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Linkin-Park-Frontmann im Interview
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Mike Shinoda: „Jeder verarbeitet Trauer auf seine Weise“

Eva Przybyla 19.02.2019 0 Kommentare

Ein Multitalent: Mike Shinoda rappt, singt und spielt Gitarre.
Ein Multitalent: Mike Shinoda rappt, singt und spielt Gitarre. (Frank Maddocks)

Auf Ihrem neuen Album wird aus Rock Rap. Lassen Sie die Rockeinflüsse von Linkin Park hinter sich, Herr Shinoda?

Mike Shinoda: Es geht nicht so sehr um Genres, aber es geht sehr stark um den emotionalen Inhalt. Am Anfang habe ich einfach Dinge aufgeschrieben, die ich fühlte, um mich von ihnen zu befreien. Die ersten Songs waren sehr düster. Jeder Song ist ein Tagebucheintrag. Ich habe versucht, so viel wie möglich an einem Tag einzufangen. Jeder Tag war anders, und meine Sichtweise hat sich ständig verändert. Jeden Tag habe ich einen anderen Gedanken gehabt. Mit der Zeit entstand dann diese Sammlung von Songs, die eine chronologische Geschichte erzählt. Am Ende konnte ich kaum glauben, dass diese Reise so weit ging. 

Sie haben gesagt, dass das Album nicht nur düster ist. Was ist daran positiv?

Der Anfang ist sehr düster. Aber am Ende macht es Hoffnung. Die Entwicklung ist entscheidend, besonders in der zweiten Hälfte. Als das Album fertig war, war der nächste große Schritt, damit auf Tour zu gehen. Ich wollte den Leuten dort in erster Linie danke sagen dafür, dass sie mich und die Band in all den Jahren begleitet haben.

Sind alle Ihre Fans heute auch Linkin-Park-Fans?

Ja ich denke, die meisten sind es. Ich spiele auf meiner Tour Songs von Linkin Park, Fort Minor und Solosongs. Die meisten Fans, die ich treffe, sind sehr engagiert. Als Teil des Fanclubs sind sie schon eine Weile dabei.

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Wie gehen Sie bei Ihren Konzerten damit um?

Da bin ich spontan. Wenn jemand in der Menge einen Songtitel von irgendeiner B-Seite aus dem Jahr 2007 ruft, dann werde ich den Song spielen, wenn meine Band es kann. Die Fans singen meistens jeden Song mit.

Singen sie auch schon Ihre Songs von „Post Traumatic“?

Ja, es ist eine Mischung. Ich höre sie bei allen Songs mitsingen.

Welche Linkin-Park-Songs sind geplant?

Ich habe eine Auswahl getroffen. Ich konnte mit den Fans offensichtlich nicht „One Step Closer“ singen. Das geht überhaupt nicht ohne Chester. Die Lieder, die ich in das Set aufgenommen habe, wie „Castle of Glass“, oder „Roads Untraveled“ oder ein Mashup von „Waiting For The End“ – diese Lieder zeigen den Stil von Linkin Park. Sie klingen wie das Album, aber ohne die Stimme von Chester klingen sie wieder wie die Demoversionen, die ich früher gesungen habe. Für mich klingen sie deshalb vertraut. Aber ich denke, für viele Fans sind sie ungewohnt.

Was sagen Ihre Bandkollegen von Linkin Park dazu?

Sie haben mich sehr stark unterstützt. Dave hat sogar schon viele Konzerte mit mir gespielt, Joe bisher eins. Die anderen beiden haben mehrmals zugeschaut. Sie waren großartig. Ich kann mir vorstellen, dass für sie das erste Konzert sehr emotional war.

Inwiefern?

Jeder verarbeitet Trauer auf seine Weise. Jeder verarbeitet Gefühle anders als Andere. Ich verarbeite Gefühle, während ich etwas mache, indem ich male oder laufen gehe. Ich bin keine Person, die sitzt und meditiert. Ich verstecke mich nicht zu Hause vor der Welt. Rob ist da anders. Er meditiert viel und sucht die Stille, um Schwerwiegendes zu verarbeiten. Darüber machen wir auch oft zusammen Witze.

Und wie hat er auf Ihr Soloalbum reagiert?

In dem Monat nach Chesters Tod habe ich Rob gesagt, dass ich einige Sachen geschrieben habe. Seine Reaktion war: „Oh, o.k.“. Er hat das erwartet, weil er mich kennt.

Wo wollen Sie als Solokünstler in fünf Jahren sein?

Ich weiß es nicht. Ich plane derzeit nicht langfristig. Ich interessiere mich nur für die Möglichkeiten und Dinge, die ich in diesem Jahr nutzen und tun kann. In letzter Zeit habe ich mit vielen Künstlern zusammen Songs geschrieben und produziert. Das hat viel Spaß gemacht.

Linkin Park wollte seinen Fans immer auch eine persönliche Botschaft mit auf den Weg geben. Nach all dem, was Sie seit Chester Benningtons Tod durchgemacht haben – was wollen Sie Ihren Fans heute unbedingt sagen?

Das ist kompliziert. Mir ist wichtig, dass sich die Fans an Chester erinnern und ihn feiern. Ich möchte, dass sie sich an all die tollen Erlebnisse erinnern, die wir zusammen hatten, und an all die großartigen Songs, von denen Chester ein Teil war. Chester war einer der besten Sänger, die ich jemals gehört habe. Er war ein großartiger Mann.

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Woran erinnern Sie sich gern, wenn Sie an die Zeit mit ihm zurückdenken?

Das ist eine meiner liebsten Erinnerungen: Wann immer wir einen Song geschrieben haben, habe ich in der Regel auch Chesters Teil geschrieben. Wir haben dann gemeinsam versucht herauszufinden, wie er seinen Teil singen sollte. Manchmal war er dann in einem Stil festgefahren, den wir beide nicht mochten. Um ihn raus zu holen, habe ich ihn gebeten, wie jemand anderes zu singen. Ich habe dann zu ihm gesagt: „Sing den Song wie Robert Plant“, oder: „Sing ihn wie Perry Farrell“. Manchmal habe ich willkürlich irgendwelche Künstler genannt, Sid Vicious zum Beispiel, einfach nur, um verrückt zu sein. Chester konnte alle diese Sänger imitieren. Er konnte dieses unglaubliche Spektrum singen. Ich glaube nicht, dass viele Menschen wussten, wie gut er singen konnte. Das war einzigartig.

 

Das Gespräch führte Eva Przybyla.

Zur Person

Mike Shinoda

ist Frontsänger und Mitgründer der international bekannten Band Linkin Park. Seit 1996 rappt, singt und spielt er in der Crossover- und Nu-Metal-Band. 2004 gründete er zudem das Hip-Hop-Soloprojekt Fort Minor. Den meisten Erfolg hatte er jedoch mit Linkin Park, an der Seite von Sänger Chester Bennington. Am 20. Juli 2017 nahm Bennington sich das Leben. Ein Jahr später veröffentlichte Shinoda sein Debütalbum „Post Traumatic“, das er auch in Bremen spielen wird.

Zur Sache

Mike Shinoda spielt am 3. März um 20 Uhr im Pier 2.


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