Titel der Wesendonck-Lieder Richard Wagners. Das hat mit Jazz erst einmal nicht wirklich etwas zu tun – denkt man. Doch das Trio belehrt einen rasch und nachhaltig eines Besseren. Die drei nehmen sich einfach die Melodien vor, die ihnen etwas sagen, und improvisieren dann darüber „in our own sweet way“, wie es Kornstad augenzwinkernd nennt.

Diese Art lassen sie auch italienischen Kunst- und Volksliedern angedeihen oder einem norwegischen Osterlied; Kornstad steht mit seinem Saxofon im Mittelpunkt, führt seine Mitmusiker in ein Wechselspiel aus melodischen Passagen, hart angeblasenen Akzenten und gerne auch beinahe sphärischen Klängen. Die gehen dann mühelos auch mal in entspannten Bar-Jazz über. Die erstaunlichste Zutat zu diesem Mix, den Apeland und Sandberg durch viele famose eigene Impro-Anteile bereichern, ist Kornstads Stimme: Vor zehn Jahren entdeckte der heute 42-Jährige die Oper für sich und nahm Gesangsunterricht.

Klassik und Jazz im Einklang miteinander

Und so setzt er sein Saxofon immer wieder ab, hält es vorsichtig im Arm und lässt einen kräftigen und leuchtenden Tenor hören – wer jetzt immer noch meint, Klassik und Jazz vertrügen sich nicht, der hat keinen Sinn für die schiere Grenzenlosigkeit musikalischen Vergnügens. Sowieso fühlt man sich ein bisschen wie auf einer italienischen Piazza, auf der gut gelaunte Straßenmusiker das Publikum unterhalten. Was will man im immer noch ungemütlichen Bremer April eigentlich mehr?

Vielleicht, sich ganz in den Klangwelten zu verlieren, die die große Mari Boine nach der Pause in den Raum zaubert. Die 62-jährige norwegische Musik-Ikone steht für einen Mix, der gemeinhin unter den Begriff „Weltmusik“ gefasst wird, aber Begrifflichkeiten können der Magie, die von ihrer Performance ausgeht, nicht gerecht werden. Auch Mari Boine weiß an diesem Abend zwei kongeniale Musiker an ihrer Seite: Georg Buljo, der Gitarre spielt und ebenfalls singt, und Gunnar Augland, der für die Perkussion sorgt.

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Eine frei fließende Mischung aus Jazz, Rock, Pop und dem Joik-Gesang der Samen, der Urbevölkerung Norwegens (und Schwedens), der Mari Boine angehört, prägen ihre Stücke. Es ist vor allem ihre eigentümlich helle, hohe und gleichzeitig geerdet wirkende Stimme, die diesen Sound ausmacht.

Stücke wie Beschwörungen

Mitunter erinnern die Stücke in ihrer bewusst auf Monotonie setzenden Struktur an Beschwörungen, und die gelingen an diesem Abend, auch aufgrund der exzellenten Leistung des Manns am Mischpult, so gut, dass das Publikum nach und nach in eine Art Trance-Zustand gerät. Boine ist stark verwurzelt in der spirituellen, naturmystischen Tradition ihres Volkes, was auch in einigen Liedern („To Ask The Wind“, „Eagle Brother“) Thema ist, in anderen geht es der politischen Aktivistin um den Respekt füreinander, der eine Gesellschaft zusammenhält. Boines Charisma tut ein Übriges, um auch diesen Teil des Konzerts unvergesslich zu machen.

Ganz zum Schluss, nach nicht enden wollendem Jubel, gab es noch eine Weltpremiere: Felix Krömer und Lise Risom Olsen überredeten Kornstad und Boine zu einer gemeinsamen kleinen Jam-Session, und es war, als hätten die beiden schon hundert Mal zusammen gespielt. Wundervoll.

Weitere Informationen

Die nächsten Termine des Jazzahead-Festivals: „Georg Grosz trifft Mulysses Slapsefjell“, Ausstellung in der Stadtbibliothek (ab 16 April); Lesung mit Gudrun Skretting (16. April, 18 Uhr, Stadtbibliothek); „The Sound of Arctic Circle – REM“, Konzert mit Lasse Marhaug (16. April, 20 Uhr, Schwankhalle); Film: „Miles ahead“ (17. April, 20.30 Uhr, City 46). 


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