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Eine Wahnsinnige will die Welt retten

Jean-Pierre Fellmer 12.07.2019 0 Kommentare

Das
Das "Electric Girl" Mia in ihrem bunten Hauptquartier, das jenseits ihres manischen Wahnes gar nicht so glamourös aussieht. (Hannes Hubach/Niko Film)

Es ist der Biss einer genetisch veränderten Spinne, die Peter Parker zu Spiderman verwandelt. Bruce Banner mutiert durch eine enorme Dosis Gammastrahlung zum Hulk. Und Batman erwacht, als Bruce Wayne sich seiner größten Angst stellt: der Fledermaus. Schlüsselszenen, in denen Superhelden geboren werden. So ist es auch bei Mia, dem „Electric Girl“.

Die 23-jährige Poetry-Slammerin Mia (Victoria Schulz) spricht bei einem Casting als Synchronsprecherin vor. Sie bekommt den Job, bei dem sie fortan Kimiko ihre Stimme leiht. Kimiko ist eine Superheldin aus einem japanischen Manga, der auch als Anime über die Bildschirme flackern soll. Die Heldin kann Elektrizität sehen, mit ihren Fähigkeiten kämpft sie gegen Strommonster und versucht, die Welt zu retten. Ihre Stimme Mia feiert mit ihren Freunden den Auftrag in einer Bar, in der sie kellnert. Zum Spaß mimt die junge Frau ihren Charakter nach: „Die Zukunft so vieler Menschen liegt in meinen Händen!“

Als Mia am nächsten Morgen beim Putzen ein Kabel aus der Steckdose ziehen will, bekommt sie einen gewischt. In diesem Moment hat sich etwas verändert. Mia hört auf einmal das Surren des Stroms in den Leitungen, sie kann plötzlich Strom sehen – so wie ihr Alter Ego. Zumindest glaubt sie das. Eine irre Geschichte nimmt ihren Lauf, die auf Mias Mitmenschen wie eine manische Episode wirkt. Mia selbst fühlt sich erwacht, sagt zu einer Freundin: „Ich bin so klar, so klar war ich noch nie. Du wirst schon alles verstehen, wenn es vorbei ist.“

Zwischen Mission und Manie

Mit ihrem depressiven Nachbarn Kristof (Hans-Jochen Wagner) begibt sie sich auf eine Mission als Superheldin. Sie schlüpft in das Kostüm Kimikos, verwandelt ihre Hamburger Wohnung in ein Hauptquartier. Immer wieder wechselt der Film zu den animierten Episoden Kimikos. Dass mehr hinter der Geschichte der durchgedrehten Mittzwanzigerin steckt, wird bei einem Besuch des „Meisters“ klar. „Meister“ nennt sie ihren Vater, der seit einem Zwischenfall nur noch durch Maschinen am Leben erhalten wird.

So verrückt die Geschichte auch klingt: Sie beruht weitestgehend auf einer wahren Begebenheit, sagt die Regisseurin und Drehbuchautorin Ziska Riemann, die den Film am Donnerstag im Kino City 46 vorgestellt hat. „Die erste Autorin, die an dem Drehbuch gearbeitet hat, kannte eine Synchronsprecherin, die in eine manische Phase gerutscht ist und ihre Figur verkörpert hat“, sagt sie. Die Idee, echte Filmszenen mit Animesequenzen zu verbinden, hat die Regisseurin auch übernommen. „Wobei allerdings in der ersten Fassung die Geschichte des Animes nichts mit der Synchronsprecherin zu tun hatte“, sagt Riemann. Das habe sie geändert. Riemann selbst ist auch Comiczeichnerin. Warum das Genre Comic in Deutschland nicht ernst genommen werde, kann sie nicht nachvollziehen: „Das ist ganz klar eine grafische Kunst.“ Für die Szenen des Animes habe sie selbst die Vorlagen entworfen.

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Electric Girl ist ein spannender Film, vom Anfang bis zum Ende. Die Geschichte wirkt erst bunt und wirsch, überrascht aber im Verlauf mit einer eigenen Tragik. Die Handlungsstränge Mias und Kimikos verschmelzen, durch Kunstgriffe wie etwa übernatürliche Phänomene in den Realweltszenen fragt sich der Zuschauer: Was ist wirklich und was nicht? Was dem Film leider fehlt, ist die Charakterentwicklung: Mia verwandelt sich zwar in Kimiko, durchgedreht ist sie jedoch schon zu Beginn des Films. Als Zuschauer entwickelt man keine Empathie für die Heldin, die unverstanden bleibt.

Weitere Informationen

Weitere Vorführungen von „Electric Girl“ am Dienstag, 16. Juli, und Mittwoch, 17. Juli, um 20 Uhr im Kino City 46. Alle Infos im Internet unter: www.city46.de.


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