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Syker Vorwerk
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Imaginierte Welten

Peter Groth 05.11.2018 0 Kommentare

"Stardust 8, Zeichnung auf NASA-Foto" hat Marikke Heinz-Hoek dieses Werk getauft, das im Syker Vorwerk zu sehen ist. (VG Bild-Kunst)

Erinnerungen und Legenden, erinnerte Fakten und erfundene Fiktionen spielen im Werk der Bremer Künstlerin Marikke Heinz-Hoek eine ganz gewichtige Rolle. Das Syker Vorwerk als Zentrum für zeitgenössische Kunst richtet ihr nun eine umfangreiche Einzelausstellung aus, in der vor allem die Zeichnungen eine gewichtige Rolle spielen. Unter dem Titel „Es wird gewesen sein“ sind sowohl in Syke als auch parallel im Museumsquartier Osnabrück in einer koordinierten Doppelpräsentation bis Mitte Januar zahlreiche Arbeiten zu sehen.

Wenn Marikke Heinz-Hoek irgendwo in Einzel- oder Gruppenausstellungen präsentiert wird, dann sind es zumeist Fotografien und Videos, die sich im weitesten Sinne dem Generalthema der Künstlerin, den Erinnerungen, widmen. Das ist jetzt im Syker Vorwerk in der von Nicole Giese-Kroner kuratierten Schau anders. Hier dominieren eindeutig gezeichnete und gemalte Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten. Sie ist damit zu ihren künstlerischen Wurzeln zurückgekehrt, hat aber die Kameras nicht komplett zur Seite gelegt.

Marikke Heinz-Hoek wagt sogar Neues, in dem sie erstmalig im Frühjahr 2018 ein zehnminütiges Video mit dem Smartphone im Syker Wald „Friedeholz“ gedreht hat – sie nennt diese Arbeit, die sich auf Blätter, Moose, Bäume und Sägespäne konzentriert, „Syker Walden“. Damit schafft sie einen Bezug zu dem Hauptwerk des amerikanischen Schriftstellers Henry David Thoreau, aus dem im Film Zitate zum Glück des Lebens in der Natur zu hören sind. Eine zweite anrührende Videoarbeit ist im Raum der Frauen zu sehen: „Motion Picture“ aus dem Jahr 2017. Es zeigt nur das Gesicht einer dementen alten Frau in extremer Zeitlupe, wie sie über Kopfhörer in großer emotionaler Bewegtheit ein Lied ihrer Jugend hört.

Porträts von Freunden

Tatsächlich ist der Raum der Frauen nur eines der vielen Kabinette, in denen das Werk der Künstlerin nach Themenschwerpunkten gegliedert wird. Im Erdgeschoss sind elf großformatige Porträts von Freunden aus der Serie „Verlorene Profile“ (2013) zu sehen, die vor allem Bremer Künstler jeweils von hinten im Halbprofil zeigen. Ein zweiter Raum ist dort den „Ungereisten Reisen“ gewidmet – Marikke Heinz-Hoek verreist sehr ungern und zeichnet sich deshalb in ihren Skizzenbücher in die weite Welt, so, wie sie sich diese anderen Regionen vorstellt. Einige der Bücher sind zu sehen, sechs großformatige C-Prints daraus zeigen, wie sie mit sparsamen Strichen Küsten- und Uferlandschaften in Umbrien, Montana und anderswo als ihre eigene Legende entstehen lässt.

Immer wieder spielt eine ganz besondere Landschaft in den Zeichnungen, Aquarellen und der Acrylmalerei eine zentrale Rolle: Ostfriesland und dort speziell das Rheiderland. Selten belässt es die Künstlerin dabei, die aus der Erinnerung an ihre dortige Kindheit und Jugend entstandenen Landschaftsbildnisse pur zu zeichnen oder zu malen. Seit vielen Jahren nutzt sie wie ihre berühmten Kollegen Arnulf Rainer oder Gerhard Richter Fotografien, die sie um die kargen Silhouetten des weiten flachen Landes ergänzt.

Liebesspiel im historischen Bett: Im China-Haus der Asien-Ausstellung des Übersee-Museums hat sich ein Pärchen ins Bett „mit der seit gefühlten 100 Jahren nicht gewaschenen Bettwäsche“ gelegt, berichtet Charlotte Altenmüller, Sprecherin des Museums. Und nicht nur das: Die beiden hätten sich darin auch noch miteinander vergnügt. Das Aufsichtspersonal erwischte das Paar in flagranti. Denn es ist ganz klar: Ausstellungsstücke dürfen von den Besuchern nicht be- oder genutzt werden. Nur gucken, nicht anfassen lautet die Regel.
Grundsätzlich ist das Fotografieren im Übersee-Museum und in der Kunsthalle Bremen aber nicht verboten. Angesichts des Siegeszugs der Smartphones sei das kaum möglich, erklärt Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg. Manchmal seien Fotos sogar ausdrücklich erwünscht.
Selfies im Asien-Tempel: Den fragilen Tempel im Übersee-Museum für Fotos zu betreten, verbiete sich eigentlich von selbst, sagt Sprecherin Charlotte Altenmüller. In solchen Fällen müsse das Aufsichtspersonal einschreiten und die Besucher „auf die Selbstverständlichkeiten des guten Benehmens hinweisen“.
Selfie-Sticks will Direktor Grunenberg in der Kunsthalle allerdings nicht sehen.
Fotostrecke: Die größten No-Gos in Bremer Museen

Als Bilduntergrund dienen apokalyptisch wirkende Fotografien des Weltraumteleskops Hubble in der Serie „Stardust“, die seit 2015 vorwiegend im Format von Triptychen entsteht. Die stark farbige Himmelsgewalt, die dem WESER-KURIER entnommenen stark gerasterten Nahaufnahmen der Sonne und eines Sternennebels stehen dabei in extremen Kontrast zu den durch wenige schwarze Linien charakterisierten ostfriesischen Landschaften. Nicht nur das Weltall, auch eine Serie von dunkelblauen Nachtbildern, das Röntgenbild eines menschlichen Brustkorbs oder der feine Flügel einer Libelle sind für Marikke Heinz-Hoek Bildhintergründe, auf denen sie zumeist am unteren Rand ihre Landschaftssilhouetten platziert.

Wie vielfältig die Künstlerin arbeitet, demonstriert sie mit einem Raum, den sie den Kindern, Katzen und Pferden gewidmet hat. Ihre Installation „Kinderschar“ besteht darin aus mehr als 30 Einzelbildern und einem Video – in Petersburger Hängung entdeckt der Betrachter dabei berühmte Kinderbildnisse anderer Künstler, die Marikke Heinz-Hoek ergänzt und verändert hat. Multiple Autorenschaft nennt sie diese Arbeitsweise augenzwinkernd. Die Tierzeichnungen haben natürlich biografische Bezüge, sind collagierte und gezeichnete Erinnerungen an ferne oder nahe Zeiten, an unbestimmte Orte. Nicht umsonst heißt die Ausstellung „Es wird gewesen sein“ – Gegenwart ist für die Künstlerin im Moment des Erlebens schon wieder Vergangenheit mit einem Gewirr von Fakten und Fiktionen.

Weitere Informationen

Syker Vorwerk, Waldstraße 76; bis 13. Januar; Geöffnet: mittwochs 15 bis 19 Uhr, sonnabends 14 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr.


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