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„Vice - der zweite Mann“ ist eine grandiose Satire

Iris Hetscher 20.02.2019 0 Kommentare

Der eine lenkt, der andere tut nur so: Christian Bale als Dick Cheney (links) und Sam Rockwell als George W. Bush in
Der eine lenkt, der andere tut nur so: Christian Bale als Dick Cheney (links) und Sam Rockwell als George W. Bush in "Vice". (Kennedy/dpa)

Filme, die sich auf reale Lebensläufe stützen, mussten sich von jeher vor allem einen Vorwurf anhören: So ist es ja in Wahrheit gar nicht gewesen! Nun steht dieser Vorwurf zwar stets im Raum, aber einsam und allein. Denn sogenannte Biopics sind fiktionale Werke und keine Dokumentationen, die sich ausschließlich auf Fakten stützen. Auch in der Literatur gibt es diese Dispute, hier muss sich mitunter der Roman dagegen verteidigen, als Biografie bewertet zu werden.

Doch die Reflexe funktionieren. Ob das mit den Herzattacken wirklich so gewesen sei, und ob Dick Cheney tatsächlich beim Zähneputzen über eine mögliche Kandidatur als Vize für George W. Bush mit seiner Frau Lynne gestritten habe, lauteten die Fragen, kaum, dass Adam McKays Film „Vice – der zweite Mann“ in den USA angelaufen war. McKay hatte das geahnt und im Vorspann eine freche Anmerkung platziert: Cheney sei ja als Geheimniskrämer bekannt, aber man habe sehr ausdauernd recherchiert, und „we did our fucking best“ – wir haben uns echt Mühe gegeben.

Dieser Satz bereitet den Boden für einen Film, der modernes Shakespeare-Drama und glänzende Satire ist, mal episch ausholt, mal Kammerspielqualitäten hat. Adam McKay zeichnet das Bild eines erzkonservativen Mannes, der von der zweiten Reihe aus nicht nur die Strippen zieht, sondern diese vorher auch selbst aussucht und aufhängt. Christian Bale, der sich für die Hauptrolle im Film „The Machinist“ einst 30 Kilo runter hungerte, hat sich dieses Mal sehr viele Pfunde angefressen. Er verleiht Cheney die Aura zunehmend gnadenloser Zielstrebigkeit, die schließlich zu der Hybris führte, den für die Öl- und Rüstungsindustrie lukrativen Einmarsch im Irak mit konstruierten Lügen zu rechtfertigen.

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Freundin Lynne bringt Cheney zurück in die Spur

McKays Film setzt 1963 ein, da ist der junge Cheney noch ein notorischer Rauf- und Trunkenbold, die Elite-Uni Yale hat ihn deswegen rausgeworfen, und seine Freundin Lynne (Amy Adams) droht, ihn zu verlassen. Sie ist die Schlaue und Ehrgeizige, die den mittelmäßig begabten Dick in die Spur bringt, weil Frauen in den 1960ern eine Karriere in der Politik verwehrt war. Lynne bleibt also zu Hause bei den Töchtern Lizzie und Mary, wir schreiben die Ära Nixon.

Dick lernt derweil als Mitarbeiter von Donald Rumsfeld, den Steve Carell als menschlichen Haifisch gibt, dass Politik nichts mit Moral zu tun hat. Und dass es besser ist, sich im Hintergrund zu halten und beizeiten loszuschlagen, statt sich zu stark zu exponieren. Als Stabschef unter Gerald Ford, als einflussreicher Abgeordneter in den 80ern und als Verteidigungsminister unter George Bush senior kultiviert er diese Haltung, bis er sich schließlich aus der Politik zurückzieht. Seine Tochter Mary (Alison Pill) lebt offen lesbisch; das ist mehr als hinderlich für die Ambitionen auf die Präsidentschaft. Als der naive George W. Bush, den Sam Rockwell als Gecken gibt, ihn drängt, sein Vize zu werden, ergreift Cheney die Chance und installiert sich als eigentlichen Herrn im Weißen Haus.

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McKay erzählt diese Geschichte mit hohem Tempo, ungewöhnlichen Kameraeinstellungen (Greig Fraser) und einer frischen Schnitttechnik, die oft andeutet statt auszuerzählen. Da er die Groteske liebt, streut er Verfremdungseffekte ein: einen Erzähler, dessen Beziehung zu Cheney spät aufgelöst wird, Bilder kämpfender Tiere oder von Raubfischen – Cheney ist passionierter Fliegenfischer. An einer Stelle sprechen Lynne und Dick statt Prosa Verse, als lausche man dem Ehepaar Macbeth. Auch über einen Abspann mitten im Film sollte man sich nicht wundern; danach geht es erst richtig los. Auch bei dem echten Abspann ist übrigens Vorsicht geboten: Es wartet ein finaler Gag.


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