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Sonntagskolumne „Müßiggang“
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Herbstgefühle, Gebrechen, Wutgänger

Hendrik Werner 14.09.2019 0 Kommentare

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Flanier-Fachleute schlagen Alarm, weil auf deutschen Gehwegen immer häufiger Gegenstände liegen, die dort eigentlich nicht vorgesehen sind – und Fußgängern den Weg versperren. Von dieser Malaise erzählt Hendrik Werner
Nicht nur zur Weihnachtszeit: Flanier-Fachleute schlagen Alarm, weil auf deutschen Gehwegen immer häufiger Gegenstände liegen, die dort eigentlich nicht vorgesehen sind – und Fußgängern den Weg versperren. Von dieser Malaise erzählt Hendrik Werner in einer neuen Folge seiner Sonntagskolumne "Müßiggang". (Laurin Schmid)

Wenn die Tage kürzer und die Gesichter der Menschen länger werden, muss es kein Gedicht von Rainer Maria Rilke sein, das Trost und Zuversicht spendet. Dem Müßiggänger genügt schon ein Blick in den Prospekt des Lebensmittelmarkts seines Vertrauens, um der dunklen Jahreszeit mit heiterer Gelassenheit entgegenzusehen. So wurde in der jüngsten Ausgabe des appetitlich illustrierten Werbeblatts ein Salat mit dem trefflichen Namen „Herbstgefühle“ angepriesen, der saisonale Sorten wie Radicchio und Frisée, Rotkohl und Rote Bete vereinigt. Herbstgefühle für moderat kalkulierte 1,59 Euro – da weiß man, was man hat!

Apropos Printmedien: Die Lieblingsillustrierte des Müßiggängers steht vor einer Revolution. Die Apotheken-Umschau, die bloß ignorante Spötter als „Rentner-Bravo“ bezeichnen, plant zum 1. Oktober einen optischen und inhaltlichen Relaunch. Jünger und frischer solle sie werden, heißt es. Mit der Neugestaltung wolle er deutlich machen, „dass man das bequem auch mit 35 lesen kann“, sagt der Chefredakteur des Blattes. Ein beachtliches Beispiel liefert er mit: „Fußpilz ist völlig altersunabhängig. Wo sonst lesen Sie ausführliche Beispiele über Fußpilz?“ (Nebenbei bemerkt: Sie müssen diese Kolumne nicht am Frühstückstisch lesen!) Dem Müßiggänger, den alle Gebrechen faszinieren – zumal Männergrippe –, soll's recht sein. So lange nur die XXL-Version der Zeitschrift beibehalten wird, die das Fernsehprogramm und zusätzliche Rätsel beinhaltet.

Und nun zu etwas völlig anderem: Roland Stimpel, Vorstand des Fachverbands Fußverkehr Deutschland, schlägt Alarm: Fußgänger seien „die größte und am stärksten vernachlässigte Gruppe im Stadtverkehr“. Der Gehweg verkomme zu einer „Resterampe für alle, die nicht wissen, wohin mit ihrem Zeug“. Neben saumselig entsorgtem Krempel machen sich Stimpel zufolge weitere Dinge auf dem Trottoir breit, die dort nicht hingehören – parkende Autos, Roller, Fahrräder, Ladesäulen, Straßencaféstühle.

Angesichts der Kolonialisierung des enger und unsicherer werdenden Raums verwundere es nicht, dass Flaneure verzweifelt seien. Vor allem „Wutgänger“, mithin „ältere Leute, die am liebsten ihren Gehstock in Fahrradspeichen rammen würden“. Hoffentlich bleibt es an diesem Sonntag beim Fahrradfest friedlich und spätsommerlich. „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, flötet meine Oma.


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