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„Art:Card“ - Museumsbesuche für alle
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Kappert-Gonther: „Wir wollen mehr kulturelle Teilhabe“

Dominik Albrecht 15.03.2017 0 Kommentare

Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Kirsten Kappert-Gonther, spricht im Interview über den Nutzen einer „Art:Card“. Mit dieser sollen Familien gratis oder vergünstigt Museen besuchen können.

Kooperation Kita Bremen - Kunsthalle
Zukunftsvision: Auch in Bremen sollen laut den Grünen mehr Kindern ein Besuch in den Museen ermöglicht werden. (Christina Kuhaupt)

 

Sie setzen sich zusammen mit Ihrer Fraktion für die Einführung einer sogenannten „Art:Card“ ein. Dabei handelt es sich um eine Kulturjahreskarte, die einen freien oder vergünstigten Eintritt in verschiedene Museen ermöglicht. Welchen Stellenwert haben Museen Ihrer Meinung nach in der Freizeitgestaltung von Familien?

Kirsten Kappert-Gonther: Für Familien sind gemeinsame Museumsbesuche eine besonders schöne Erfahrung. Alle entdecken etwas Neues und können das einander zeigen und die Erlebnisse miteinander teilen. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Familien und viele Kinder und Jugendliche in Bremen und Bremerhaven unkompliziert und kostengünstig in unsere tollen Museen gehen können. Die Formate die Kinder besonders ansprechen, werden ja in den Museen immer mehr. Wenn Familien jedes Mal überlegen müssen, ob und wie viel Eintritt das kostet, verbleibt der Besuch leicht. Wenn Familien Jahreskarten hätten, könnten sie auch mal kurz ins Museum gehen und wenn die Kinder keine Lust mehr haben, gehen sie halt wieder und kommen an einem anderen Tag für einen Moment wieder vorbei. So kommen Schwellenängste erst gar nicht auf und Museen werden ein vertrauter Ort. Diese Erfahrung trägt ein Leben lang.

Aus welchen Gründen ist eine solche Karte Ihrer Meinung nach wichtig – welche Erwartungen verbinden Sie damit?

Kirsten Kappert-Gonther, die Grünen - Große Anfrage der Grünen - zum Thema die Geburtshilfe im Klinikum Mitte wieder zu
Kirsten Kappert-Gonther ist die kulturpolitische Sprecherin der Grünen. (Frank Thomas Koch)

Kinder, die frühzeitig die Chance bekommen, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, kommen nachweislich besser im Leben zurecht. Es gibt immer mal das Vorurteil, Museumsbesuche seien für Kinder langweilig. Es ist aber so: wenn Kinder sich ganz selbstverständlich im Museum aufhalten, haben sie dort großen Spaß und mögen es, dort immer wieder Neues zu entdecken. Dann wächst in den Kindern auch die Lust, selbst kreativ zu sein. Das wiederum fördert die Entwicklung und das Selbstbewusstsein. Der Museumsbesuch soll nicht am Eintrittsgeld scheitern. Ich wünsche mir, dass Museen selbstverständliche Aufenthaltsorte für Familien werden. Dazu kann eine Kunst-Jahreskarte beitragen. In Düsseldorf zahlt das erste Kind 15 Euro für ein ganzes Jahr, die Geschwister weniger. Und wenn die Eltern auch eine Jahreskarte haben, können sie einfach auch mal für eine Viertelstunde mit ihren Kindern im Museum verbringen, ohne über den Eintritt nachdenken zu müssen. Wir Grünen wollen, dass alle Menschen Zugang zu Kunst und Kultur bekommen. Das hat viel mit gesellschaftlicher Teilhabe zu tun. Die Hürden sind immer noch vielerorts zu hoch. Wir wollen, dass auch kulturelle Teilhabe für alle selbstverständlich wird. Das heißt nicht, dass alle immer ins Museum gehen müssen, aber alle, die dazu Lust haben, sollen die Möglichkeit bekommen. Darum suchen wir nach Lösungen, wie das besser klappen kann, und haben die Diskussionsveranstaltung dazu für Mittwochabend im Gerhard-Marcks-Haus organisiert.

Im vergangenen Jahr stellte Bündnis 90/Die Grünen bereits eine Anfrage an den Bremer Senat. In der Antwort stellte dieser unter anderem fest, dass eine „Art:Card“ zwar sinnvoll ist, es sowohl in Bremen als auch Bremerhaven aber bereits Konzepte gibt, die den gleichen Zweck erfüllen. Insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen verwies der Senat auf den Bremen-Pass. Warum braucht Bremen eine „Art:Card“?

Die bisherigen Angebote reichen noch nicht aus, damit Familien unkompliziert und kostengünstig einfach mal auf einen Sprung ins Museum gehen können, ohne dass das extra Eintritt kostet. Mit einer Jahreskarte könnten die Bremerinnen und Bremer häufiger und immer wieder ins Museum gehen. Wir wollen mehr kulturelle Teilhabe schaffen und dafür neue Wege zu gehen. Diese Wege müssen auf jeden Fall sozial gerecht sein. Wir Grünen finden das Konzept der Düsseldorfer „Art:Card“ überzeugend. Vielleicht gibt es heute Abend sogar noch bessere Ideen.

Die „Art:Card“ müsste laut Senat zudem mindestens 80 € kosten, um nicht in Konkurrenz mit anderen Jahreskarten zu treten. Lohnt sie sich unter diesen Voraussetzungen trotzdem noch?

Generell gilt, dass es viele Familien gibt, für die 80 € zu viel sind. Da muss es eine soziale Staffelung geben. Um die Jahreskarte zusätzlich zur Mitgliedschaft in einem Kunstverein attraktiv zu machen, haben die Düsseldorfer eine schlaue Lösung gefunden. Dort erwerben die Museen größere Kontingente und können so die Jahreskarte ihren Mitgliedern zu einem vergünstigten Preis anbieten. Ich bin sicher, dass wir kluge Wege finden können.

 

Zur Person

Kirsten Kappert-Gonther ist 1966 in Hessen geboren. Seit 2001 ist sie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Die zweifache Mutter trat 2002 den Grünen bei und ist kulturpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktionen.
Zur Sache „Kinder ins Museum – eine Kulturjahreskarte für Bremen?“, heißt die Veranstaltung der Grünen am Mittwoch um 19 Uhr im Gerhard-Marcks-Haus.

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