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Vom Forensikstar bis zur Banditenkönigin

Alexandra Knief 09.06.2018 0 Kommentare

Die französische Zeichnerin Pénélope Bagieu hat 15 spannenden weiblichen Persönlichkeiten ein gezeichnetes Gesicht gegeben.
Die französische Zeichnerin Pénélope Bagieu hat insgesamt 15 spannenden weiblichen Persönlichkeiten ein gezeichnetes Gesicht gegeben. (Reprodukt)

Schon als Kind ist Temple Grandin anders. Sie spricht lange nicht, macht Sachen kaputt und lässt sich nicht gerne in den Arm nehmen. Sie ist Autistin, doch Autismus ist in den späten 1940er- und frühen 50er-Jahren, als Grandin klein war, noch nicht gut erforscht. Es dauert, bis sie ihren Platz in der Welt findet, an ihren Schulen hat sie Probleme, nicht nur mit den anderen Kindern.

Erst ein Besuch auf der Ranch ihrer Tante in Arizona bringt Klarheit: Grandin kann sich viel besser in Tiere hineinversetzen als in Menschen. Das Forschen zum Thema Nutztiere macht ihr Spaß. Heute ist sie 70 Jahre alt und die führende US-amerikanische Spezialistin für den Entwurf von Anlagen für die kommerzielle Viehhaltung.

Grandin ist eine von 15 außergewöhnlichen Frauen, deren Lebensgeschichte die Französin Pénélope Bagieu mit viel Witz, Charme und Anerkennung in kurzen Comics in ihrem Band "Unerschrocken 2" vorstellt. Sie alle haben in ihrem Leben etwas getan, was auffällt, was aus der Reihe tanzt, und was es wert ist, erzählt zu werden. Wie der Titel verrät, ist es bereits der zweite Band der "Unerschrocken"-Reihe, schon 2017 stellte sie die Lebensgeschichten spannender Frauen grafisch dar.

Auffallend anders

Die Porträts in ihrem zweiten Band sind mal amüsant, mal unfassbar, aber immer lehrreich, denn all die dargestellten Frauen gibt oder gab es wirklich. Viele von ihnen, zum Beispiel die Sängerin und Songwriterin Betty Davis oder die Kunstsammlerin Peggy Guggenheim sind bekannt. Andere Persönlichkeiten blieben der großen Masse bisher eher verborgen, obwohl ihre Geschichten mehr als einzigartig und ihre Leistungen wegweisend waren.

Die 2016 verstorbene Thérèse Clerc zum Beispiel hat sich von einer braven Hausfrau zu einer starken, politisch aktiven Frau entwickelt und unter anderem für die Entkriminalisierung von Abtreibungen gekämpft. Später eröffnete sie gemeinsam mit anderen Frauen das erste "Anti-Altersheim", in dem Frauen selbstbestimmt leben und sich gegenseitig helfen können.

Frances Glessner Lee (1878-1962), Fanny genannt, wird mit einer Tätigkeitsbeschreibung vorgestellt, die erst einmal klingt wie ausgedacht: Puppenstubenforensikerin. Anstatt zur Schule zu gehen, lernte sie als junges Mädchen nähen und bastelte Puppenstuben. Das sollte ihr später noch nützlich sein. Ihr Bruder studierte Medizin, sie durfte nicht, sie war schließlich ein Mädchen. 

Fotostrecke: Tag der Schatten - Folge 19

Wenn George, angehender Gerichtsmediziner und Freund ihres Bruders, zu Besuch war, hörte sie aufmerksam zu. Er erzählte von den schweren Arbeitsbedingungen an Tatorten, da Polizisten keinerlei forensische Ausbildung hatten und die Spurensicherung erschwerten. Fanny ist fasziniert von dem Thema und als sie nach dem Tod ihrer Eltern und ihres Bruders einige Millionen erbt, beschließt sie, das Geld in die Erneuerung der Gerichtsmedizin im Land zu stecken und einen entsprechenden Studiengang in Harvard zu schaffen.

Sie gibt dort später selbst Seminare, in denen sie Medizinern und Polizisten beibringt, einen Tatort richtig zu lesen. Um ihre Schüler besser auf echte Tatorte vorzubereiten baut sie akribisch genaue Tatort-Miniaturmodelle anhand von Polizeiberichten. Später wird sie als erste Frau zur Polizeichefin von New Hampshire ernannt.

Vorbild für "Mord ist ihr Hobby"

Und auch nach ihrem Tod wurde ihr ein Denkmal gesetzt: Sie war das Vorbild für Jessica Fletcher in der Fernsehserie "Mord ist ihr Hobby". Auch die Vulkanologin Katia Krafft (1942-1991) war nicht wie andere Frauen. Als Teenager nahm sie nachts an Motorradwettbewerben teil, und ihre Flitterwochen verbrachte sie damit, Vulkanschlackeproben zu sammeln. Eine Rapperin, eine Anwältin, eine Banditenkönigin und eine Erfinderin. Sie alle und weitere beeindruckende Damen finden ihren Platz in Bagieus überaus lesens- und betrachtungswerten Buch.


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