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Oscar-Verleihung 2019
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Diese Filme haben bei den Oscars die besten Chancen

Alexandra Knief und Iris Hetscher 23.02.2019 0 Kommentare

(Chris Pizzello/dpa)

Kinofans fiebern dieser Nacht wie jedes Jahr entgegen: Am Sonntagabend werden in Hollywood die wichtigsten Trophäen der Filmbranche vergeben: die Oscars. Wir stellen die Produktionen, die sich die größten Hoffnungen machen dürfen, vor:

Black Panther

Viel Wirbel verursachte „Black Panther“ schon, bevor er in die Kinos kam: Als erste Comic-Verfilmung, die ausschließlich mit schwarzen Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt ist. Und beinahe sofort hieß es auch, hier habe man nun einen würdigen Oscar-Kandidaten, um einem Wiederaufleben der Kampagne #oscarssowhite entgegenzuwirken. Sieben Mal ist das Werk von Regisseur Ryan Coogler nominiert (Film, Filmmusik, Song, Ton, Tonschnitt, Kostüme, Szenenbild), und es ist weit mehr als ein Feigenblatt für die Academy-Awards. Die fantastische Afrofuturismus-Geschichte um den Herrscher des fiktiven Landes Wakanda und den seltenen Stoff Vibranium, der den Staat anderen technologisch weit überlegen sein lässt, überzeugt optisch, durch die flotte und opulente Inszenierung und die Selbstverständlichkeit schwarzen Selbstbewusstseins, die hier transportiert wird.

BlacKkKlansman

Ein „Spike-Lee-Joint“, wie der afro-amerikanische Regisseur seine Filme annonciert, ist stets Geschmackssache, für manche Kritiker sind Lees Selbstgedrehte stets zu starker Tobak. Trotzdem ist „BlackkKlansman“ für sechs Goldjungs im Gespräch: bester Film, bestes Drehbuch, beste Regie, bester Schnitt, bester Nebendarsteller, beste Musik. Schon die Vorlage zu dem 136-Minuten-Spektakel klingt irrwitzig: In den 1970er-Jahren ermittelte der afro-amerikanische Agent Ron Stallworth mit einem weißen Kollegen undercover für das FBI in einer lokalen Ku-Klux-Clan-Gruppe. Es gelingt ihnen, einen geplanten Sprengstoffanschlag aufzudecken. Spike Lee erzählt die Geschichte mit einem überzeugenden Cast (darunter Adam Driver und John David Washington), als turbulente, bizarre Mischung aus Polizeifilm und Krimikomödie und unter Einsatz einer ausgeklügelten Parallelmontage. Dabei bezieht Lee wie immer klar Stellung: Zum Schluss zeigt er Dokumentaraufnahmen des rechten Terrors in Charlottesville 2017.

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Bohemian Rhapsody

Das fiktiv-biografische Drama „Bohemian Rhapsody“ erzählt die Geschichte von Freddie Mercury und seiner Band Queen und heimste viel Lob ein. Für Fans gab es dennoch Grund zur Kritik, denn das Werk ist kein faktentreues Porträt Freddie Mercurys, genauso wenig ein dokumentarisches Biopic über eine der erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Auch bemängelten einige Kritiker, Mercurys Homosexualität würde im Film heruntergespielt. Doch die Stimmen kamen nicht gegen die lauten Rufe der Begeisterung an: Fünf Mal steht der Musikfilm auf der Liste der diesjährigen Nominierten (Film, Hauptdarsteller, Schnitt, Tonschnitt, Ton). Rami Malek nahm für seine Rolle Klavier- und Gesangsstunden und sog, wie er selbst sagt, alles auf, was er von Mercury finden konnte. Das hat sich gelohnt. Malek ist ein heißer Kandidat für den Preis in der Kategorie bester Schauspieler.

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

Regisseur Giorgos Lanthimos ist immer gut für ungewöhnliche filmische Ansätze. Mit „The Favourite“ wagt er sich ins Fach Historienfilm und hat damit gleich zehn Oscar-Nominierungen eingeheimst: bester Film, Regie, Originaldrehbuch, Hauptdarstellerin, zwei Mal Nebendarstellerin, Kamera, Szenenbild, Schnitt, Kostüme. Olivia Colman als tumbe englische Queen Anne, die völlig unfähig zum Regieren ist, trägt mit ihrem Spiel den Film. Ihr zur Seite stehen Rachel Weisz und Emma Stone, die um ihre Gunst wetteifern. Gemeinsam bilden sie ein Trio, das sich an Intrigen und gefährlichen Liebschaften am Königshof des frühen 18. Jahrhunderts ergötzt. Und natürlich glänzt der Film mit einer opulenten Ausstattung.

