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„Shrin und Leif“ am Theater Bremen
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Im Clinch mit der Perverserkatze

Iris Hetscher 07.06.2019 0 Kommentare

Hund, Katze, Familie: Das Hochzeitspaar Shirin (Deniz Orta) und Leif (Ferdinand Lehmann) schaut fassungslos seiner eigenen Feier zu.
Hund, Katze, Familie: Das Hochzeitspaar Shirin (Deniz Orta) und Leif (Ferdinand Lehmann) schaut fassungslos seiner eigenen Feier zu. (joerg landsberg)

Bremen. Das Bühnenbild ist etwas fürs Auge. Eine große Hotelhalle mit Art-Déco-Elementen, eine Schwingtür, eine Drehtür, ein Brunnen mit einem Hai als Wasserspeier. Im Hintergrund wuchert ein Wintergarten, in der ersten Etage hat sich die Kapelle platziert; immerhin wird Hochzeit gefeiert, da darf die Musik nicht fehlen. Shirin (Deniz Orta) und Leif (Ferdinand Lehmann) sind das Hochzeitspaar. Sie stammt aus einer reichen Familie, die aus dem Iran eingewandert ist. Leif ist Deutscher, sein Vater betreibt das Öko-Catering „Grüne Kiste“. Die Verwandtschaft ist angerückt – wo zwei unterschiedliche Milieus aufeinanderprallen, gibt es naturgemäß Spannungen.

Das ist die Grundlage für „Shirin und Leif“, eine „Hochzeitskomödie mit Musik“ der Brüder Akin Emanuel Sipal und Edis Arwed Sipal, die am Donnerstag im Großen Haus des Theaters Bremen in der Regie von Michael Talke uraufgeführt wurde. Nach einem einfachen Rezept wie diesem können feurige Culture-Clash-Komödien gekocht werden, doch bei „Shirin und Leif“ ist die Suppe zu dünn geraten. Zu den Klischees und Vorurteilen, die in 105 pausenlosen Minuten abgehandelt werden, ist den Autoren wenig Neues eingefallen. Die Dialogfeuerwerke beginnen manchmal durchaus originell, enden dann aber erschreckend oft in einer Aneinanderreihung von Kalauern. Kleine Kostprobe: „Ich hoffe, Du bist gut versichert, denn Du hast eine Beule in meiner Hose verursacht“, flirtet Leifs Bruder Ole (Alexander Angeletta) Shirins Schwester Azita (Lina Hoppe) an. Darauf einen Eimer Sangria.

Die Personenkonstellation ist aus Filmkomödien wie „Monsieur Claude und seine Töchter“ und quasi allen Comedy-Formaten sämtlicher Fernsehsender vertraut und wirkt daher wie recycelt. Da hat die Bühne nichts dem Leben, sondern dem bereits Inszenierten abgelauscht, ohne dieses allerdings ironisch zu brechen. Es gibt die Öko-Eltern von Leif (Guido Gallmann, Verena Reichert), natürlich auf dem Kriegspfad gegen Salz und Zucker. Leifs bereits erwähnter Bruder Ole sitzt – aua – für die AfD im Stadtrat. Shirins Zwillingsschwestern Azita und Rosita (Mirjam Rast) sind blonde, konsumgeile Dummchen in goldfarbenen Kleidern, Gabriele Möller-Lukasz schafft es immerhin, deren Mutter Shila nicht nur als selbstbewusste Matriarchin zu geben, sondern sie mit leichten Selbstzweifeln auszustatten. Sie muss sich übrigens, weil berufstätige Alleinerziehende, von ihren Töchtern als „Rabenmutter“ ansingen lassen – befremdlich, dass dieses Schimpfwort aus der Mottenkiste konservativer Geiferer es auf die Bühne des Theaters geschafft hat.

Zwei Teenager, einer davon ein Bülent-Ceylan-Lookalike (Bastian Hagen), nerven herum, ebenso eine Schwägerin, die vor allem Fäkalausdrücke in den Raum schleudert. In diesen Momenten ist das Stück nicht weit vom Klamauk des Brachial-Boulevards entfernt. Für eine leicht parabelhafte Note sorgen ein deutscher Hund (Alexander Swoboda als Golden Retriever) und eine iranische schwarze „Perverserkatze“ (Simon Zigah). Sie streiten eifrig über kulturelle Unterschiede, versöhnen sich aber schließlich wie alle anderen auch. Weil ja die Liebe siegt, miau.

Regisseur Michael Talke hat mit sehr hohem Tempo, Lust an der Choreografie und der Eskalation inszeniert. Unter der Geschwindigkeit leidet ab und an allerdings die Textverständlichkeit. Wie eine Farce wirkt „Shirin und Leif“ dank Talkes Zugriff in den besseren Momenten: Dann formiert sich das spielfreudige Ensemble zu einem derangierten griechischen Chor, bevor ein weißer Vorhang die Bühne teilt und davor der Sketch-artige Schlagabtausch der Zweier- oder Dreier-Grüppchen startet. Gesungen wird auch. Die dreiköpfige Band spielt deutschen und internationalen Pop, das Ensemble singt dazu manchmal karnevalesk-verballhornte Texte, nur Simon Zigah und Gabriele Möller-Lukasz können allerdings stimmlich überzeugen. Das Publikum applaudierte freundlich.

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Die nächsten Termine: 15., 18., 22., 26. Juni und 4. Juli, 19.30 Uhr.


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