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Gedenken an die Bremer Räterepublik
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Dreispitz aus Klinkern

Helge Hommers 02.02.2019 0 Kommentare

Das Grabmal der Division Gerstenberg auf dem Waller Friedhof ist das älteste Denkmal in Bremen, das an die Ereignisse vom 4. Februar 1919 erinnert.
Das Grabmal der Division Gerstenberg auf dem Waller Friedhof ist das älteste Denkmal in Bremen, das an die Ereignisse vom 4. Februar 1919 erinnert. (Christian Platz)

Von den 24 Angreifern, die bei der Niederschlagung der Bremer Räterepublik sterben, gehören 19 zur Division Gerstenberg. Die meisten von ihnen sind auf dem Waller Friedhof beerdigt. Dort erinnert seit Anfang der 1920er-Jahre ein Mahnmal mit zwei Grabsteinen an die gefallenen Gerstenberger. Auf die getöteten Caspari-Kämpfer verweist es nicht.

Pietá-Denkmal
Mindestens 28 Verteidiger der Räterepublik verlieren beim Kampf um Bremen ihr Leben. Beerdigt werden die Leichen auf dem Friedhof in Walle.
Schnell mehren sich Stimmen, die ein Mahnmal für die Getöteten am Ort ihrer Ruhestätte fordern. Vor allem durch Spenden aus der Arbeiterschaft gelingt schließlich die Finanzierung des Revolutionsdenkmals, das auf Plänen des Bildhauers Bernhard Hoetger basiert.
Bildhauer Hoetger, der später unter anderem die Böttcherstraße gestaltet, entscheidet sich für eine expressionistische Skulptur. Sein Werk hat die Pietá zum Vorbild – die Darstellung Marias mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus Christus.
Hoetgers 4,50 Meter hohes Denkmal zeigt einen knochigen Sterbenden, der sich mit schmerzverzerrten Gesicht in den Schoß einer mutterartigen Gestalt lehnt. Diese betrauert seinen Verlust, kann ihm aber nicht mehr helfen. Im Jahr 1922 erfolgt die Einweihung des Revolutionsdenkmals.
Es sind schließlich die Nationalsozialisten, die das Denkmal bis zum Oktober 1933 vollständig zerstören. Auch die Gebeine der Toten lassen die neuen Machthaber verlegen, nichts soll mehr an den Kampf der linken Kräfte erinnern.
Die Pietá ist trotz ihrer Zerstörung nicht vollkommen aus dem Stadtbild verschwunden. Der Künstler Jürgen Waller, der auch das Lidice-Mahnmal verantwortet, bemalte Ende der 1970er-Jahre mit Studenten der Hochschule Bremen einen dreistöckigen Bunker im Pastorenweg in Gröpelingen.
Auf ihrem Gemälde erzählen sie die Geschichte der AG Weser und des Stadtteils Gröpelingen. Dazu gehört auch die Erinnerung an die Räterepublik, wie Waller sagt: „Das war ein großes historisches Ereignis“. Er und seine Studenten bauten daher auch die Pietá in das Gemälde ein. Die Abbildung zeigt, wie das Pieta-Denkmal von einem SA-Mann abgerissen wird.
Denkmal für die Gefallenen der Bremer Räterepublik
Selbst nach der Zerstörung der Pietà, suchten die Angehörigen der toten Arbeiter, den Ort zum Gedenken weiter auf. Jährlich am 4. Februar – dem Tag der Niederschlagung – fanden sich dort „Blumensträuße, die in aller Stille auf den Schandgedenkstein niedergelegt worden waren, als stummer Gruß der noch lebenden Antifaschisten“, wie es Zeitzeugen nach dem Ende der NS-Zeit berichteten.
Nach 1945 setzte sich der Ausschuss der Hinterbliebenen der Februarkämpfer für die Rückführung der Toten auf den Waller Friedhof ein – mit schnellem Erfolg. Ein neues Ehrenmal sollte daher bald folgen.
Es dauerte jedoch bis zum Februar 1972 ehe ein neues, abstraktes und – ebenso wie sein Vorgänger – etwa 4,50 Meter hohes Denkmal eingeweiht wurde.
Der Bildhauer Georg Arfmann hat das neue Ehrenmal geschaffen und mit drei übereinander lagernden Blöcken konzipierte.
So erinnert der unterste Block mit 29 aufgereihten, individuell gestalteten Säulen an die 29 Verteidiger, die beim Kampf um Bremen ihr Leben gelassen haben sollen. Zusammen bilden sie einen Block, der ihren solidarischen Einsatz verdeutlicht.
Auf ihnen liegt horizontal ein Fundament, das die demokratische Grundlage bildet, die den Fortschritt ermöglicht.
Diesen symbolisiert der oberste Block, der mit den in alle Richtungen weisenden und aus verschiedenen Formen bestehenden Steinen die Vielfältigkeit der aus dem Fortschritt entstehenden Gesellschaft symbolisiert. 
Fotostrecke: Diese Denkmäler erinnern an die Niederschlagung der Bremer Räterepublik

Die Initiative zu dem Denkmal ist von ehemaligen Gerstenbergern ausgegangen, die sich für eine Würdigung ihrer verstorbenen Mitkämpfer einsetzten. Sie und der Bremer Bürgerausschuss übernahmen die Kosten. Wann genau das Mahnmal – im Volksmund auch Dreispitz genannt – errichtet wurde, ist nicht überliefert. Es soll aber schon vor der 1922 eingeweihten Pietá, dem später durch Nationalsozialisten zerstörten Erinnerungsort für die verstorbenen Verteidiger der Räterepublik, an seinem heutigen Platz gestanden haben.

Auch 100 Jahre nach der Niederschlagung der Bremer Räterepublik wird um die Gefallenen getrauert.
Auch 100 Jahre nach der Niederschlagung der Bremer Räterepublik wird um die Gefallenen getrauert. (Christian Platz)

Im Gegensatz zur Pietá und dem in Sichtweite befindlichen Nachfolgebau, deren Symbolik sich nicht auf den ersten Blick erschließt, ist das Gefallenenmal eher einfach gehalten: Vor dem spitz nach oben verlaufenden, dreieckigen Klinkerbau weisen die Grabsteine auf die Namen und Ränge von Gerstenbergern hin. Hinter ihnen führt ein steinerner Weg mittig durch ein Beet zu einem Quader, auf dem eine Kugel steht, die von einem Kreuz gekrönt ist. In der Mitte des Denkmals verläuft waagerecht ein heller Streifen, auf dem die Inschrift „Den Gefallenen vom 4. Februar 1919“ eingelassen ist.

Junge Alternative gedenkt den "Helden vom 4. Februar 1919"

Im vergangenen Jahr legten Mitglieder des Bremer Landesverbands der Jungen Alternative – der Jugendorganisation der AfD – am Jahrestag der Niederschlagung einen Kranz vor dem Quader nieder. Sie gedachten der „Helden vom 4. Februar 1919“, die „im Kampf um die Freiheit Bremens“ ihr Leben gelassen haben, wie es in einem Facebook-Eintrag hieß. Den Kranz zierte eine Trauerschleife mit der Aufschrift: „Wer das Leben für das Vaterland verliert, kann nimmer sterben.“

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