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„Geheimnis eines Lebens“ ohne jeden Esprit

Iris Hetscher 02.07.2019 0 Kommentare

Geständnis im Vorgarten: Ben Miles (links) als Sohn Nick und Judi Dench (Mitte) als Joan Stanley.
Geständnis im Vorgarten: Ben Miles (links) als Sohn Nick und Judi Dench (Mitte) als Joan Stanley. (Entertainment One/dpa)

Cambridge, Ende der 1930er-Jahre. Joan Smith studiert Physik und lässt sich von ihrer Kommilitonin Sonya dazu überreden, zu den Treffen des sozialistischen Studentenbundes mitzugehen. Joan verliebt sich in den feschen Leo, der redet von einer neuen Weltordnung und nennt sie „meine hübsche Genossin“. London in 1990er-Jahren. Joan, mittlerweile Stanley mit Nachnamen und über 80 Jahre alt, wird von einer Spezialabteilung des britischen Geheimdienstes MI 5 verhaftet. Sie soll Hochverrat begangen haben und den Russen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Informationen geliefert haben, mit denen diese ihr Atomprogramm beschleunigen konnten.

Regisseur Trevor Nunn blättert in seinem Film „Das Geheimnis eines Lebens“ (Originaltitel: Red Joan) eine Geschichte auf, die sich an die Biografie von Melita Norwood anlehnt. Die wurde 1992 als dienstälteste Spionin des KGB in Großbritannien enttarnt; da war sie 80 Jahre alt. Auf eine Anklage verzichtete der britische Staat damals, Norwood starb 2005 mit 93 Jahren in London. Der rote Faden in Nunns Film, der am Donnerstag anläuft, ist die Vernehmung der alten Joan Stanley. Die wird routiniert gespielt von Judi Dench, doch die Szenen im Verhörräum des MI 5, in denen die alte Dame sehr lange alles leugnet, sind knapp gehalten. Kaum ist eine Frage gestellt, schaut Dench versonnen in die Kamera und der Film blendet wie auf Knopfdruck zurück in Joans Vergangenheit.

Das tut er leider ohne jeden Esprit und mit einer erzählerischen wie visuellen Hilflosigkeit. Die junge Joan – in deren Rolle Sophie Cookson ständig andere schicke Kleider trägt, aber ansonsten blass bleibt – lässt sich also auf den überzeugten Kommunisten Leo ein. Es ist eine On-Off-Beziehung, wie man heute sagen würde. Außerdem arbeitet sie als Assistentin am geheimen Atomprogramm der Regierung mit, auch hier gibt es ein Techtelmechtel mit ihrem Chef, alles wird schön ordentlich und sehr langatmig abgehakt. Wirklich packend ist die ja eigentlich ziemlich ungeheuerliche Geschichte Joans an keiner Stelle, was daran liegt, dass sie als Person schlicht uninteressant bleibt. Nunn inszeniert ausschließlich Oberfläche, übrigens bei sämtlichen Figuren, wobei Sonya (Tereza Srbova) sogar das ärgerliche Abziehbild einer Femme fatale ist – offenbar gedacht als Gegenentwurf zur biederen Joan. Deren Geständnis, sie habe eigenmächtig ein Gleichgewicht zwischen Ost und West bei den Atomwaffen herstellen wollen und damit ja schließlich für lang anhaltenden Frieden gesorgt, wirkt nicht nur pathetisch, sondern peinlich naiv.


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