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Ikonen-Ausstellung
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Bremer Kunsthalle macht Platz für van Gogh und Co.

Alexandra Knief 13.06.2019 0 Kommentare

Auch Caspar David Friedrichs
Auch Caspar David Friedrichs "Gebirgslandschaft mit Regenbogen" (1809/10) wird ab dem 19. Oktober zu Gast in der Kunsthalle sein. (Museum Folkwang - Artothek)

Einige Bremer werden am Donnerstag einen kleinen Schreck bekommen haben, als sie am Wall unterwegs waren und dabei an der Bremer Kunsthalle vorbeigekommen sind. „Wir schließen“ und „Alles muss raus!“ prangt hier aktuell auf knallroten Plakaten an allen unteren Fenstern und der Eingangstür, so als wäre das Museum ein Kaufhaus, das für seinen Sommerschlussverkauf wirbt. Doch Museumsfreunde können beruhigt sein. Zwar wird sich in den kommenden Wochen und Monaten einiges tun im Museum, unter den Hammer kommt hier aber nichts. Und geschlossen wird hier nicht dauerhaft, sondern lediglich für knapp drei Wochen ab dem 1. Oktober.

Ganz falsch ist die Aussage „Alles muss raus“ aber trotzdem nicht. Denn ab dem ersten Juli wird das Museum damit beginnen, schrittweise seine aktuell auf rund 2500 Quadratmetern präsentierte Sammlung abzuhängen, um Platz zu schaffen für ein Mammutprojekt, für die laut Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg „größte und spektakulärste Ausstellung“, die die Kunsthalle jemals gezeigt hat. Sie trägt den Titel „Ikonen. Was wir Menschen anbeten“, wird am 19. Oktober eröffnet und bespielt bis zum 1. März 2020 das gesamte Museum mit all seinen Etagen – eine Premiere.

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Rund 60 Räume sollen mit den Ikonen bestückt werden, dafür holt die Kunsthalle Leihgaben aus namhaften Museen der ganzen Welt nach Bremen. Eine weitere Besonderheit: Jedem Exponat wird ein ganzer Raum gewidmet, nur hin und wieder versammeln sich auch kleinere Serien in einem Raum. So erhalte jedes Kunstwerk seine ganz eigene spirituelle Kraft. „Wir wollen dem Zeitalter der digitalen Bilderflut einzelne Meisterwerke entgegenstellen“, sagt Grunenberg. Die Ausstellung will der Frage nachgehen, wie kultische Verehrung und die Idee des Übersinnlichen auch heute noch mit dem Begriff der Ikone einhergehen.

Van Gogh, Kandinsky, Mondrian

Die Kunsthalle nähert sich dem Thema Ikone dabei auf ganz unterschiedliche Weisen, beschäftigt sich unter anderem mit traditionellen Darstellungen, Andachtsbildern nach 1945, ironisierten Präsentationen und dem Thema Künstler als Ikone. Rund 70 Werke will das Museum hierfür zusammentragen, darunter viele große Namen. Die wohl älteste Leihgabe, die die Kunsthalle dafür nach Bremen holt, ist das auf das zweite Viertel des 16. Jahrhunderts datierte „Mandylion“, eine russische Christusdarstellung aus dem Ikonen-Museum Recklinghausen.

Aus dem Essener Folkwang-Museum kommt Caspar David Friedrichs „Gebirgslandschaft mit Regenbogen“ (1809/10) nach Bremen, das Louisiana Museum of Modern Art schickt ein Triptychon von Yves Klein auf Reisen. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt wohl das „Selbstportrait mit grauem Filzhut“ (1887) von Vincent van Gogh aus dem Amsterdamer Van Gogh-Museum, in dem der Künstler sich als Heiliger inszeniert und gleichzeitig auf sein problematisches Seelenleben verweist. Auch Künstler wie Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian, Mark Rothko, Andy Warhol, Niki de Saint Phalle, Marcel Duchamp oder Andreas Gursky finden sich auf der Liste der Leihgaben.

Kunst aus dem 21. Jahrhundert

Ergänzt werden die großen Meisterwerke durch Ikonen aus dem Alltag, aus der Markenwelt und der Popkultur. Auch Werke aus dem 21. Jahrhundert werden in der Schau zu sehen sein. Vertreten ist hier unter anderem Kehinde Wiley, der dafür bekannt ist, Personen afro-amerikanischer Herkunft so in Szene zu setzen, dass ihre Darstellungen an die klassischen Werke der Alten Meister erinnern. Große Bekanntheit erlangte Wiley vergangenes Jahr durch sein Porträt Barack Obamas für die National Portrait Gallery. Außerdem werden Fotoarbeiten von Thomas Struth aus dem Jahr 2005 zu sehen sein, die Besucher der Eremitage in Sankt Petersburg zeigen, die gerade ein Madonnenbildnis betrachten.

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Während sich die Kunsthalle den Ikonen widmet, werden 130 Werke aus der Bremer Sammlung Urlaub im Süden machen: Sie werden vom 25. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 im Guggenheim Museum Bilbao gezeigt. Im Mittelpunkt stehen hier deutsche sowie französische Arbeiten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, von der Romantik über den Impressionismus und die Künstlerkolonie Worpswede bis zum Expressionismus sowie Max Beckmann und Pablo Picasso. Mitglieder des Kunstvereins in Bremen können die Ausstellung in Bilbao kostenlos besuchen.

Wer der Sammlung der Kunsthalle noch einen Besuch abstatten will, hat bis zum 21. Juli die Gelegenheit dazu. Danach wird sie erst Mitte Mai 2020 wieder zu sehen sein – in einer ganz neuen Hängung.

Weitere Informationen

Aufgrund der Einschränkungen werden die Eintrittspreise der Kunsthalle vorübergehend gesenkt. Vom 3. bis zum 30. September kostet der Eintritt für Erwachsene sieben anstatt zehn Euro, ermäßigte Karten kosten wie bisher fünf Euro. Besucher bis 18 Jahre und Mitglieder des Kunstvereins kommen weiterhin kostenlos ins Museum. Vom 1. bis zum 18. Oktober werden die Kunsthalle, der Museumsshop und das Café Sylvette komplett geschlossen bleiben.


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