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Kommentar über die Literaturnobelpreise
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Nur teilweise mutig

Iris Hetscher 10.10.2019 0 Kommentare

Die polnische Autorin Olga Tokarczuk den Literatur-Nobelpreise rückwirkend für 2018.
Die polnische Autorin Olga Tokarczuk den Literatur-Nobelpreise rückwirkend für 2018. (Friso Gentsch/ dpa)

Nach den Skandalen, die die Schwedische Akademie in den vergangenen Monaten erschüttert haben, gab es am Donnerstag zumindest eine Nachricht, die als vorbehaltlos positiv gewertet werden kann. Beide frisch gekürte Nobelpreisträger für Literatur kommen zur Preisverleihung! Damit bleibt dem Komitee eine weitere Kerbe im heftig angekratzten Ruf erspart; Bob Dylan hatte es 2016 nicht für wichtig genug befunden, nach Stockholm zu reisen.

Nun soll alles möglichst zurück auf Anfang gestellt und das Noble der Auszeichnung wieder voll und ganz herausgestrichen werden. Für 2018 erhält rückwirkend die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk die Auszeichnung. Eine gute Wahl, nicht nur, weil sie erneut ein Schlaglicht auf die kraftvolle osteuropäische Literatur wirft. Olga Tokarczuk arbeitet in ihren Büchern immer wieder die dunklen Seiten der polnischen Geschichte heraus; aber sie verharrt nicht in der Poeten-Pose, sie mischt sich regelmäßig ins Tagesgeschehen ein. Die Verlogenheit, das Bigotte und die intolerante Stimmung in Polen geißelt sie furchtlos in Beiträgen für regierungskritische Medien.

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Leisetreterei kann man auch Peter Handke nicht vorwerfen. Er ist der Preisträger für 2019; damit ist der Akademie eine ihrer berüchtigten Überraschungen gelungen. Dass der 76-jährige österreichische Sprachkünstler als heißer Kandidat für den Nobelpreis im Gespräch war, ist schon lange her. Und bei aller Freude darüber, dass zehn Jahre nach Herta Müller wieder ein deutschsprachiger Autor geehrt wird, muss man auch konstatieren: Handkes literarische Bedeutung hat doch stark abgenommen. Er hat mehr Aufsehen erregt mit seinem unappetitlichen Engagement für den jugoslawischen Diktator Slobodan Milosevic, dem massive Menschenrechtsverletzungen während des Jugoslawienkrieg vorgeworfen wurden.

So wirkt die Ehrung Handkes fürs Lebenswerk wie ein müder Kompromiss: Wir sind jetzt mal mutig mit Olga Tocarczuk, und dann nehmen wir noch einen, dessen Werke seit Jahrzehnten Pflichtlektüre sind. Es ist schade, dass die Akademie sich gescheut hat, auch für 2019 jemanden auszuzeichnen, der funkelnde, die Verwerfungen der Gegenwart spiegelnde Literatur schreibt. An Kandidatinnen und Kandidaten mangelt es nicht.

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