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Letzte Folge des Bremer Tatort-Teams läuft am Ostermontag

Hendrik Werner 18.04.2019 2 Kommentare

Schauspieler Oliver Mommsen, als Hauptkommissar Nils Stedefreund und Schauspielerin Sabine Postel, als Hauptkommissarin Inga Lürsen bei einem Pressetermin am Rande der Dreharbeiten eines Bremer
Schauspieler Oliver Mommsen, als Hauptkommissar Nils Stedefreund und Schauspielerin Sabine Postel, als Hauptkommissarin Inga Lürsen bei einem Pressetermin am Rande der Dreharbeiten eines Bremer "Tatorts". (Carmen Jaspersen/dpa)

Nicht etwa an der Weser, sondern an der Außenalster ist das Abschiedstreffen der Bremer „Tatort“-Kommissare mit Vertretern der Medien anberaumt worden. In einem Tagungsraum des Hotels Le Meridien mit pittoreskem Blick auf das Gewässer stehen Sabine Postel (64) und Oliver Mommsen (50) jenen Journalisten Rede und Antwort, die an diesem ebenso kühlen wie sonnigen Februartag im Halbstundentakt vorgelassen werden.

Das Duo gibt sich im Gespräch verschworen, schalkhaft, ja passagenweise übermütig. Den ebenso flink wie vertraut anmutenden Wortwechseln ist anzumerken, dass die beiden Schauspieler schon eine geraume Zeit zusammenarbeiten. Vor sage und schreibe 18 Jahren wurde Postel, die 1997 als Ermittlerin auf dem ARD-Krimiflaggschiff anheuerte, der damals noch sehr junge Kollege zur Seite gestellt. Seitdem absolvieren sie gemeinsam Fälle, die – auch wenn man ein Quantum Lokalpatriotismus abzieht – in der Regel besser sind als der Durchschnitt der föderal strukturierten Reihe, die immer wieder sonntags zur besten Sendezeit zu den letzten linearen TV-Lagerfeuern gerechnet werden darf (Feiertagsausnahmen bestätigen nur die Regel).

Gelungene Kehraus-Folge

„Wir haben uns mit den Jahren gesteigert“, gibt Sabine Postel zu Protokoll, deren Fernsehfigur Inga Lürsen der Regisseur und Drehbuchautor Florian Baxmeyer in der über weite Strecken gelungenen, ja ergreifenden Kehraus-Folge „Wo ist nur mein Schatz geblieben?“ (ARD, Ostermontag, 20.15 Uhr) deutlich mehr an dramatischen Ereignissen und Knalleffekten zumutet, als es die hiesige Polizei eigentlich erlauben sollte.

Auch Nils Stedefreund, die Figur von Oliver Mommsen, bekommt in ihrem letzten Auftritt als Ermittler neben vordergründigen Delikten wie Geldwäsche so einiges ab, unter anderem ein ausgewachsenes Vertrauensproblem mit seiner Kollegin und neue Schübe jener Krise zwischen Beruf und Berufung, die im Jahr 2013 in der Folge „Puppenspieler“ anklang, an deren Ende er seine Partnerin wissen ließ, er habe sich für einen Einsatz in Afghanistan beworben, das Programm „Ausbildung von Polizisten in der dritten Welt“.

Einige Gründe mehr für das bewährte und wegen seiner Nahbarkeit weithin beliebte Fahnder-Gespann, im Anschluss an die Dreharbeiten, die im September und Oktober 2018 in Bremen und Umgebung stattfanden, für ein emotional grundiertes Debriefing zusammenzufinden. Abschied, ahnt man, kann auch und gerade im kriminalistischen Metier ein scharfes Schwert sein. Oliver Mommsen erinnert sich: „Am ersten Tag der Dreharbeiten zu unserem letzten gemeinsamen ‚Tatort‘ saßen Sabine und ich in ihrem Wohnwagen und schauten uns an. ‚So, nun ist es so weit.‘ Wir beschlossen, jeden einzelnen Tag in vollen Zügen zu genießen. Das haben wir dann auch getan. Und doch flossen am Ende die Tränen. Nach einer so langen Zeit miteinander ist Trauerarbeit unverzichtbar.“ 

