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Sonntagskolumne „Müßiggang“
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Schnorcheln, Spätherbst, Spaziergangswissenschaft

Hendrik Werner 01.02.2019 0 Kommentare

Aus der Astronautenperspektive: Das Great Barrier Reef, weltgrößtes Korallenriff, grenzt an jene idyllische Inselwelt, in der vor zehn Jahren plötzlich und unerwartet ein Traumjob vakant war. Daran erinnert Chefreporter Hendrik Werner in einer neuen
Aus der Astronautenperspektive: Das Great Barrier Reef, weltgrößtes Korallenriff, grenzt an jene idyllische Inselwelt, in der vor zehn Jahren plötzlich und unerwartet ein Traumjob vakant war. Daran erinnert Chefreporter Hendrik Werner in einer neuen Folge seiner immer wieder sonntags erscheinenden Kolumne. (NASA)

Traumjobs sind rar. Unvergesslich bleibt dem Müßiggänger deshalb ein Angebot des Tourismusamtes Queensland (Australien), das im Jahr 2009 einen Ranger für die idyllischen Whitsunday Islands (am Great Barrier Reef) suchte. Die Konditionen für die auf ein halbes Jahr befristete Stelle: Hin- und Rückreisekosten inbegriffen, zwölf Arbeitsstunden in der Woche, Salär umgerechnet 12.000 (!) Euro pro Monat, Villenunterkunft mit Pool in einer Traumbucht auf Hamilton Island. Das Tätigkeitsfeld? Vergleichsweise überschaubar: Segeln, Schnorcheln, Sonnenbäder sowie – jetzt kommt das Häkchen für sekundäre Analphabeten – das Führen eines Internetblogs, um für das Reiseziel zu werben.    

Mehr als 34.000 Bewerbungen gingen den Touristikern damals zu. Den Zuschlag erhielt nach eingängiger Prüfung ein britischer Sozialarbeiter, zu dessen Schlüsselqualifikationen Sporttauchen und Bungeespringen zählen. Nicht zu vergessen eine frühere Tätigkeit als Fremdenführer sowie ein Bewerbungsvideo, das den seligen Gewinner der Ausschreibung, Ben Southall, bei einem delikaten Dreikampf zeigt: Marathonlauf, Straußenreiten, Giraffenküssen. Ach, welch legerer Lebenslauf; was für ein verdienter Glückspilz!

Also: Augen auf bei der Berufswahl! Nun ist es ja beileibe nicht so, dass der Müßiggänger über keinen Traumjob gebieten würde. Seit seiner Schulzeit, in der er sich mangels sportlicher Begabung als intellektueller Klassenclown zu verdingen begann, spaßt er sich leidlich erfolgreich durch. Heißt Magister, heißt Doktor gar – und kennt jeden dritten Dramatiker mit zweitem Vornamen. Doch das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten. Folglich kann unser Mann nicht verhehlen, dass es ihn mittelfristig, mithin im Spätherbst seines Lebens, reizen würde, mal etwas Neues auszuprobieren. Gern befristet. Aber bitte nicht in einem subtropischen Archipel mit handelsüblichem Wildgetier!

Stärker beseelt den Müßiggänger die verlockende Vorstellung, Brotberuf und Berufung idealtypisch zu versöhnen. Umso mehr berührte ihn unlängst der wohlmeinende Hinweis eines Lesers, dass die Kunsthochschule Kassel über einen Lehrstuhl für Spaziergangswissenschaft gebietet (darüber nächstens mehr). Professor für Promenadologie; welch charismatische Karriere das wäre! „Du wirst deinen Weg schon gehen“, sagt meine Oma.


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