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„Palmyra“ hält fest, was einmal war

Alexandra Knief 15.03.2017 0 Kommentare

Palmyra Essayfilm von Hans Puttnies
Kamelreiten und Souvenirs – viele Menschen lebten von den Touristen, die sich die Ruinen in Palmyra ansehen wollten. (Zentralpark)

Bremen. Das, was Hans Puttnies in seinem Film zeigt, gibt es heute nicht mehr. Da wo noch vor ein paar Jahren beeindruckende Ruinen standen, liegt heute nur noch Schutt und Asche. Das kulturelle Erbe der antiken syrischen Stadt Palmyra, darunter der Tempel des Baalschamin und einzigartige Grabtürme, ist 2015 in großen Teilen der islamistische Terrortruppe Daesch zum Opfer gefallen, die die historische Baumasse mit ihrer Symbolik und Anziehungskraft für den verhassten Westen bewusst zerstörten.

Als der Autor, Filmemacher und ehemalige Professor für Medienkultur Hans Puttnies die Ruinen 2008 für einen 14-tägigen Aufenthalt besuchte, gab es sie noch. In seinem Film „Palmyra“ verbindet er seine verwackelten Kameraaufnahmen von damals mit grausamen, in Palmyra gedrehten Daesch-Propagandavideos; erzählt die Geschichte der Ruinen und fasst zusammen, was man über sie weiß. Gleichzeitig erzählt er aber auch die Geschichte der Menschen, die scheinbar untrennbar mit den Ruinen verbunden waren. So schafft er ein beeindruckendes Zeitdokument, das festhält, was einmal war.

Die Menschen im Vordergrund

In acht Kapiteln beleuchtet er Palmyra, seine Geschichte, seine Gegenwart und seine Menschen von verschiedenen Seiten. Er schildert Eindrücke von der Wirkung des seit 1980 zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Ruinengeländes, wenn man es zum ersten Mal sieht, erklärt in Stein gemeißelte Bilder der Stadt, die viele Jahrhunderte überdauert haben und zum Teil bis heute Rätsel aufgeben. Er berichtet von Göttern und Legenden, die mit Palmyra in Verbindung stehen, und er erzählt von der Zeit, als es zunehmend Ausgrabungen in den Ruinen gab, alles haargenau erfasst und einzelne Relikte ins Museum – unter anderem in den Pariser Louvre – umgesiedelt wurden. Außerdem reflektiert er, welches Bild, welches Konstrukt der Westen aus Palmyra gemacht hat.

Den wohl beeindruckendsten Teil seines Filmes hebt Puttnies sich für den Schluss auf. Dann erst rückt er noch ein wenig weiter weg von den Steinen und hin zu den Menschen in Palmyra. Er zeigt Bilder von allen, die er vor Ort kennengelernt hat und filmt ein Gespräch mit dem 15-jährigen Andenkenverkäufer Mohamad. Dieser erzählt ihm, dass er Dinge an Touristen verkauft, seit er fünf Jahre alt ist, um seine Familie zu unterstützen. Dass er spart, um irgendwann im Ausland studieren zu können. Dass er sieben Sprachen spricht.

Die Ruinen im Herzen

Die Ruinen seien „in seinem Herzen“, sagte Mohamad 2008. Und er würde immer zu ihnen zurückkehren, früher oder später. Diese Ruinen gibt es allerdings nicht mehr. Genauso wenig wie die Touristen, die nach Palmyra kommen und Mohamad Ketten abkaufen. Dem heute 23-jährigen ist im vergangenen Jahr die Flucht nach Dänemark gelungen, und er steht bis heute mit Puttnies in Kontakt, so hieß es nach der Premiere des Films vor einigen Wochen in Frankfurt. Aber was ist mit den anderen Protagonisten?

Zwei Jahre hat Puttnies an seiner Dokumentation gearbeitet. Er produzierte den Film mit nur zwei weiteren Personen. Er selbst fotografierte, schrieb das Drehbuch, schnitt und kommentierte den Film, seine Frau Sigrid Brügel-Puttnies produzierte, und sein ehemaliger Student Daniel Kirschbaum half beim Schnitt und komponierte die Filmmusik. Der etwa 90 Minuten lange Essay-Film hat keinen Verleih. Hans Puttnies zieht selbst mit ihm von Kino zu Kino, um mit möglichst vielen Menschen nach dem Film ins Gespräch zu kommen.

Am Sonntag, 19. März, wird der Film um 12 Uhr in der Schauburg gezeigt. Regisseur Hans Puttnies wird anwesend sein und für Fragen zur Verfügung stehen.

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