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Poetry Slammer Nils Straatmann bei „Slam Bremen macht Theater“

Frieda Ahrens 11.10.2019 0 Kommentare

Fußballer, Theologe, vor allem aber Slammer: der gebürtige Bremer Nils Straatmann.
Fußballer, Theologe, vor allem aber Slammer: der gebürtige Bremer Nils Straatmann. (Pierre Jarawan)

In einem Zug zwischen Bremen Nord und Bremerhaven entdeckte Nils Straatmann seine Leidenschaft für das Schreiben. Er war auf dem Weg zum Fußball, spielte als Jugendlicher beim OSC Bremerhaven und pendelte von seinem Zuhause in Bremen-Nord zum Verein. Aus Langeweile auf der Fahrt fing er an, erste Texte zu verfassen. „Es war viel alberner Scheiß“, sagt er, dann lacht er. „Im Grunde ist es das heute auch noch, nur auf einem höheren Niveau und mit Haltung.“

Durch ein Plakat war er damals auf einen Poetry-Workshop aufmerksam geworden, an dem er teilnahm. Direkt im Anschluss gewann er einen Slam – sein Ticket zur U20-Poetry-Meisterschaft in Zürich. 2007 wird er im Fußball mit der Bremer Landesauswahl deutscher Meister. Ein Jahr später gewinnt er die U20-Poetry-Slam-Meisterschaften. Da ist er 19 Jahre alt.

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Aber passen Wortakrobatik und Fußball zusammen? „Bezüglich der Mentalität unterscheiden sich Slammer und Fußballer sehr“, gibt Straatmann zu. Obwohl auch die Poetry Slams Wettbewerbe sind, sei der Leistungsdruck beim Fußball viel größer. Die Bühne mache die Vortragenden selbstsicher, Fußballer hingegen seien insgeheim oft unsicher. Beim Slammen gehe es viel weniger um das Gewinnen als beim Fußball – im Grunde diene der Wettkampf beim Slammen nur der Unterhaltung des Publikums. „Am Ende gibt’s meistens eine Flasche Schnaps – die teilt man sich Backstage.“

Er habe beim Fußball immer den größeren Ehrgeiz gehabt. Poetry Slammer geworden ist er trotzdem, dafür sei sein Talent einfach größer. Nach der gewonnenen Fußball-Meisterschaft habe er gemerkt, dass seine Teamkollegen merklich stärker waren als er. Unter anderem Phillip Bargfrede, inzwischen Werder-Spieler.

Stadionsprecher beim RB Leipzig

Heute wohnt Nils Straatmann in Leipzig, ist verheiratet und hat einen Sohn. Ein bisschen Fußball hat trotz der Slam-Karriere noch Platz in seinem Leben: Seit fünf Jahren ist er Stadionsprecher beim RB Leipzig. Seinem Lieblingsverein Werder ist er aber treu geblieben. „Gerade mit dem Wegzug bin ich noch mal stärker Werder-Fan geworden, weil es ein Stück Heimat ist, das man mitnehmen kann.“ Für den RB Leipzig sei er nur, wenn Werder gerade nicht spiele.

In Leipzig studiert Straatmann Theologie. Die Werte der Kirche, wie Nächstenliebe und Feindesliebe, fand er schon immer gut, doch an der Umsetzung haperte es an in seinen Augen. Für ihn blieb also nur die ultimative Entscheidung: Austritt aus der Kirche oder aber ein Studium, um das Ganze besser zu verstehen. Er entschied sich für Letzteres.

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Poeten und Theologen – wieder so ein Gegensatz. Oder? „Beide sind eigentlich sehr offen allen möglichen Dingen gegenüber. Geschichte, Politik und die verschiedenen Religionen; in der Theologie kriegt man eine breite Allgemeinbildung mit“, sagt Straatmann. Theologe zu werden, war aber immer nur Plan B. Und mittlerweile läuft es mit Plan A – Poetry Slammer – so gut, dass er davon auch Frau und Kind ernähren könnte.

Straatmann hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, für eines von ihnen wanderte er mit einem Freund durch Israel und Palästina. „Angenehm ist die Unvoreingenommenheit, mit der Straatmann einem dieses Land erschließt, das mit all seinen Brüchen so schwer zu verstehen ist“, lobte die „Süddeutsche Zeitung“; die „Hannoversche Allgemeine“ nennt Straatmann einen „präzisen Beobachter“.

Texte haben sich verändert

Unter dem Künstlernamen Bleu Broode ist er inzwischen einer der bekanntesten Poeten der deutschen Slammer-Szene. Ihm gefalle das Leben sehr, das er gerade führe, sagt Straatmann. Natürlich haben sich seine Texte in den vergangenen zehn Jahren verändert. Sie seien ernster geworden, handeln seltener von Studenten-Kater-Party-Situationen. „Das entspricht einfach nicht mehr ganz meiner Lebenswelt.“ Und Slam-Texte müssten schließlich immer authentisch sein.

Die Frage, ob ihm Bücher oder kurze Poetry-Slam-Texte mehr liegen, kann er nicht beantworten. Bei Büchern könne man ein Thema besser vertiefen, aber es gebe auch tiefsinnige Poetry-Texte. In „Was ich dir mitgebe“, einem Stück für seinen Sohn, schafft er es auch in wenigen Zeilen, Emotionen zu verdichten: „Hier hast du ein Zuhause / das hab ich selber mal bekommen / du musst nicht immer da sein / aber kannst immer wieder kommen.“

Auch wenn er in Leipzig wohnt, sein Zuhause bleibt Bremen-Nord. Er sagt, er vermisse das Bremer Wetter, der Leipziger Sommer sei zu warm. „Bremen-Nord“, findet er, „wird unterschätzt, auch von den Bremen-Nordern.“ Im November veranstaltet er den ersten Poetry Slam im Vegesacker Kito, Titel: „Best of Poetry Slam“. Straatmann hofft, dass daraus eine Reihe entsteht.

Dafür lädt er bekannte Slammerinnen und Slammer aus Deutschland ein, es soll aber auch immer mindestens einer aus Bremen dabei sein. Langfristig möchte er Schulklassen einladen, die davor oder danach an kreativen Schreib-Workshops  teilnehmen. Eine Kombination aus Theorie und Praxis. Straatmanns Ziel ist, dass mehr Menschen aus der Stadt zu den Kulturangeboten in Bremen-Nord kommen.

Aber zuerst kommt Nils Straatmann jetzt einmal in die Innenstadt. Unter dem Motto „Slam Bremen macht Theater“ findet am Sonnabend die dritte große Zusammenkunft der großen Bremer Poetry Slams statt – diesmal mit Unterstützung aus Hannover. Und wer weiß, vielleicht entsteht auf der Zugfahrt nach Bremen noch der ein oder andere neue Text. Beim Pendeln hat schließlich alles angefangen.

Weitere Informationen

„Slam Bremen macht Theater“, Theater am Goetheplatz, Samstag, 12. Oktober, 20 Uhr. „Best of Slam“, 6. November, Kito, 20 Uhr.


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