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Kriminal-Theater
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Eine Grundschullehrerin unter Verdacht

Alexandra Knief 10.11.2018 0 Kommentare

Die verzweifelte Nita Theri (Franziska Mencz) wird von ihren Freunden (Denis Fischer, links, und Christian Aumer) umsorgt.
Die verzweifelte Nita Theri (Franziska Mencz) wird von ihren Freunden (Denis Fischer, links, und Christian Aumer) umsorgt. (Claudia Hoppens)

Versteckt im Schutz des Schattens wirft eine Person einen Sack in den roten Baucontainer, der links vor der Bühne des Bremer Kriminal-Theaters steht. Erst dann erhellt sich der Bühnenraum. Wir befinden uns in England, in der Guscott Road, um genau zu sein. Nita Tehri (Franziska Mencz) steht in der Küche ihrer kleinen Wohnung und kocht. Ein dampfender Topf steht auf der Kochinsel vor ihr und erfüllt den Raum mit einem süß-würzigen Curry-Duft. Es wirkt wie ein normaler Tag im Leben einer freundlichen Grundschullehrerin.

Doch plötzlich taucht die Polizei auf und stellt Nita Tehri seltsame Fragen. Auch die Nachbarn werden befragt. Aber es sind nicht die gleichen Fragen, die sie beantworten müssen. Auch bei deren Arbeitsstelle taucht die Polizei nicht auf. Genauso wenig werden sie nach einer DNA-Probe gefragt. Irgendetwas stimmt hier nicht.

Niemand sagt der jungen Frau mit pakistanischen Wurzeln, worum es eigentlich geht. Erst nach und nach findet sie heraus: Im Baustellencontainer wurde die Leiche eines Babys gefunden. Und sie wird verdächtigt, dafür verantwortlich zu sein – immerhin sieht das Baby nicht englisch aus, sondern irgendwie multikulti, genau wie Miss Terry eben. Das reicht für Inspektor Cutler (Christian Aumer), der nicht einmal versucht, Theris Namen richtig auszusprechen, als Verdachtsgrund. Hinzu kommt, dass auch ein paar Anwohner ausgesagt haben, ihre Nachbarin habe seit ihrem Einzug vor ein paar Monaten „einiges an Gewicht verloren“.

Es ruckelt hier und da

Das Kriminal-Theater hat einen mutigen Schritt gewagt, als es beschloss, Liza Codys „Miss Terry“ auf die Bühne zu bringen. Zum einen, weil die britische Autorin trotz einiger Auszeichnungen hierzulande eher unbekannt ist und die Geschichte somit nicht wie sonst in die Kategorie allseits bekannter Weltliteratur fällt, die die Massen ins Theater lockt. Zum anderen, weil die Romanvorlage mit ihren zahlreichen Figuren, Erzählsträngen und Schauplätzen gar nicht so leicht in eine Bühnenversion umzuwandeln ist. Die Theatermacher waren allerdings so von der Geschichte überzeugt, dass sie es dennoch gewagt haben. Und das Wagnis zahlt sich aus.

Zwar ruckelt es hier und da mal ein wenig, und auch den Zuschauern, die nicht mit der Romanvorlage vertraut sind, wird schnell bewusst, wie viel hier gekürzt, geschraubt und überlegt werden musste, damit die Adaption funktioniert. Im Großen und Ganzen geht das Konzept aber auf. Das Stück bietet mit sehr viel Liebe zum Detail zwei Stunden spannende Unterhaltung, die dazu anregen, im Anschluss auch noch zur Romanvorlage zu greifen, weil man mehr über die Figuren erfahren will. Das liegt nicht zuletzt an der tollen Leistung der Darsteller.

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Franziska Mencz mimt eine liebenswürdige Nita Theri, Christian Aumer verkörpert neben dem Inspektor unter anderem auch einen schmierigen Nachbarn und einen homosexuellen Freund. Und auch Denis Fischer, Sabine Urban und Janina Zamani springen problemlos in immer wieder neue Nebenrollen – vom Privatdetektiv zum quengelnden Schulkind; von der netten zur weniger netten Nachbarin; von der Prostituierten zur knallharten Polizistin. Vorangetrieben wird die Geschichte immer wieder durch die beruhigend tiefe Erzählstimme von Regisseur und Theaterleiter Ralf Knapp aus dem Off.

Die Erzählung von Liza Cody verdeutlicht auf erschreckende Weise, wie schnell Vorurteile und falsche Beschuldigungen ein ganzes Leben kaputt machen können. Und wie stark Alltagsrassismus auch heute noch in der Gesellschaft verankert ist. Das fängt bei scheinbar harmlosen Sätzen wie „Sie sprechen richtig gut Englisch“ an und nimmt über offene Beleidigungen seinen Lauf bis hin zum Mordvorwurf. Das Publikum bekommt eindrucksvoll vermittelt, wie sich alltägliche Diskriminierung anfühlt, nicht nur für jemanden mit ausländischen Wurzeln, sondern auch als Frau. Eine Thematik, die aktueller gerade kaum sein könnte. Das Kriminal-Theater hat also alles richtig gemacht.

Weitere Informationen

„Miss Terry“, Bremer Kriminal-Theater, Theodorstraße 13a: 15.,16.,17., 23., 24., 29. und 30.11. sowie 1.12. jeweils um 20 Uhr; 11.11. um 16 Uhr.


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