Green Book

In fünf Kategorien ist das Roadmovie „Green Book“ von Regisseur Peter Farrelly nominiert: Film, Hauptdarsteller, Nebendarsteller, Originaldrehbuch, Schnitt. Auch diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit: Anfang der 1960er-Jahre heuert der schwarze Jazz-Pianist Don Shirley (Mahershala Ali) einen weißen Fahrer an, der ihn zu den Auftrittsorten seiner Tournee in den US-amerikanischen Südstaaten chauffieren sollte. Dieser Tony „Lip“ Vallelonga (Viggo Mortenson, der sich ähnlich wie Christian Bale in „Vice“ viel Bauchspeck zulegen musste) ist Italo-Amerikaner mit Frau und zwei Kindern und wohnt in der Bronx. Ein leicht weltfremder Intellektueller mit ausgesuchten Manieren trifft auf einen Mann, der normalerweise als Rausschmeißer in einem Club arbeitet und gerne Fast Food isst. Farrelly variiert in seinem Werk, das zu den großen Favoriten für die Kategorie „Bester Film“ gehört, die „Ziemlich-beste-Freunde“-Story; die beiden ungleichen Männer nähern sich an, entwickeln Respekt füreinander. Der Film zeigt immer wieder den Rassismus und die Bigotterie, die in den Südstaaten damals der Normalfall waren, bleibt allerdings bei Schlaglichtern, taucht nie tiefer ein oder klagt an. Der Wohlfühlfaktor bei „Green Book“ bleibt bis zum Schluss hoch.

Roma

Der Überraschungskandidat ist zugleich der Stachel im Fleisch aller Kino-Puristen: Alfonso Cuaróns Schwarzweiß-Drama „Roma“ ist eine Produktion des Streamingdienstes Netflix und war nur wenige Tage auf der großen Leinwand zu sehen. In zehn Kategorien ist das sowohl dokumentarisch wie stark elegisch gefärbte Werk des mexikanischen Regisseurs nominiert (Film, Regie, Hauptdarstellerin, Nebendarstellerin, Drehbuch, Szenenbild, Kamera, Ton, Tonschnitt, bester fremdsprachiger Film). Es erzählt mit eleganter Kameraführung die Geschichte der mixtekischen Hausangestellten Cleo, die Anfang der 1970er-Jahre bei einer reichen Familie im Stadtteil Roma in Mexiko-Stadt arbeitet. Verknüpft ist ihre Geschichte mit dem sogenannten Fronleichnamsmassaker 1971: Paramilitärs schlugen Studentenproteste blutig nieder. Cuarón hat in dem Film viel Autobiografisches verarbeitet und überwiegend mit Laien gedreht.

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A Star Is Born

Gleich für acht Oscars ist der Film mit Stefani Joanne Angelina Germanotta, besser bekannt als Lady Gaga, in der Hauptrolle nominiert (unter anderem: bester Film, Hauptdarsteller, Nebendarsteller, bestes adaptieres Drehbuch, Kamera, Ton). Gaga selbst geht ins Rennen um den Preis für die beste Hauptdarstellerin. Der Film erzählt die Geschichte der Kellnerin Ally, die in einer Bar, in der sie abends manchmal singt, den Weltstar Jackson Maine (Bradley Cooper) kennenlernt. Die beiden verbringen die Nacht damit, über Musik und das Leben zu philosophieren. Kurze Zeit später holt Jackson Ally spontan bei einem seiner Konzerte auf die Bühne. Ally wird quasi über Nacht berühmt und startet ihre eigene Karriere. Gleichzeitig werden sie und Jackson ein Paar. Doch während es mit ihrer Karriere steil bergauf geht, geht es für Jackson aufgrund von Alkohol- und Hörproblemen immer weiter in die andere Richtung. Das Regie-Debüt von Bradley Cooper lebt insbesondere durch die großartige Stimme von Lady Gaga. Der im Rahmen des Filmes entstandene Song „Shallow“ hat gute Chancen auf den Preis in der Kategorie „Bester Filmsong“.

Vice – Der zweite Mann

Adam McKays bissige Satire über den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney hat eine Menge Zustimmung kassiert, aber auch die üblichen Bedenkenträger auf den Plan gerufen. Darf man ein Biopic derart fiktional aufladen, darf man so viele freche Verfremdungselemente einbauen?

Man darf, man sollte sogar, wenn man sich das mehr als zweistündige, rasant geschnittene und frisch fotografierte Werk anschaut, das für acht Oscars nominiert ist: bester Film, beste Regie, bestes Originaldrehbuch, bester Schnitt, bestes Make-up, beste Nebendarstellerin (Amy Adams), bester Nebendarsteller (Sam Rockwell) und natürlich bester Hauptdarsteller. Christian Bale hat sich für seine Rolle einige Kilos angefuttert, um dem echten Dick Cheney äußerlich möglichst ähnlich zu sehen. Doch diese Form der Mimikry reicht natürlich nicht, um zu überzeugen – das schafft Bale durch sein Spiel, das zurückgenommen und zugleich zunehmend präsent ist. Das Unheimliche dieses Mannes, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der Nahe Osten durch den Irakkrieg heute unruhiger ist denn je, bestimmt Bales und McKays Charakterisierung.


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