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„Unsere große kleine Farm“: bildgewaltig und spannend

Iris Hetscher 10.07.2019 0 Kommentare

Die Sau Emma und der Hahn Mr. Greasy leben auf der Apricot Lane-Farm in trauter Eintracht in einer WG.
Die Sau Emma und der Hahn Mr. Greasy leben auf der Apricot Lane-Farm in trauter Eintracht in einer WG. (Prokino)

Es ist Todd, dem die Chesters alles zu verdanken haben. Der schwarze Mischlingsrüde ist jeden Tag lange allein, damals, als Molly und John in Los Angeles wohnen, in einer winzigen Wohnung. Todd bellt, immer wenn die beiden das Haus verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Manchmal kläfft er acht Stunden ohne Pause, auf dem Anrufbeantworter häufen sich die Botschaften genervter Nachbarn, der Vermieter schickt schließlich ein Ultimatum. Entweder der Hund verschwindet oder die Chesters müssen ausziehen.

Rückblickend ist das ein Glück. Denn das Ehepaar – er preisgekrönter Tierfilm-Kameramann, sie Köchin und Foodbloggerin – entschließt sich kurzerhand, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Sie kaufen eine Farm in Kalifornien, 65 Kilometer nördlich von L.A., 80 Hektar groß, die Adresse klingt verheißungsvoll: Apricot Lane (Aprikosenstraße). Leider ist der Boden durch jahrelange Monokultur-Landwirtschaft ausgelaugt, das Wasserreservoir ausgetrocknet, die Bienen in den Stöcken sind tot. Doch die Chesters sind von einem ansteckenden und geradezu umwerfenden Optimismus. Sie packen's an.

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Wie die beiden aus dem Ödland seit 2011 ein kleines Paradies geschaffen haben und wie sie ihr Projekt bis heute am Laufen halten, davon erzählt der sehr bildstarke und ungemein warmherzige Dokumentarfilm „Unsere große kleine Farm“. John Chester zeichnet selbst als Regisseur, Produzent und natürlich auch als Kameramann verantwortlich, und er ist nah dran an allen Ereignissen, sei das nun die Geburt eines Kalbs oder der Flug eines Marienkäfers in Zeitlupe. Außerdem hat er dem Film eine Dramaturgie verpasst, die ihn mitunter so spannend wie einen Krimi macht.

Gleich der Beginn verheißt Tragik: Eine Feuerwand nähert sich der Apricot Lane-Farm, Molly packt das Nötigste, die Tiere werden aus den Ställen getrieben. Wird es den Chesters so ergehen wie ihren Nachbarn, deren Farmen den Flammen bereits zum Opfer gefallen sind? John Chester lässt das in der Schwebe. Zunächst einmal erzählt er vom Roden und Pflanzen, davon, wie Entenküken per Post geliefert werden und von der Sau Emma, die in ihrem ersten Wurf 17 Ferkel zur Welt bringt. Und er erzählt von Alan, der die Chesters lehrt, wie man biodynamisch, also im Einklang mit der Natur, Landwirtschaft betreibt.

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Das Zauberwort für den Öko-Papst lautet Diversität, also Vielfalt. Die Chesters pflanzen also gemeinsam mit den vielen jungen Freiwilligen, die ihnen bei ihrem Projekt helfen, 75 unterschiedliche Steinobstsorten an. Auf ihrer Farm tummeln sich Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner, Enten, Perlhühner, Pferde, Hochlandrinder und eine Milchkuh. Das Team repariert Wasserleitungen, baut eine Kompostierungsanlage. Alles wächst und gedeiht, Chester zeigt satte Wiesen, pralle Nektarinen, selbstredend niedliche Ferkel und Lämmer. Ein Paradies.

Doch es gibt auch Schnecken. Und Kojoten. Und Erdhörnchen. Der Zuschauer, der sich gerade noch mit den Chesters gefreut hat, ahnt, dass er ähnlich wie das Ehepaar zu naiv gewesen ist. Auch die Rück- und Tiefschläge hat John Chester dokumentiert, die Zweifel an der einen Lehre ihres (mittlerweile verstorbenen) Mentors. Die führen letztendlich zu Lerneffekten. Auch zu dem, dass Alan auf lange Sicht gesehen völlig recht hatte. Inzwischen ist die Apricot Lane-Farm ein Vorzeigehof, die Chesters führen staunende Touristen aus aller Welt herum. Von dem Feuer sind sie übrigens verschont geblieben. Der Wind hatte rechtzeitig gedreht.


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