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Voll des Lobes sind beide Akteure über die Stadt, die am 28. Dezember 1997 nach 24-jähriger Pause mit der Folge „Inflagranti“ wieder auf der „Tatort“-Landkarte landete. Sie sei „in keiner anderen Stadt so freundlich über den Zaun zum Kaffee eingeladen worden“, gibt Sabine Postel zu Protokoll. Überhaupt sei ihr „Bremen zur zweiten Heimat geworden“. Dank ihrer nuancierten Verkörperung der leidenschaftlichen Mutter und engagierten Musiklehrerin Sybille Schefer in der in Bremen spielenden ARD-Vorabendserie „Nicht von schlechten Eltern“ (1992-1996) hatte die 1994 für ihre Darstellerinnenkunst mit einem Bambi belobigte Aktrice ihren, nun ja, Geburtsort-Malus – Neustadt am Rübenberge – frühzeitig wettgemacht. Ihr oft schnoddriger, situativ gar hochfahrender Tonfall verlieh ihr in der einen wie der anderen Fernsehreihe Glaubwürdigkeit und Sympathien beim hanseatischen Publikum.

Nicht von ungefähr wurde Postel, die neben Germanistik und Kunstgeschichte in Bochum Schauspiel und Zurückhaltung studierte, im Jahr 2007 sozusagen von den Bremern adoptiert, als sie ihre Handabdrücke der sogenannten Mall of Fame in der Lloydpassage einschrieb. Dieser Eingemeindungsgestus ging schon deshalb in Ordnung, weil Postel jenseits ihres TV-Engagements Verantwortung übernahm, als sie im Jahr 2005 zum prominenten Gesicht des Bremer Zentrums für trauernde Kinder und Jugendliche wurde. Auch die Zuerkennung des kurzlebigen Stadtmusikanten-Preises im Jahr 2010 galt ihren Fähigkeiten als Botschafterin einer Stadt, die sie und ihr Kollege in den vergangenen beiden Jahrzehnten sehr gründlich kennengelernt haben. Mommsen preist die Bremer als „lässig, unaufgeregt, ja tiefenentspannt“. Sabine Postel, die sich „wie Bolle gefreut“ hat, als ihr die Rolle der Inga Lürsen angeboten wurde, spricht gar von ihrer „Liebe zu einem linksliberalen Menschenschlag, der so sympathisch nur in Bremen existiert“.

Elf Jahre ohne Urlaub

Unisono schwärmt das zweiköpfige Kernteam, um das sich mit den Jahren mehr oder minder dauerhafte Begleiter wie Kriminalassistent Karlsen (Winfried Hammelmann) und Inga Lürsens ehrgeizige Filmtochter Helen Reinders (Camilla Renschke) scharten, von skurrilen Drehorten in Bremen und umzu. Dabei sind es keineswegs nur heimelige Reminiszenzen an Bürgerpark, Schnoor und Konsorten, in denen die beiden Akteure schwelgen. „Wir haben auch gern im Siff gedreht“, sagt Oliver Mommsen und memoriert im Schnelldurchlauf einige besonders verkommene Hochhaussiedlungen, Industriebrachen und Container-Terminals.

Besonders intensiv ist den beiden Darstellern allerdings eine nicht nur touristische Schokoladenseite der Stadt in Erinnerung. „Nachts im Viertel zu drehen, war immer faszinierend“, sagt Postel, die ihre zeitaufwendige Leidenschaft für das Ermittlergeschäft und andere telegene Engagements – seit 2009 spielt sie in der ARD-Serie „Die Kanzlei“ die Rechtsanwältin Isabel von Brede – über lange Zeit mit Freizeiteinbußen bezahlt hat.

Elf Jahre, sagt sie, habe sie keinen Urlaub mehr gemacht, der diesen Namen verdiene. Nachvollziehbar, dass sie von einer 2012 entstandenen Folge des ZDF-„Traumschiffs“ schwärmt, die sie unter anderem nach Singapur führte. Ein dienstlicher Trip, der wiederum dazu führte, dass sie (wie auch Veronica Ferres) nach der Ausmusterung von Sascha Hehn und vor der Nominierung von Florian Silbereisen zeitweilig als Kapitänin gehandelt wurde. Umso mehr träumt Sabine Postel, die sich als Workaholic bezeichnet, jetzt von privaten Reisen und anderen Formen angewandten Lebenshungers. Das kann eingedenk ihres Arbeitspensums nicht verwundern. Schließlich hat sie seit ihrem Start knapp 40 Kapitalverbrechen in und um Bremen aufgeklärt. In solchen Sollerfüllungssphären bewegt sich sonst allenfalls der real existierende Fahnder Axel Petermann.

