Wetter: Regenschauer, 10 bis 15 °C
Interview mit Florian Donderer
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Konzertreihe „Residenz@Sendesaal“ wird zehn Jahre alt

Iris Hetscher 04.06.2019 0 Kommentare

Florian Donderer ist nicht nur Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, er hat gemeinsam mit seiner Frau, der Cellistin Tanja Tetzlaff, auch die Reihe Residenz@Sendesaal initiiert. Donderer war außerdem 2010 Professor für Violine an
Florian Donderer ist nicht nur Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, er hat gemeinsam mit seiner Frau, der Cellistin Tanja Tetzlaff, auch die Reihe Residenz@Sendesaal initiiert. Donderer war außerdem 2010 Professor für Violine an der Musikhochschule in Groningen und der HfK Bremen.

Herr Donderer, zehn Jahre Residenz@Sendesaal – wie sind Sie 2009 auf die Idee zu dieser Konzertreihe mit dem sperrigen Titel gekommen?

Florian Donderer: Einerseits lehnt sich der Name an die sogenannten Residencies an, die man als Musiker bei Festivals haben kann. Andererseits sind wir Bremer Künstler, unsere Konzerte können wir also in regelmäßigen Abständen hier in Bremen veranstalten. Und eine schöne weitere Anspielung gibt es auch noch: Die Residenz-Gruppe war damals als Betreiber der Reha-Klinik im Gespräch. Immerhin sind alle Patientenzimmer mit analogen Kabeln für Musiktherapie ausgestattet, das sind tolle Voraussetzungen, die wir in Zukunft hoffentlich nutzen können. Begonnen haben wir die Reihe übrigens mit einem Benefizkonzert aus Anlass der Rettung des Sendesaals.

Wer war dabei?

Das waren Bremer Musiker aus allen Orchestern, außerdem viele Freiberufler. Benefiz deshalb, weil damals vieles noch nicht geklärt war. Das war eine aufregende Zeit: Es gab keinen Sender mehr und auch sonst niemanden, der etwas forderte, alles schien möglich. Von daher haben meine Frau Tanja Tetzlaff und ich gemeinsam mit Peter Schulze überlegt, wie man diesen Saal mit Kammermusik füllen könnte. Wir haben ja das Privileg, zu Festivals eingeladen zu werden – da haben wir uns gedacht, wir geben etwas zurück und gründen unser eigenes kleines Festival.

Die Auftritte sind oft verbunden mit einer CD-Aufnahme. Warum?

Das ist europaweit einer der besten Säle für kleine Besetzungen. Und wir Musiker brauchen CDs, wir möchten dokumentieren, was wir tun, das sind unsere Visitenkarten. Im Sendesaal haben wir quasi unseren eigenen Rundfunkauftrag geschaffen. Wir haben Künstler, die wir schätzen, eingeladen; die haben den Saal dann drei Tage und Nächte zur Verfügung und können aufnehmen, was sie wollen. Als Abschluss gibt es ein Konzert, das ebenfalls mitgeschnitten wird. Der Tonmeister mischt dann sozusagen das Beste aus zwei Welten zu einer schönen CD. Das ist der Mehrwert für die Musiker, und unser Mehrwert ist das Konzert.

Das reicht aus, um die Reihe zu finanzieren?

Nein. Beim Benefizkonzert saß Annelotte Koch im Publikum und war sehr angetan. Seither steht uns die Heinz-Peter-und-Annelotte-Koch-Stiftung zur Seite. Mittlerweile gibt es übrigens 19 CDs.

Es gibt aber auch Konzerte ohne begleitende CD, oder?

Wir veranstalten regelmäßig Konzerte mit den Künstlern, die schon bei der Benefizveranstaltung mitgetan haben. Oder aber wir proben mit Freunden für Auftritte auf internationalen Festivals – manchmal geben wir hier vorab ein Konzert für das Bremer Publikum.

Haben Sie von Beginn an problemlos international erfolgreiche Künstler überzeugen können, im Bremer Sendesaal aufzutreten?

Zunächst haben wir von einem Vertrauensvorschuss profitiert, weil die Künstler Tanja und mich kannten. Wir mussten natürlich erst einmal viel erklären. Inzwischen hat es sich auch bei allen großen Labels herumgesprochen, dass das gute Produktionsbedingungen sind. Für uns steht natürlich der Saal im Vordergrund und die Möglichkeit, mit befreundeten Musikern zu spielen. Der Untertitel der Reihe lautet nicht umsonst „Kammermusik mit Freunden“.

Hätten Sie zu Beginn gedacht, dass es die „Residenz@Sendesaal“-Reihe nach zehn Jahren noch geben würde?

Nein. Aber soweit denkt man nicht, man denkt immer nur von einer Saison zur nächsten und hofft, dass man alles hinbekommt. Aber erwartet haben wir das nicht, und eigentlich war das erste Konzert doch gerade erst, oder?

Überlegen Sie, die Reihe zu modifizieren?

Im Moment mischen wir populäre mit weniger populären Stücken. Wenn Lars Vogt mit Julien Prégardien eine „Winterreise“ anbietet, ist der Saal voll. Das würde ich mir auch bei Programmen wünschen, die sich etwas weniger bekannten Komponisten widmen oder von weniger bekannten Künstlern gestaltet werden. Ich hoffe, dass wir dahin kommen, dass die Leute uns und der Qualität der Reihe so vertrauen, dass sie einfach mal etwas ausprobieren.

Was wünschen Sie sich noch?

Ich wünsche dem Sendesaal und dem Freundeskreis alles Gute. Es ist jedes Jahr aufs Neue schwierig, alles am Laufen zu halten, dessen sollte sich auch die Stadt bewusst sein.

Was erwartet die Zuhörer bei Ihrem Jubiläumskonzert am Mittwoch?

Wir haben alle Musiker der vergangenen zehn Jahre gefragt, ob sie vorbeikommen. Es haben sich wirklich viele gemeldet, daher spielen wir ein ungewöhnliches Programm von Bach über Mozart und Brahms bis Schostakowitsch. Auch die leichtere Muse kommt nicht zu kurz als Übergang zur Party! Wir haben mehrere Klaviere auf der Bühne und die Möglichkeit, in ungewohnter Besetzung aufzutreten. Groß besetzte Kammermusik also, ein bunter Strauß Lieblingsmusik.

Das Gespräch führte Iris Hetscher.

Zur Person

Florian Donderer

studierte in Berlin und London Geige. Seit 1999 ist er Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Er ist außerdem ein gefragter Solist. Donderer ist mit der Cellistin Tanja Tetzlaff verheiratet. Sie leben mit ihren beiden Kindern in Bremen.

Weitere Informationen

„10 Jahre Residenz@sendesaal – das Jubiläumskonzert“, Mittwoch, 5. Juni, 20 Uhr, Sendesaal, Bürgermeister-Spitta-Allee. Das Konzert ist ausverkauft.


Party- und Freizeit-Bilder

Hier sind die Ermittler
Die große Vorschau: Das bringt die neue "Tatort"-Saison
Anzeige

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 10 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %