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Drei Studenten und ein Rentner bemühen sich um die Bremer Musik-Szene

Jonas Mielke 20.05.2019 0 Kommentare

Die Macher der
Die Macher der "Jazzpiration"-Reihe (v.l.n.r.): Alexander Petratos, David Jedeck und Christopher Olesch. (Christina Kuhaupt)

Holger Wessels gibt sich Mühe. Der 75-jährige Rentner trägt seine kleine Kasse und zwei Rollen mit Wertmarken durch die Waldbühne im Bremer Bürgerpark. Es ist das fünfte Konzert der Jazz-Reihe, die Wessels seit diesem Jahr organisiert. Diplom-Volkswirt, Berufsschullehrer, Hobby-Musiker, nun organisiert Wessels Konzerte. Er schüttelt viele Hände, führt ein kurzes Gespräch. Die meisten Gäste kennt er persönlich, sie sind überwiegend so alt wie er. Wessels kassiert den Eintritt. So sei es ein bisschen herzlicher, als Karten am Eingang zu verkaufen, findet er. „Das registrieren die Leute.“ 

Zwei Abende später, einmal über die Weser: Das Michael-Schroeder-Quintett ist zu Gast im Gondi, einer Kneipe in der Bremer Neustadt. Vor dem Konzert serviert David Jedeck selbst gekochtes Chili für die Musiker, „typisches Backstage-Essen“, sagt er. Es ist das vierte Konzert der „Jazzpiration“-Reihe, organisiert von Jedeck und zwei Freunden, Christopher Olesch und Alexander Petratos. Sie sind Mitte zwanzig und selbst Musiker, zwei von ihnen studieren an der Hochschule für Künste (HfK). Seit Anfang des Jahres veranstalten sie in unregelmäßigen Abständen Jazz-Konzerte in der kleinen Studenten-Kneipe.

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Es sind zwei Generationen von Jazz-Enthusiasten, die dasselbe Ziel verfolgen: Sie wollen neue Bühnen für Jazz-Musiker schaffen, der Szene in Bremen neue Impulse geben. Einmal im Jahr wird Bremen zur internationalen Jazz-Hauptstadt. Doch wenn die Musikmesse Jazzahead vorüber ist, fehlt es an Formaten, so sehen es die beiden Initiativen. Deswegen haben sie nun ihre eigenen Veranstaltungsreihen geschaffen, die beide in diesem Jahr gestartet sind.

Holger Wessels hat sein Anliegen ausdrücklich im Namen des Vereins festgehalten, den er im vergangenen Dezember mitgegründet hat: den „Verein zur Förderung des traditionellen Jazz“. „Eine Initiative für Amateur-Bands, die inzwischen überwiegend in die Jahre gekommen sind“, so beschreibt Wessels die Arbeit des Vereins.

Er führt in der Waldbühne eine langjährige Jazz-Tradition fort, die erst vor Kurzem endete. Der damalige Veranstalter ist erkrankt. Zuschauer und Musiker wollten, dass es weitergeht, Wessels sprang ein. Wessels ist Jahrgang 1944, geboren zwischen Elsfleth und Berne. Musik war immer sein Hobby, seit den 1980er-Jahren spielte er Posaune in Bremer Jazz-Bands wie den Hot Potatoes oder den Bremer Jatzmusikanten. Seit 50 Jahren lebt er in Ganderkesee. Nun organisiert er selbst Konzerte, gerissen hat er sich darum nicht. „Im Grunde sind alle froh, dass einer so blöd ist und die Arbeit macht“, sagt Wessels und lacht. 

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An diesem Abend spielt in der Waldbühne die Band „Ain‘t we sweet“ aus Ostfriesland. Mehrere Best-Ager, dazu ein junger Gitarrist und eine junge Sängerin. Auch im Publikum sind eher ältere Zuschauer. „Leider“, sagt Wessels. Aber ihm gehe es darum, den traditionellen Jazz in Bremen überhaupt am Leben zu halten. Musik, die in den 1950er- und 1960er- Jahren Kult gewesen sei. Mittlerweile würden sowohl Spielstätten als auch Musiker weniger werden, die sich in dieser Tradition sehen. Wessels würde gerne jüngere Musiker einladen und jüngeres Publikum anziehen. „Das wäre das Beste, was uns passieren könnte“, sagt Wessels. „Ich sehe allerdings im Moment diese jungen Bands nicht.“

Im Gondi in der Neustadt strömen die ersten Gäste durch die Tür. Junge Studenten, viele Bekannte und Freunde von Jedeck, Olesch und Petratos sind gekommen. Sie haben in Bremen lange nach einem Ort gesucht, der zu ihrer Idee passt: Sie wollen Studenten für Jazz begeistern und die Musik von elitären Klischees befreien. „Das heißt natürlich nicht, dass ältere Menschen nicht kommen dürfen“, sagt Petratos. 

Anders als bei Wessels sind ihre Konzerte nicht auf einen bestimmten Jazz-Stil festgelegt, alle Formen finden ihren Platz. Ähnlich wie in der Waldbühne wollen sie aber vor allem einen Ort schaffen, an dem regelmäßig junge Künstler auftreten können. Das sei in Bremen nicht leicht, sagt Olesch. Es gebe kaum noch Kneipen mit Live-Musik. An vielen Orten seien nur noch begrenzt Konzerte erlaubt, nachdem sich Anwohner über den Lärm beschwert hätten. Aber ohne die Kneipen würden für Jazz-Konzerte fast nur Konzerthallen bleiben. „Dann muss es aber auch wieder so kommerziell sein, dass es sich lohnt“, sagt Olesch. „Das ist schade.“

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Die Kneipen-Konzerte finanzieren sie über Spenden, ein Hut wandert während des Konzerts durch die Reihen. „Schön wäre es, wenn wir die Künstler auch angemessen bezahlen könnten“, sagt Olesch. Immerhin seien die meisten professionelle Musiker. „Ihr Geld verdienen die meisten natürlich nicht mit der Hut-Kasse“, sagt Jedeck. „Die sind einfach nur heiß, zu spielen.“

Die drei Studenten sind davon überzeugt, dass die Leidenschaft für die Musik bei Konzerten wie im Gondi schnell überspringt. „Ich habe das Gefühl, dass Jazz durch den Hip-Hop wieder zurückkommt“, sagt Petratos. Sie wollen mit der Konzertreihe der Bremer Szene einen nachhaltigen Impuls geben, auch wenn sie noch am Anfang stehen. Olesch sagt: „Wir wollen was aufbauen, und da muss man einen langen Atem haben.“ Das würde sicherlich auch Holger Wessels freuen. Und vielleicht entdecken dann auch wieder mehr jüngere Musiker den klassischen Jazz für sich.

Weitere Informationen

Das nächste Jazz-Konzert in der Waldbühne im Bürgerpark findet am 11. Juni, 19.30 Uhr, statt. Zu Gast ist die „Southland New Orleans Jazz Band“. 

In der Jazzpiration-Reihe im Gondi findet das nächste Konzert am 20. Juni um 20 Uhr statt. Es spielen „Space Day Habits“ aus Hannover.


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