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Renée Sintenis: Endlich selbstbewusst

Iris Hetscher 03.05.2019 0 Kommentare

Renée Sintenis:
Renée Sintenis: "Fußballspieler", entstanden im Jahr 1927. (VG BILD-KUNST, BONN)

Als das kleine, aber feine Berliner Georg-Kolbe-Museum im vergangenen Jahr die Schau „Alfred Flechtheim, Kunsthändler der Moderne“ zeigte, waren ihre Werke auf einmal wieder sehr präsent. Renée Sintenis, 1888 im schlesischen Glatz geboren und 1965 in Berlin gestorben, war eine Meisterin der kleinen Figur. Und sie war eine der ersten Bildhauerinnen, die durch Selbstbewusstsein auffiel und auch kommerziell Erfolg hatte. Der Düsseldorfer Kunsthändler Alfred Flechtheim vertrat ihre Interessen, sammelte ihre Skulpturen und unterstützte sie durch Publikationen in seinem Magazin „Querschnitt“.

Renée (eigentlich Renate Alice) Sintenis wuchs in Neuruppin auf, 1905 zog die Familie nach Berlin, die Tochter erhielt früh Zeichenunterricht und bildete sich später in dekorativer Plastik an der „Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums“ weiter. Das klingt nach verständnisvollen Eltern in einer Zeit, in der es für junge Frauen eher ungewöhnlich war, sich solch einer Profession zu verschreiben. So harmonisch ging es dann aber doch nicht zu im Hause Sintenis. Nach einigen Semestern musste Renate Alice aufhören: Sie sollte Sekretariatsarbeiten für ihren Vater, der am Kammergericht arbeitete, erledigen. Sie bricht mit der Familie, nennt sich Renée, tut sich mit dem Bildhauer Georg Kolbe zusammen, dem sie zunächst Modell steht.

Klein, aber fein

Das reicht ihr bald nicht mehr. 1913 nimmt sie an der Berliner Herbstausstellung teil, ab 1915 entstehen die für sie typischen kleinen Figuren. Groß und voluminös wollte Renée Sintenis nie denken und arbeiten. Mit diesem Anspruch besetzte sie gleichzeitig eine Marktnische, vor allem mit ihren Tierfiguren, von denen es mehr als 100 gibt. Aber auch die dynamisch wirkenden Sportlerporträts sollten typisch für sie werden.

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Die 1920er-Jahre wurden zu ihrem Jahrzehnt: Sie stellte nicht nur in Deutschland, sondern international aus, und sie verkörperte mit ihrem androgynen Äußeren, ihrer Vorliebe für Sportwagen und ihrem Faible für Mode den Typus der Frau, die sich endlich mehr trauen durfte und das auch tat. Dabei wurde Sintenis immer wieder auch selbst zum Modell der noch jungen Kunst Fotografie.

In der Zeit des Nationalsozialismus mussten Renée Sintenis und ihr Ehemann, der Maler Emil Rudolf Weiß, sich zurückziehen. Sintenis wegen einer jüdischen Großmutter, Weiß wegen seiner oppositionellen Haltung gegenüber dem Regime. Es gab zwar kein Ausstellungsverbot, finanziell ging es dem Ehepaar trotzdem eher schlecht. In den 1950er-Jahren konnte Renée Sintenis dann ein Comeback feiern. Eine ihrer bekanntesten Plastiken ist der Berliner Bär – der unter anderem als Preis der Berlinale vergeben wird.

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