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Graphic Novel
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Die Vorzüge des aufrechten Gangs

Hendrik Werner 12.06.2019 0 Kommentare

Kulturgeschichte des Beifalls: In seiner gewitzten Graphic Novel zeichnet Ralf König unter anderem die Genealogie des Klatschens nach. Unser einschlägiges Bild zeigt Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende der Bremer Grünen, die sich auf der
Kulturgeschichte des Beifalls: In seiner gewitzten Graphic Novel zeichnet Ralf König unter anderem die Genealogie des Klatschens nach. Unser einschlägiges Bild zeigt Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende der Bremer Grünen, die sich auf der Landesmitgliederversammlung mit einer schlüssigen Geste für den ihr gespendeten Applaus bedankt. (CARMEN JASPERSEN)

Für sein jüngstes Werk hat sich Ralf König an die Wiege der Menschheit begeben: Der im Westfälischen geborene und überhaupt sehr rustikale Comic-Künstler, der laut einem trefflichen „Tagesspiegel“-Kalauer vorzugsweise auf „Pimmel und Propheten“ abonniert ist, spürt leiblichen und intellektuellen Regungen in frühen Evolutionsstadien nach. Unter einer bestrickenden Leitfrage: „Warum sind wir nach Millionen Jahren Entwicklungsgeschichte immer noch so blöd?“  

Einmal mehr sind Bilder und Texte dieses 58-jährigen Literatur-Libertins, der 1987 mit einer viel beachteten und prominent verfilmten Graphic Novel über bewegte Männer debütierte, respektlos, rigoros, rabiat. Politisch inkorrekt und ungemein komisch sowieso. Allein seine Herleitung des aufrechten Gangs und die überraschend subtile Dekonstruktion des Hordenwesens lohnen die Lektüre dieses Bandes. Umso mehr, als der subversive Witzbold durchaus auch an heiße Eisen rührt, die nicht sexuell konnotiert sind. Beispielsweise bei seinen bemerkenswerten Ausführungen zum Entfachen und zur Kontrolle des Feuers.

Selbst für Anhänger der Hoch- und Höchstkultur hält das mit anachronistischen Exkursen und maliziösen Dialogen gespickte Buch nahrhafte Inhalte bereit. So lässt Ralf König einige motorisch besonders geschickte Primaten das einstudieren, was im weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte als Applaus bekannt wird – und garniert diese Lektion mit erhabenen Einsichten über William Shakespeare und jenen Mann, „der die Kirche bunt bemalt hat“ (Michelangelo). Apropos: Religionsgeschichtlich hat König bereits alles thematisiert, was nicht bei drei auf dem Baum war. Schwule Künstlerbiografien wären gewiss ein ergiebiges Projekt.

Weitere Informationen

Ralf König: Stehaufmännchen.

Rowohlt, Reinbek. 192 Seiten, 24 €.


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