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Premiere im Schnürschuh-Theater
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Das Hakenkreuz wirkt nach

Alexandra Knief 15.09.2019 0 Kommentare

Florian Weigel (links) und Helge Tramsen in ihren Rollen als der junge Franz und Sigmund Freud in der Theaterversion von Robert Seethalers „Der Trafikant“.
Florian Weigel (links) und Helge Tramsen in ihren Rollen als der junge Franz und Sigmund Freud in der Theaterversion von Robert Seethalers „Der Trafikant“. (Böttcher + Tiensch)

Österreich, 1937: Der 17-jährige Franz Huchel lebt mit seiner Mutter am idyllischen Attersee. Doch es stehen ihnen schwere Zeiten bevor, weshalb Franz nach Wien geschickt wird, um bei dem befreundeten Tabak- und Zeitschriftenhändler Otto Trsnjek in die Lehre zu gehen – in dessen Trafik, wie man die kleinen Lädchen in Österreich nennt. Es sind die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg und Franz muss dabei zusehen, wie Hitlers Truppen in Österreich das Kommando übernehmen. Muss dabei zusehen, wie das neue Leben, an das er sich gerade erst gewöhnt hat, Stück für Stück in sich zusammenfällt. Zu allem Überfluss verliebt er sich dann auch noch zum ersten Mal: in Anezka, eine böhmische Tänzerin, die Franz den Spitznamen Burschi gibt und ihn auch genauso behandelt.

Die Schuld für seinen Liebeskummer gibt Franz dem Psychoanalytiker Sigmund Freud, im Volksmund gern „Deppendoktor“ genannt und Stammkunde in der Trafik. Schließlich hatte er ihm geraten, sich eine Freundin zu suchen. „Du machst also den Arzt zum Krankheitserreger“, kommentiert dieser den Vorwurf trocken und gibt Franz den pragmatischen Rat, sich das Mädchen entweder zu holen oder es sich aus dem Kopf zu schlagen.

Es ist genau diese Freundschaft zwischen Franz und Freud, die Regisseur Mathias Hilbig in seiner Bühnenversion von Robert Seethalers Roman „Der Trafikant“ (2012) im Schnürschuh-Theater in den Mittelpunkt rückt. Ihre Beziehung, die auf der stillen Übereinkunft „Zigarre gegen Ratschlag“ basiert, dient als beständiges Element zwischen vergänglicher Liebe und stinkenden Zeiten.

Schauspielerisch zeigen die vier Darsteller Pascal Makowka, Helge Tramsen, Florian Weigel und Sissi Zängerle eine großartige Leistung. Insbesondere Helge Tramsen spielt mitreißend, wechselt in Sekundenschnelle zwischen überdrehtem Moderator, gruseligem Nazioffizier und tiefgründigem Sigmund Freud hin und her. Doch auch Makowka (Otto Trsnjek sowie diverse Nebenrollen) und der erstmals auf der Bühne des Schnürschuh-Theaters zu erlebende Florian Weigel (Franz) glänzen. Lediglich Sissi Zängerle muss mit den Rollen von Franz‘ Mutter und der junhgen, kessen Anezka einen Spagat hinlegen, der nicht immer gelingt. Die Szenen, in denen sie und Weigel im Scheinwerferlicht der ansonsten dunklen Bühne laut die Postkarten vorlesen, die sich Franz und seine Mutter schicken, gehören wiederum zu den berührendsten Momenten des Stückes.

Während das Ensemble gerade im ersten Teil der Bühnenschau auf Humor setzt und es viel zu lachen gibt, wird der Ton im Laufe der Handlung ernster. Der Zuschauer geht am Ende des Premierenabends mit einem mulmig-bedrückenden Gefühl nach Hause. Und genau so ist es vom Theater auch gewollt. „Der Trafikant“ ist eine Warnung. Davor, wie schnell sich die Welt ändern kann, wenn man den falschen Menschen Macht gibt. Davor, dass sich historische Ereignisse wie diese nicht wiederholen dürfen. Eine rundum gelungen inszenierte Erzählung, durch die nicht nur Schulklassen etwas lernen können.

Weitere Informationen

Termine für „Der Trafikant“ im Schnürschuh-Theater, Buntentorsteinweg 145: Sonntag, 22. September sowie 20. Oktober jeweils um 18 Uhr, sowie am 22. und 26. Oktober; 8. und 30. November; 7. und 14 Dezember jeweils um 19.30 Uhr. Tickets gibt es an den Vorverkaufsstellen von Nordwest-Ticket oder online unter www.nordwest-ticket.de.


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