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Chorkonzert am Theater Bremen
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Mit Melancholie und verhaltener Freude

Iris Hetscher 15.04.2019 0 Kommentare

Brahms vor Treppen: die Damen des Chors, unterstützt von Amandine Carbuccia an der Harfe sowie .... am Horn.
Brahms vor Treppen: die Damen des Chors, unterstützt von Amandine Carbuccia an der Harfe sowie Stefan Fink und Matthias Berkel am Horn. (Landsberg)

Bremen. Dem Chor des Theaters Bremen zuzuhören, ist immer ein großer Genuss. Doch nicht nur die Ohren freuen sich: Die Damen und Herren sind in den Inszenierungen des Musiktheaters zunehmend schauspielerisch gefordert, ganz frisch ist das in der kecken und schwarzhumorigen Inszenierung von „L'Étoile“ zu erleben. Und so gilt die Formel: Selbst in, vorsichtig gesagt, Inszenierungen, die einem vom Konzept her vielleicht nicht so gefallen, kann man sich auf das Ensemble des Musiktheaters verlassen – und auf die diversen Qualitäten des Chors.

Von daher ist es immer zu begrüßen, wenn die 40 Damen und Herren nicht nur Teil eines Ganzen sind, sondern auch mal im Mittelpunkt stehen. Bei der fulminanten Orffschen „Carmina burana“ unter Leitung von Daniel Mayr war das vor drei Jahren der Fall, sie wurde zum Publikumsrenner am Goetheplatz. Nun hat Alice Meregaglia, die seit der Saison 2016/17 erfolgreich mit dem Chor arbeitet, ein szenisches Konzert unter dem Titel „Vom Himmel kommt es/Zur Erde muss es“ zusammengestellt. 70 Minuten auf Leben und Tod sozusagen, es geht um den ewigen Kreislauf und die unterschiedlichen Stimmungen, die mit ihm verbunden sein können.

Alice Meregaglia hat sich für ein fein gewobenes und anspruchsvolles Programm entschieden, das mit dem berühmten „Galop infernal“ aus Jacques Offenbachs „Orpheus aus der Unterwelt“ beginnt. Die Bremer Philharmoniker in kleiner Besetzung, dirigiert von Meregaglia, flitzen gut aufgelegt durch das Arrangement von Daniel Moreira, die Damen und Herren des Chors beweisen einmal mehr Humor und absolvieren dazu ein ulkiges Stückchen Tanztheater. Noch ist das Schwarz ihrer Kleidung mit bunten Accessoires verziert, die sie allerdings nach und nach abstreifen werden.

Die Zeit danach gehört den Damen, die die „Vier Gesänge für Frauenchor“ von Johannes Brahms anstimmen, inmitten einer Konstruktion aus Treppen, die ins Nichts führen und auf der einsame Männer nicht zu wissen scheinen, ob es auf- oder abwärts geht. Besorgt hat diese elegant-minimalistische szenische Einrichtung Vendula Nováková. Musikalisch gut herausgearbeitet ist der zutiefst romantische, vor allem an Felix Mendelssohn orientierte Ansatz der drei ersten, strophisch strukturierten Gesänge in Kontrast zum vierten („Gesang aus dem Fingal“), der purer, herber, innerlicher Brahms ist. Die rhythmischen Klippen und motivischen Querverweise erklingen sauber, mitunter kristallklar, unterstützt werden die Damen in sensibler Abstimmung von der Solo-Harfenistin Amandine Carbuccia und den Hornisten Matthias Berkel und Stefan Fink von den Bremer Philharmonikern.

Dem sechsstrophigen „Gesang der Geister über den Wassern“ von Franz Schubert widmen sich danach die Herren; aus dem vertonten Goethe-Gedicht stammt das Zitat, das dem Chorkonzert seinen Titel gibt. Betörend ist vor allem die Dynamik, auf die Meregaglia setzt; sie erzeugt die exakt richtige Spannung für Goethes Vergleich des menschlichen Daseins mit dem Wasser, das steigt und fällt, zwischen Himmel und Erde schwebt wie der Mensch zwischen Realität und Irrealität.

Für Gabriel Faurés „Requiem“ tun sich die Damen und Herren wieder zusammen, vor einem farblich wechselnden Hintergrund. Merke: Vor bodenloser Schwärze muss sich hier niemand fürchten. Fauré hat eine kammermusikalische Totenmesse ohne den üblichen Schrecken komponiert, in Teilen fast schon luftig-leicht und beseelt von einem tiefen Frieden. Und so singt der Chor mal strahlend, beinahe majestätisch, mal melancholisch, mal mit verhaltener Freude. Wird Druck aufgebaut, wandelt dieser sich zu zarter Intonation. Alberto Gallo (Bariton) und María Martín Gonzales (Sopran) setzen starke, warme Akzente mit ihren Soli, ebenso Reinhold Heise an der Solo-Violine. Applaus gab's reichlich, natürlich auch für das aufmerksam begleitende Orchester. Auf jeden Fall ist diesem feinen, kleinen Abend mehr Publikum zu wünschen; bei der Premiere am Sonntag gab es bedauerliche Lücken im Parkett und auf den Rängen.

Weitere Informationen

Die nächsten Termine: 26. April, 4. Mai, 19.30 Uhr; 19. Mai, 18 Uhr; 1. Juni, 19.30 Uhr.


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