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„Bremer Erklärung der Vielen“
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Bremer Kultureinrichtungen engagieren sich für Kunstfreiheit

Alexandra Knief 29.01.2019 1 Kommentar

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Sie stellten die "Bremer Erklärung der Vielen" am Dienstag vor: (von links) Simone Sterr (Theater Bremen), Renate Heitmann (Shakespeare Company), Christoph Grunenberg (Kunsthalle), Karl-Heinz Schmid (City 46), Christian Kötter-Lixfeld (Bremer Philharmoniker), Pirkko Husemann (Schwankhalle) und Michael Börgerding (Theater Bremen). (Christina Kuhaupt)

„Solidarität statt Diskriminierung. Es geht um alles. Die Kunst bleibt frei!“ steht in Versalien am Ende der „Bremer Erklärung der Vielen“. Nach ihren Kollegen in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und Dresden, um einige Beispiele zu nennen, haben sich nun auch die hiesigen Kulturschaffenden zusammengeschlossen, um ein Statement gegen Diskriminierung und rechten Populismus sowie für Offenheit und Vielfalt in der Kunst abzugeben.

Die Kulturschaffenden weisen in ihrer Erklärung auf „die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte“ hin, die zur Zeit des Nationalsozialismus begangen wurden. Es wird an die Millionen Opfer erinnert, aber auch daran, wie viel Kunst von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert wurde. Und an eine Zeit, in der Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht wurde. „Als Kulturschaffende in Deutschland tragen wir deshalb eine besondere Verantwortung und wollen diese wahrnehmen“, heißt es in der Erklärung.

Mehr als 70 Kultureinrichtungen in Bremen haben die Erklärung bisher unterzeichnet „und es kommen immer noch weitere dazu“, sagte Simone Sterr, leitende Dramaturgin Schauspiel am Theater und Mitinitiatorin der Bremer Erklärung am Dienstag. Bundesweit hatten sich bereits zuvor weit mehr als 500 Kultureinrichtungen dem Bündnis „Die Vielen“ angeschlossen. Gegründet hat sich der Verein 2017 mit dem Ziel, gemeinsam für Toleranz und Vielfalt in der Kultur einzustehen und sich für die Erhaltung der Kunstfreiheit einzusetzen. Im November 2018 erschien die „Berliner Erklärung der Vielen“, die immer mehr andere Städte, wie nun auch Bremen, zum Anlass nehmen, ihre eigene Erklärung zum Thema Kunstfreiheit abzugeben. 

Anfeindungen von rechts außen

Anlass für die Gründung des Vereins war, dass immer mehr Künstler beklagten, zunehmend Anfeindungen aus der rechten Ecke ausgesetzt zu seien. 2015 klagte zum Beispiel die AfD-Politikerin Beatrix von Storch gegen das Stück „Fear“ von Falk Richter an der Berliner Schaubühne, da Fotos von ihr verwendet wurden. In Paderborn zeigte der Kreisverband der Partei das Theater wegen Verleumdung und Volksverhetzung an, weil in einer Grafik im Spielzeitheft Wahlergebnisse der NSDAP und der AfD gegenübergestellt wurden. Und es gibt weitere Beispiele.

In Bremen habe man mit größeren Angriffen bisher nicht zu kämpfen gehabt, betonen die Verantwortlichen. Einzige bekannte Beispiele aus der Vergangenheit seien ein anonymer Drohbrief, den das City 46 vor rund zehn Jahren erhielt, mit der Forderung keine homosexuellen Inhalte mehr zu zeigen. Oder als jüngeres Beispiel die Versuche eines AfD-Politikers im Waller Stadtteilbeirat, den Ankauf eines Bunkers des Kreativ- und Partynetzwerks Zuckerwerk zu verhindern.

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Es sei eine Fehleinschätzung, erst dann tätig werden zu müssen, wenn Gegenwehr dringend nötig sei, betonten die Akteure unisono am Dienstag. Mit der Erklärung wolle man ein deutliches Zeichen setzen und Solidarität gegenüber den Kollegen zeigen, die sich bereits Angriffen  ausgesetzt sahen. Mit individuellen Beispielen machten die Akteure deutlich, was es zu verteidigen gilt und warum: „In unserem Programm zeigen wir quasi alles, was Vielfalt repräsentiert“, sagt Karl-Heinz Schmid vom City 46. „Die Kulturen der Welt gehören dazu, alles, was im schwul-lesbischen-trans-Bereich angesiedelt ist, Film über und Filme von Flüchtlingen. Vielfalt ist sozusagen die größte Überschrift unseres Programms.“ Diese gelte es zu bewahren.

Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle, betont, dass das Museum seit einigen Jahren einen Fokus auf die Öffnung des Hauses lege, mit einer größeren Vielfalt an Kunst und Angeboten für ein diverseres Publikum: „Gerade die bildende Kunst steht im Zentrum zeitgenössischer Debatten über Effekte der Globalisierung, Migration, Identität, des sozialen Zusammenhalts und über neue Formen der Kommunikation und Wahrnehmung.“ Deshalb sollten Museen besonders empfindlich auf kulturelle und gesellschaftliche Tendenzen reagieren, diese an die Oberfläche bringen und thematisieren.

„Paul Hindemith wurde unter den Nationalsozialisten von den Spielplänen verbannt, die Comedian Harmonists galten als Eunuchen-Musik, Marlene Dietrich als Vaterlandsverräterin. Allein an diesen Beispielen merken wir, was verloren geht, wenn Musik unterdrückt und plötzlich der Stecker gezogen wird“, erklärt Christian Kötter-Lixfeld, Intendant der Bremer Philharmoniker. Regelmäßig widme sich das Orchester in seinen Konzertprogrammen deshalb Werken von Komponisten aus allen Teilen der Welt, „darunter auch Musikern, die unter politischer Verfolgung, Diskriminierung oder Berufsverbot litten“, so Kötter-Lixfeld.

Website in Vorbereitung

Mit der Erklärung geben die Bremer Kulturschaffenden auch ein Versprechen ab. „Wir verstehen das Land Bremen als offen, bunt, vielfältig und liberal. Diese tolerante Vielstimmigkeit zu erhalten und für sie entschieden zu kämpfen, wo es notwendig ist, dazu verpflichten sich die Kunst- und Kultureinrichtungen und die Interessenvertretungen der freien Kunst- und Kulturschaffenden dieser Stadt und dieses Landes“, lautet ein Versprechen. Aktuell arbeitet man laut Simone Sterr an einer Webseite, auf der Veranstaltungen und Aktionen zum Thema gebündelt werden.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Verein Die Vielen gibt es online unter www.dievielen.de. Die vollständige Bremer Erklärung gibt es hier.


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