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Kunsthalle Bremen
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Hans Christian Andersen mal anders

Iris Hetscher 19.10.2018 0 Kommentare

Hans Christian Andersen ist viel gereist. Auch nach Konstantinopel (Istanbul) verschlug es ihn, wie man an dem Motiv
Hans Christian Andersen ist viel gereist. Auch nach Konstantinopel (Istanbul) verschlug es ihn, wie man an dem Motiv "Orientalisches Gebäude" sehen kann. (Odense City Museums)

Abends, wenn das Brot gegessen und die Milch getrunken war, versammelte der Dichter seine Lieben um das Feuer. Er erzählte ihnen dann eine seiner fantastischen Geschichten, nebenbei aber führte seine rechte Hand mit viel Geschick eine Schere an einem Bogen Papier entlang. Von oben nach unten, von rechts nach links, kreuz und quer, dass es eine Lust war. Wenn der Dichter dann ans Ende seiner Fabel gelangt war, ruhte auch die Schere.

Und schwuppdiwupp entfaltete sich eine gar wunderliche Kreation aus Papier vor den Augen der staunenden Tischgesellschaft: ein Mann mit einem Tablett auf dem Kopf, ein Pierrot oder Ballerinen, gefangen in einer Flasche. Der Dichter blieb den meisten Menschen in Erinnerung als der, der die kleine Meerjungfrau und das hässliche Entlein ersonnen hat. Seine Bilder aber gerieten fast in Vergessenheit, bis ein Museum in einer weit entfernten Stadt sie wiederentdeckte. Dies aber sollte noch eine sehr lange Zeit dauern.

Langwierige Recherche

So könnte man sie erzählen, die Geschichte von Hans Christian Andersen (1805-1875) und der Kunsthalle Bremen. Dem bekanntesten dänischen Dichter, der vor allem wegen seiner in 150 Sprachen übersetzten Kunstmärchen weltberühmt ist, widmet das Haus an der Kulturmeile nun die Schau „Poet mit Feder und Schere“, die eine Entdeckungsreise ist. Andersen war nicht nur ein Mann des Wortes, er fertigte auch Hunderte von Scherenschnitten und Collagen an, die er an Freunde und Bekannte verschenkte.

Entsprechend langwierig gestaltete sich die Recherche für die Ausstellung, die Detlef Stein und Anne Buschhoff kuratiert haben – angeschoben wurde das Projekt vor mehr als zwei Jahren; die Liste der Leihgeber ist lang. Nun kann die Kunsthalle sich rühmen, die bisher größte Präsentation des bildkünstlerischen Werks Andersens in Deutschland zu zeigen; drei seiner Collagenbücher sind erstmals außerhalb Dänemarks zu sehen. Die Ausstellung vermittelt viel über Hans Christian Andersen als Persönlichkeit und natürlich als Märchendichter, weil man die Themen der Scherenschnitte und Collagen, die in zwei der sieben Räume zu sehen sind, sonst weniger gut ergründen könnte.

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Der Junge aus ärmlichen Verhältnissen, der sein Elternhaus in Odense mit 14 Jahren verlässt, um in Kopenhagen Schauspieler zu werden, hat Glück. Eine vermögende Familie aus der Hauptstadt und ein Stipendium ermöglichten ihm ein Studium. Schon als Jugendlicher schreibt er erste Gedichte und Märchen. Und er reist gern. Zähle man alle Auslandsaufenthalte zusammen, habe Andersen neun Jahre seines Lebens außerhalb Dänemarks verbracht, so Anne Buschhoff. Italien, Spanien, Portugal, England, das Osmanische Reich und Deutschland, wo er sich mit den Romantikern Ludwig Tieck und Adelbert von Chamisso anfreundet, schaut er sich an. 1843 führt ihn die erste von mehreren Reisen nach Bremen, wo er die dritte Gemäldeausstellung der Kunsthalle besucht.

Ein Star des Biedermeier-Literaturbetriebs ist er gewesen, einer Zeit, in der neue Drucktechniken und die Fotografie die technische Reproduzierbarkeit erleichtern. Andersen gilt zwar als nicht gut aussehend, ist aber selbstbewusst und eitel, lässt sich immer wieder malen, und er ist der meist fotografierte Däne seiner Zeit. Seines Status' ist er sich bewusst, allerdings rührt dieser auch daher, dass er auf die Marke „Märchendichter“ festgelegt wird. Seine Romane und Theaterstücke werden weit weniger rezipiert.

Inspiration für nachfolgende Künstlergenerationen

Die Zeichnungen, die er auf seinen Reisen anfertigt, zeigt er kaum jemandem: mit wenigen Strichen skizzierte Landschaftsansichten, die dem Betrachter Raum für die eigene Fantasie lassen – ein Stil, der deutlich ins 20. Jahrhundert weist. Den Stift tauscht er bald gegen die Schere, mit der er wundersame, groteske, mythische Wesen und Szenerien erschafft, Bilderwelten, die ein „Auftakt zum Schreiben“ gewesen seien, wie er seiner Förderin und Freundin Dorothea Melchior mitteilt, und die in der Kunsthalle in Kästchen und als Wandprojektionen zu sehen sind.

Auch mitunter dadaistisch anmutende Collagen aus Zeitungsausrissen, Theaterprogrammen oder Speisekarten fertigt Andersen und schenkt sie zu Büchern gebunden Patenkindern. Seine Märchen haben nachfolgende Künstlergenerationen immer wieder inspiriert, das dokumentieren zwei Räume der Schau. Das trifft auch, wenn auch seltener, auf seine bildkünstlerischen Arbeiten zu. Die letzten vier Werke, die Andy Warhol vor seinem Tod 1987 angefertigt hat, zeigen Scherenschnittmotive von Hans Christian Andersen.

Weitere Informationen

Hans Christian Andersen. Poet mit Feder und Schere. Kunsthalle Bremen, bis 24. Februar 2019. Montags geschlossen, dienstags 10 bis 21 Uhr, mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr.


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