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Düsteres Gerichtsdrama
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Neu im Kino: „Der Fall Collini“

Cordula Dieckmann 16.04.2019 0 Kommentare

Franco Nero (vorn) als AngeklagterFabrizio Collini und Elyas M‘Barek als sein Anwalt Caspar Leinen in dem Drama „Der Fall Collini“ nach einem Buch von Ferdinand von Schirach.
Franco Nero (vorn) als Angeklagter Fabrizio Collini und Elyas M‘Barek als sein Anwalt Caspar Leinen in dem Drama „Der Fall Collini“ nach einem Buch von Ferdinand von Schirach. (Constantin Film Verleih/dpa)

Was treibt einen Menschen dazu, einen anderen zu töten? Eine Frage, die der Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach in den Mittelpunkt seines Romandebüts „Der Fall Collini“ gerückt hat. Die Antwort ist kompliziert und reicht zurück in die deutsche Vergangenheit. Nun ist die Geschichte verfilmt worden.

Regisseur Marco Kreuzpaintner („Trade“) inszeniert sie als düsteres Gerichtsdrama, das trotz ein paar Schwächen solide, gute Unterhaltung bietet. Franco Nero gibt den wortkargen Mörder. Elyas M‘Barek spielt den Rechtsanwalt Caspar Leinen, der den Mörder verteidigen soll. Der Star aus der „Fack ju Göhte“-Reihe beweist, dass er auch ernste Rollen jenseits von Zeki Müller spielen kann.

Abgeben oder weitermachen

Caspar Leinen hat seine Anwaltszulassung seit drei Monaten. Die Verteidigung von Fabrizio Collini ist seine erste große Chance. Ein Glücksfall – bis er erfährt, wer das Mordopfer ist. Es ist der reiche Unternehmer Hans Meyer (Manfred Zapatka), in dessen Familie Leinen früher wie ein Ziehsohn ein- und ausgegangen ist. Meyers Enkelin Johanna (Alexandra Maria Lara), seine einstige Jugendliebe, verlangt von Leinen, dass er den Fall abgibt. Der erfahrene Rechtsanwalt Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) rät ihm dagegen weiterzumachen.

Der junge Anwalt hält tatsächlich an dem Fall fest, der äußerst rätselhaft ist, zumal sein Mandant beharrlich schweigt. So recherchiert Leinen auf eigene Faust nach einer Verbindung zwischen Meyer und Collini und stößt dabei auf ein düsteres Kapitel deutscher Justizgeschichte.

Regisseur Kreuzpaintner versucht in seinem Film Authentizität zu vermitteln, was ihm im nüchternen Gerichtssaal gut gelingt. Gleichzeitig gibt es immer wieder Rückblenden in die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, ein Stilmittel, das in diesem Fall allerdings mitunter etwas plakativ wirkt. Immer wieder wird das Geschehen im Gerichtssaal unterbrochen; damit büßt das Drama stellenweise an Intensität ein. Auch die Beziehungen zwischen dem Angeklagten, dem Anwalt und der Enkelin des Ermordeten bleiben eher oberflächlich.

Elyas M‘Barek bereitete sich gründlich auf seine Rolle vor. Er traf sich mit Rechtsanwälten und besuchte mehrere Gerichtsverhandlungen. Zudem hatte er schon zuvor alle Bücher von Schirach gelesen, wie „Schuld“ oder „Terror“. „Ich liebe seine Bildsprache, das Nüchterne, Präzise. Ich finde die Geschichten unheimlich spannend“, so der Schauspieler.

Hoffen auf jüngeres Publikum

Im Roman stammt Caspar Leinen aus einer reichen Familie. Der Film zeigt ihn dagegen als Sohn aus einfachen Verhältnissen, der trotz bester Kontakte zur Industriellenfamilie nie recht dazugehört. „Ich fand den Wechsel gut, weil Caspar dadurch eine viel stärkere Figur wurde“, sagt M‘Barek. „Ihm wurde nichts in die Wiege gelegt, und er musste sich alles erarbeiten und erkämpfen. Das machte ihn zu einer viel ehrgeizigeren und unabhängigeren Figur.“ Der 36-Jährige spielt den kämpferischen Juristen glaubhaft, mit großer Ruhe und Souveränität. Sein Caspar ist verletzlich, aber auch selbstbewusst und hartnäckig. Wenn er sich entschließt, den Mörder seines Ziehvaters zu verteidigen, geht es ihm nicht um ein gutes Mandat. Er will sich von der Familie befreien, die ihn mit ihrer Gönnerhaftigkeit immer klein gehalten hat.

„Ich finde es auch gut, dass es diesem Moment gibt, in dem Johanna ihm sagt ‚Du stellst dich gegen unsere Familie. Du verrätst uns, obwohl du ohne uns nur Döner-Verkäufer geworden wärst‘“, kommentiert Elyas M‘Barek. „Und wie arrogant sie ihm gegenüber auftritt. Das ist der letzte Dolchstoß, dass er sich dann von der Familie löst.“ Es ist genau diese Arroganz, die M‘Barek lässig pariert – wohl auch aus eigener Erfahrung. Bekam der Österreicher als Sohn eines Tunesiers doch immer wieder auch einiges an Alltagsrassismus zu spüren, vor allem, bevor er zum Star wurde.

Dass Elyas M‘Barek dabei ist, sieht Kreuzpaintner als Glücksfall, nicht zuletzt, weil er hofft, ein jüngeres Publikum für den Film zu begeistern – bei Themen aus der deutschen Geschichte sonst nicht so einfach. „Es braucht so einen Schauspieler wie Elyas, damit so ein Film auch eine jugendliche Zielgruppe ins Kino zieht“, findet er. Zudem könne M‘Barek zeigen, was er schauspielerisch draufhabe. „Es wäre so schade, ihn auf Komödienstar zu reduzieren, dazu hat er einfach zu viel Potenzial und Bauchgefühl und Sensibilität.“


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