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Ein ums andere Mal war die Schauspielerin mit Kriminalfällen konfrontiert, über die die Fernsehnation diskutierte. Darunter die verstörende Folge „Brandwunden“ (1998), in der ein junges Paar im Haus einer türkischen Familie den Flammentod stirbt. Darunter die legendäre Folge „Schatten“ (2002), in der Postel – unter anderem an der Seite ihres langjährigen Filmpartners Dieter Pfaff („Kanzlei“-Vorläufer „Der Dicke“) – mit der linksradikalen Vergangenheit und dem exponierten Gerechtigkeitssinn ihrer weltanschaulich ambivalenten Filmfigur konfrontiert wird. Darunter auch der grandiose Reihenbeitrag „Brüder“ (2014), der so ziemlich alle maßgeblichen Forderungen an die Zutaten für einen relevanten Kriminalfilm erfüllt: die glaubhafte Abbildung von Realitätsnähe – mit reichlich Aufklärungsfuror, einer guten Prise Hochspannung und einem Teelöffel Sozialreportage-Ambition.

Bei „Brüder“, überaus spannend in Szene gesetzt von Florian Baxmeyer, hat das im Hinblick auf die Bremer Verhältnisse deshalb so ausnehmend gut funktioniert, weil es in dieser Folge um eine einflussreiche Großfamilie geht, die – offenbar nach Belieben – kriminelle Erwerbszweige pflegt. Nidal nannten die Drehbuchautoren Wilfried Huismann und Dagmar Gabler diesen Clan, dessen Machtstrukturen, Geschäftsfelder und Staatsverhöhnungsgesten frappierend an Machenschaften der libanesischstämmigen Familie M. erinnern. Nicht zu vergessen die 2015 gezeigte Lürsen-und-Stedefreund-Folge „Die Wiederkehr“ um die vermeintliche Entführung eines Mädchens, die zu einem Formathöhepunkt geriet, an den sich auch die beiden Hauptdarsteller gern erinnern.

Musisches Muttertier

„Herzblut, Können, Teamgeist und Leidenschaft“ hat Annette Strelow, die bei Radio Bremen für das „Tatort“-Format verantwortlich ist, den wesernah schnüffelnden Kommissaren Inga Lürsen und Nils Stedefreund in einem vorgezogenen Nachruf attestiert, als deren Demission vor zwei Jahren bekannt wurde. Diese Attribute hätten sie zu „vertrauten und glaubwürdigen Ermittlern gemacht“.

Mehr noch: Zumal Postel hatte durch die Rolle der vermeintlich taffen Polizistin die Möglichkeit, sich als Darstellerin neu zu erfinden. Sie, die dank „Nicht von schlechten Eltern“ auf Rollen als musisches Muttertier abonniert schien, konnte ihr Portfolio wie auch ihr Image deutlich ausbauen. Das lag nicht zuletzt daran, dass sie in ihren frühen Jahren als Ermittlerin ihre Filmpartner oftmals ohne ersichtlichen Grund anblökte, als wolle sie partout ihren damaligen Hamburger Kollegen Jan Casstorff überbieten – eine geräuschvolle Knallcharge, die zum Segen empfindsamer Zuschauer längst den Dienst quittiert hat. Doch während Robert Atzorn zuverlässig in jeder Rolle brüllt, was die Stimmbänder halten, fiel Postel in ihrer Filmografie nie als Lautsprecherin auf. Weder in „Der Dicke“/„Die Kanzlei“ noch in „Nicht von schlechten Eltern“ – und auch nicht in den zahlreichen Episodenrollen, die sie in öffentlich-rechtlichen Dauerbrennern wie „Lindenstraße“ und „Ein Fall für zwei“ übernahm.

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Die Fußstapfen Sabine Postels und Oliver Mommsens sind nicht gerade klein, dürften aber schon deshalb angemessen auszufüllen sein, weil sich Qualität und Wettbewerbsfähigkeit des Bremer Beitrags zum „Tatort“-Format nicht allein am Ermittlungspersonal bemessen. Postel und Mommsen haben gute, ja ein ums andere Mal sehr gute Arbeit geleistet. Gleichwohl ist die anstehende Kür ihrer Nachfolger ein prinzipiell schönes, nicht etwa ein trauriges Ereignis. Schon deshalb, weil die Verkündung der Neubesetzung ein mittelfristiges Ende der Ausstrahlungspause signalisiert, die anderthalb Jahre währen dürfte. Frühestens Anfang 2020 sollen die Dreharbeiten mit dem neuen Team beginnen. 


Party- und Freizeit-Bilder

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