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Jazzahead-Clubnight
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Bremen war vier Tage lang Zentrum der internationalen Jazz-Szene

Iris Hetscher und Alexandra Knief 28.04.2019 0 Kommentare

Die Band Soulrender (vorne: Anthony Carney) bringt am Samstagabend die proppenvolle Markthalle Acht zum Kochen.
Die Band Soulrender (vorne: Anthony Carney) bringt am Samstagabend die proppenvolle Markthalle Acht zum Kochen. (Karsten Klama)

Jazz in Häppchen kann glücklich und satt machen – das ist seit neun Jahren das Motto der Clubnight, und jedes Jahr kommen neue Veranstaltungsorte hinzu. 34 waren es dieses Mal, die für ein Ticket jede Menge Appetizer boten. Das Schöne an Kulturmarathons wie diesem, der Langen Nacht der Museen oder der Großen Nachtmusik des Musikfests: Sowohl Fans als auch einfach nur Neugierige werden angesprochen. Man bleibt auf eine Stippvisite oder verweilt länger; nach der Clubnight kann sich so mancher das Leben vielleicht ohne Jazz als möglich, aber sinnlos vorstellen. Außerdem ist dieser Samstagabend das sichtbare Zeichen dafür, dass Bremen sich mal wieder für vier Tage in das Zentrum der internationalen Jazz-Szene verwandelt hat. Und das ist sehr viel mehr als ein Bonus-Track für die Stadt. Also ab aufs Fahrrad oder rein in die Straßenbahn und Ohren auf.

Marriott-Hotel

Im Marriott-Hotel hinter dem Hauptbahnhof holt man schnell noch ein paar Stühle. Kurz bevor hier um 19 Uhr die erste Formation auftreten soll, ist der Raum bereits so voll, dass Besucher vergeblich nach einem Sitzplatz suchen. Nachschub wird besorgt, wer noch immer kein Glück hat, setzt sich auf den Boden. Drei Nachwuchsbands haben das Land Baden-Württemberg und sein Jazzverein nach Bremen geschickt, den Anfang machen am Donnerstag die fünf Musiker von Bilderband. Die Band, die im Sommer ihr erstes Album veröffentlicht, präsentiert frische, lebendige Eigenkompositionen, lässt sich dabei aber auch immer noch genug Raum für Improvisation.

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Während sich im Marriott schon die zweite Band bereit macht, sitzt Gero Haastert hoch konzentriert in der Straßenbahn. In der einen Hand einen Stift, in der anderen das Programmheft der Jazzahead. Immer wieder blättert er zwischen Timetable und Location-Plan hin und her, kreist Spielstätten ein, schaut auf die Uhr. Mindestens vier will er heute noch schaffen, besser noch fünf. Da ist Planung nötig. Immerhin ist der Jazzfan – wie jedes Jahr – aus Cuxhaven angereist, um möglichst viel mitzunehmen.

Markthalle Acht

Vielen Clubnight-Besuchern geht es am Sonnabend so wie Gero Haastert. Auch in der sehr gut besuchten Markthalle Acht wird an jeder zweiten Ecke das Programmheft studiert. 34 Veranstaltungsorte an einem Abend – das schafft niemand, egal, wie sehr er sich anstrengt. Wer nicht gerade einen Masterplan für den Abend ausarbeitet, lauscht der mitreißenden Musik von Soulrender, tanzt, versorgt sich an den Marktständen mit Essen oder macht beides gleichzeitig. Die neunköpfige Band, deren Mitglieder aus Bremen und dem Kreis Cuxhaven stammen, präsentiert dem Publikum währenddessen genau das, was ihr Name verspricht: jede Menge Soul, getragen vor allem von der unfassbar kraftvollen Stimme von Tina Kludig und ihrem beiden Gesangskollegen Thulani Masinga und Anthony Carney.

Das österreichische Trio Prim, hier Pianist Felix Biller, beim Clubnight-Konzert im Museum Weserburg.
Das österreichische Trio Prim, hier Pianist Felix Biller, beim Clubnight-Konzert im Museum Weserburg. (Karsten Klama)

Weserburg

Beim österreichische Trio Prim in der Weserburg gibt derweil Pianist Felix Biller die Töne an. Sehr melodische Tunes sind das, gerne mit Anleihen beim klassischen Repertoire; das zweite Stück bezieht sich auf Johann Sebastian Bach. Musik für nachdenkliche Stunden, denkt man gerade, da macht Biller mit seinen Mitmusikern Christoph Karas am Schlagzeug und Martin Melzer am Bass auf einmal so richtig Druck – es könnte getanzt werden. Ist aber zu voll hier im dritten Stock, wo die Band unter dem zufällig recht passenden Emailleschild „Oh cet echo!“ auftritt und ihr Publikum mit launigen Zwischenansagen belustigt: „Wer kennt den Fahrstuhl?“, fragt Biller und schiebt ein wissendes „nee, nee, nee“ hinterher. Treppensteigen scheint einmal mehr die bessere Wahl gewesen zu sein.

Villa Sponte

Am Osterdeich 59b hängt das Banner „Jazzahead Clubnight“ am Zaun, eine gute Hilfe für diejenigen, denen der Weg zur Villa Sponte nicht so geläufig ist. Drinnen herrscht Party-Atmosphäre, es wird geplaudert, viele junge Musikfans sind da, Kinder wuseln herum, Schälchen mit Salzgebäck werden großzügig nachgefüllt. Zwei Acts des Bremer Labels Berthold Records sorgen hier für kosmopolitisches musikalisches Flair: zunächst das Tarun Balani Collective (Indien/USA), dann die brasilianische Sängerin Dani Gurgel. Das Ensemble um den Schlagzeuger Tarun Balani präsentiert sein frisch am Freitag erschienenes Album „Dharma“, das Einflüsse aus der indischen Musik mit westlichen Jazz-Traditionen zu einem manchmal beinahe hypnotischen Sound verknüpft.  

Monika Herzig & Sheroes (Foto: Jamie Baum (l.) und Reut Regev) präsentieren in der Bremenhalle feinsten Jazz mit Frauenpower.
Monika Herzig & Sheroes (Foto: Jamie Baum (l.) und Reut Regev) präsentieren in der Bremenhalle feinsten Jazz mit Frauenpower. (Karsten Klama)

Bremenhalle 

Auch die Bremenhalle im Flughafen dient in diesem Jahr als Location der Clubnight. Wer sich allerdings bereits gegen 21 Uhr auf den Weg dorthin macht, um die Jazzpianistin Monika Herzig und die (reine Frauenband) Sheroes zu sehen, für den ist die Ankunft befremdlich: Hier fand zuvor ein gehobenes Dinner mit 20er-Jahre-Motto statt, Wendeltreppe und Saal sind mit großen schwarzen, weißen, gold- und silberfarbenen Ballons geschmückt. Die Gäste tragen Abendgarderobe und mottogerechte Accessoires – von Federboa bis Perlenkette, die Szenerie gleicht dem Set von „Babylon Berlin“.

Jeder, der als normaler Clubnight-Besucher mit Jacke und Turnschuhen den festlichen Saal betritt, sieht also erst einmal beschämt an sich herunter, die meisten bleiben lieber im Hintergrund. Willkommensatmosphäre sieht anders aus. Das Drumherum führt leider auch dazu, dass die wunderbar moderne, teils psychedelische und stets rein instrumentale Musik von Herzig und Sheroes für die meisten Besucher eher zur Nebensache wird. Das ist besonders schade, weil die hochklassige Band sich stark für die Anerkennung von Frauen im Jazz einsetzt.

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