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Serie „Hammerfrauen“: Teil 3
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Von Bambis und Bären

Alexandra Knief 17.05.2019 0 Kommentare

Else  Bach, Bambi, 1936, Majolika, Stadtmuseum Karlsruhe
Else  Bach, Bambi, 1936, Majolika, Stadtmuseum Karlsruhe (GERHARD-MARCKS-HAUS)

Große Denkmäler? Monumentale Bronzen? Das ist Männersache! Darüber war man(n) sich in der westeuropäischen Bildhauerszene lange Zeit einig. Wachs oder auch weicher Ton hingegen wurden in der Zeit von 1750 bis 1850 als akzeptabel für Frauen betrachtet, schon alleine, weil dieses Material „keiner großen physischen Kraft bedarf (...) und weder Staub noch Lärm“ macht, wie es Marjan Sterckx in ihrem Aufsatz „Sisyphus‘ Töchter“ auf den Punkt bringt. Dass die Künstlerin Katharina Felder (1816-1848) bereits mit Anfang 30 starb, brachte man sogar damit in Verbindung, dass sie zu viel harte Arbeit mit Stein verrichtete.

Immer, wenn eine Frau trotz aller Hürden Kunstwerke aus großen Marmorblöcken schlug, waren alle ganz erstaunt. Oder die Frauen sahen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie in Wirklichkeit gar nicht der Autor seien oder andere die schwere Arbeit für sich hatten machen lassen. Dies beschreibt nur einige Vorurteile und Rollenklischees, denen Bildhauerinnen viele Jahre lang ausgesetzt waren. Kritiker streuten mit abwertenden Kommentaren gegenüber weiblicher Bildhauerei nicht selten noch weiteres Salz in bereits weit offene Wunden.

Gerade in Deutschland ist die Emanzipationsgeschichte von Bildhauerinnen eine langsame. Hier durften Frauen lange keine – für die Bildhauerkunst mehr als wichtigen – Aktkurse mit männlichen Modellen besuchen, sie wurden auch erst ab 1919 an Akademien und Kunsthochschulen zugelassen – zu einer Zeit, in der sich gerade die Erkenntnis durchsetzte, dass man für Kunst eigentlich gar nicht unbedingt eine akademische Ausbildung brauchte. Bis dahin blieb vielen Frauen nichts anderes übrig, als sich an Kunstgewerbeschulen (ab 1909) oder privaten Schulen weiterzubilden. Doch trotz aller Hindernisse gab es immer Frauen, die allen Widerständen trotzten. Dies verdeutlicht auch die Ausstellung „Bildhauerinnen“ die aktuell im Gerhard-Marcks-Haus und den Museen Böttcherstraße zu sehen ist. Einige machten einfach ihr Ding und pfiffen auf Konventionen. Um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, suchten sich viele Bildhauerinnen aber auch bewusst Nischenthemen, die sie mit ihrer Kunst besetzen konnten. Ging es um Akte, konzentrierten viele sich auf Frauen und Kinder – denn im Gegensatz zu männlichen Akten galten diese für Frauen nicht als unschicklich. Auch mit Porträts bekannter Männer waren einige Künstlerinnen erfolgreich, da der Gezeigte im Mittelpunkt stand und weniger dessen Erschaffer. Ein gutes Beispiel hierfür ist die „Büste Otto von Bismarck“ (1895/96) der Bildhauerin Elisabeth Ney.

Tierplastik als Nische

Ein weiteres Thema, mit dem viele Bildhauerinnen auf dem Markt Fuß fassten, ist die Tierplastik. Eine der wohl bekanntesten Tierplastiken Deutschlands stammt von Else Bach (1899-1951): Ihr „Bambi“ aus Majolika von 1936. Bach war Autodidaktin und begann ihre Karriere als Malerin. Sie teilte sich ein Atelier mit dem Bildhauer Emil Salm in Pforzheim und unternahm diverse Studienreisen ins In- und Ausland, auf denen sie vor allem Wildtiere studierte, nach deren Bild sie später kleine Keramik- und Bronzefiguren formte. Von 1935 bis 1938 absolvierte sie eine künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Pforzheim. Ab dieser Zeit fertigte Bach viele Tierfiguren und Gartenkeramiken im Auftrag der Staatlichen Majolika-Manufaktur Karlsruhe. Insgesamt machten Tierfiguren den Großteil ihres Werkes aus. Erst in ihrem späteren Schaffen widmete sie sich zunehmend auch menschlichen Figuren. 1937 war Bach in Paris auf der Weltausstellung vertreten, wo sie den Grand Prix für eine Fohlengruppe aus Bronze erhielt, die später auch noch aus Terrakotta gefertigt wurde.

Doch zurück zum „Bambi“. Bekannt ist das kleine Tierchen den meisten Menschen wohl im Zusammenhang mit einem der bekanntesten deutschen Medienpreise, dem es gleichzeitig auch seinen Namen gibt. Der Karlsruher Verleger Karl Fritz beschloss 1948, dass Bachs Tierfigur die ideale Verkörperung des Publikumspreises für die beliebtesten Filmdarsteller sei. Die erste Preisträgerin war die deutsch-österreichische Schauspielerin Marika Rökk. Das kleine Reh, das ihr überreicht wurde, war damals allerdings noch namenlos. Zu seinem Namen kam es durch Rökks vierjährige Tochter Gaby – ein großer Walt Disney-Fan – die beim Anblick der Statue laut ausrief: „Das sieht ja aus wie Bambi!“ Der gleichnamige Zeichentrickfilm war einige Jahre zuvor in den Kinos zu sehen gewesen. Das Bambi wurde im Laufe der Jahre leicht umgestaltet, aus Bachs ursprünglicher weißer Keramik wurde vergoldete Bronze.

Bachs „Bambi“ ist nicht der einzige bekannte Preis, dessen Vorlage aus Frauenhand stammt. Auch der „Berliner Bär“ (1956) ist in der Bremer Ausstellung vertreten, teilt sich sogar mit dem Bambi eine Glasvitrine in der Böttcherstraße. Er stammt von einer der bekannteren Bildhauerinnen überhaupt: Renée Sintenis.


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