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Bremens Traum von der Kulturhauptstadt

Alexandra Knief 14.05.2018 1 Kommentar

2004 wurde der Roland gemeinsam mit dem Rathaus von der Unesco zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Doch Bremen hat kulturell noch einiges mehr zu bieten.
2004 wurde der Roland gemeinsam mit dem Rathaus von der Unesco zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Doch Bremen hat kulturell noch einiges mehr zu bieten. (Koch)

West-Berlin holte sich 1988 den Titel, Weimar elf Jahre später, und im Jahr 2010 freute sich am Ende Essen und nicht Bremen. Dabei war die Hansestadt damals voller Euphorie und Selbstbewusstsein ins Rennen um den Titel Kulturhauptstadt Europas gegangen.

Bereits im Jahr 2000 kam die Idee auf, sich als Kulturhauptstadt Europas 2010 zu bewerben. Die Grünen brachten damals einen entsprechenden Antrag in die Bürgerschaft ein und damit den Stein ins Rollen. Es folgten einige Jahre des Nachdenkens, Arbeitsgruppen wurden gebildet, Pros und Kontras von rechts auf links gedreht. Der damalige Kultursenator Kuno Böse (CDU) (später dann Hartmut Perschau (CDU)) machte sich für die Idee stark. Böse betonte gleich zu Beginn, er wolle die Stadt „in ein Fieber“ versetzen. Und schnell steckte er die ersten Befürworter an, die immer wieder die positiven Einflüsse betonten, die der Titel mit sich bringen würde: ein aufpoliertes Image, internationale Aufmerksamkeit und somit langfristige positive finanzielle Auswirkungen.

Fotostrecke: Bewerbung zur Kulturhauptstadt: Stimmen aus der Bremer Politik

Bremens Bewerbung sollte als Teil einer modernen Sanierungsstrategie weit über den reinen Kulturbergriff hinaus gesehen werden, ein Sieg einen riesigen Werbeeffekt für die Stadt mit sich bringen. Gleichzeitig gab es aber auch viele Kulturhauptstadt-Gegner, alleine wegen der hohen Kosten, die mit einer derartigen Bewerbung verbunden sind und der gleichzeitigen Haushaltsnotlage Bremens.

Der Senat ließ sich Zeit mit seiner Entscheidung. 2003 dann der Entschluss: Bremen wird sich bewerben. Insgesamt 8,5 Millionen Euro beinhaltete der für das Projekt bereitgestellte Kulturhauptstadt-Fond, mit dem Projekte realisiert und angeschoben wurden. Rund zwei Millionen davon flossen in die Bewerbung. Ein international anerkannter künstlerischer Leiter wurde gesucht. Fündig wurde man mit Martin Heller, langjährigem Leiter des Museums für Gestaltung in Zürich und künstlerischer Leiter der Expo Schweiz. Und damit begann die nächste Phase im Prozess Kulturhauptstadt: Die Arbeit an der Bewerbung. Diese wurde im Juni 2004 mit Feuerwerk und viel Trara auf Reisen geschickt: auf der Hansekogge „Roland von Bremen“ brachte man die Bewerbung auf dem Flussweg nach Berlin. Sie bestand aus zwei Büchern mit den Titeln „Was Bremen ist“ und „Was Bremen will“ und umfasste rund 240 Seiten. Insgesamt gingen zehn deutsche Städte ins Rennen um den Titel: Braunschweig, Bremen, Essen/Ruhrgebiet, Görlitz, Halle an der Saale, Karlsruhe, Kassel, Lübeck, Potsdam und Regensburg.

Im März 2005 dann die große Enttäuschung: Nur zwei der zehn Städte wurden für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt nominiert. Bremen war – trotz jeder Menge Lob von außerhalb – nicht dabei und scheiterte somit schon in der Vorauswahl. Das Rennen machte am Ende Essen, stellvertretend für 53 Städte des Regionalverbandes Ruhr, womit erstmals eine ganze Region bei dem Titel berücksichtigt wurde.

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Und rückblickend? Sehen die einen die damalige Bewerbung als Startschuss, der viele kulturelle Projekte angekurbelt hat. Andere kritisieren bis heute, dass man das Geld für die Bewerbung besser anders hätte investieren können.

Vergeben wird der Titel seit 1985 jährlich von der Europäischen Union. Er hat das Ziel, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa hervorzuheben und das Verständnis der Städte und Länder untereinander zu fördern. Welches Land jeweils Kulturstädte nominieren kann, hat das Europäische Parlament in einer Liste festgehalten. Um 2004 und 2007 neu hinzugekommenen EU-Länder schnell in die Reihenfolge zu integrieren, wird der Titel seit 2009 jährlich an zwei Städte verliehen. Deutschland ist im Jahr 2025 erneut an der Reihe.


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