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Schiller-Konzert in der ÖVB-Arena
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Weltreisender in Sachen Musik

Martin Märtens 20.05.2019 0 Kommentare

An Bremen liebt Christopher von Deylen die Ruhe – wie hier an der Schlachte.
An Bremen liebt Christopher von Deylen die Ruhe – wie hier an der Schlachte. (MARCO MEISTER)

Zwei Koffer. Viel mehr braucht Christopher von Deylen nicht zum Leben. Vor ein paar Jahren gab der Elektro-Musikkünstler seine Wohnung auf und ist seitdem eigentlich ständig unterwegs. Das Reisen als Ziel sozusagen, als Inspiration für seine spährisch gewebten Klangteppiche. Der Ausgangspunkt seiner musikalischen Reise liegt in der Lüneburger Heide.

„Als Kind bin ich mit meinen Großeltern immer zum Freimarkt gefahren. Das war fantastisch. Dieses Zusammenspiel von Musik und Licht bei den Fahrgeschäften faszinierte mich schon damals“, sagt von Deylen. Heute feiert sein Projekt Schiller, benannt nach dem deutschen Dichter, 20-jähriges Jubiläum. Licht und Sound spielen dabei noch immer die entscheidende Rolle.

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Aufgewachsen ist er in einer Kleinstadt zwischen Hannover, Hamburg und Bremen. Als er sechs Jahre alt ist, schenkt sein Großvater ihm ein Klavier. Seine Eltern engagieren einen Klavierlehrer, von Deylen fühlt sich dadurch aber schnell eingeengt. Erst als ihm ein Freund eine Kassette von Tangerine Dream schenkt, einer der deutschen Pionierbands im Bereich elektronischer Musik, entflammt das Feuer in ihm. „Ich musste meinen ersten Synthesizer haben. Ich wollte unbedingt solch einen Sound machen und bin dafür damals in den Ferien arbeiten gegangen. Anschließend habe ich mir mein erstes kleines Studio eingerichtet.“

Die ersten Werke entstanden in der Lüneburger Heide; zunächst ist alles nur ein Hobby, eine Leidenschaft, von Deylen verschwendet keinen Gedanken daran, jemals damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei empfand er es auch nie als Nachteil, in einer Kleinstadt aufgewachsen zu sein.

Musikexperimente

Im Gegenteil, er glaubt, dass es eher ein großer Vorteil gewesen sei. „Es gab relativ wenige Möglichkeiten zur Zerstreuung, so dass man sich seine Erlebnisse selbst schaffen musste. Man kann das langweilig finden und in die Stadt flüchten. Aber auf der anderen Seite bietet das auch eine Chance, etwas mit seiner Zeit anzufangen und etwas zu erschaffen. Ich habe es eher als positiv empfunden, so wahnsinnig viel Zeit für mich zu haben.“

Fortan experimentiert der heute 48-Jährige viel mit Musik, bevor er 1998 das Projekt Schiller gründet. Mit der Single „Das Glockenspiel“ gelingt ein erster großer Hit, der weltweit in den Clubs rauf und runter gespielt wird. Das Album „Weltreise“ hält sich 2002 vier Wochen auf Platz eins der Albumcharts. Schiller ist ein Star der Szene, der selbst gar nicht so gerne im Rampenlicht steht.

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„Ich fand Menschen, die sich auf der Bühne als Musiker dargestellt haben, eher unsympathisch. Ich wollte lieber in meinem Klanglabor und für mich sein.“ Die ersten Erfolge bringen ihm schnell großes Renommee, andere Künstler – Peter Heppner, Mike Oldfield, Thomas D, Sarah Brightman, Isgaard Marke, Lang Lang und Midge Ure, um nur einige zu nennen – möchten mit ihm zusammenarbeiten. Gut für von Deylen, der auf diese Weise auch immer irgendwie im Hintergrund bleiben kann.

Es folgen Tourneen, die zugleich Himmel und Hölle für den Künstler bedeuten. „Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Nur der Weg dorthin erfüllt mich noch immer mit Nervosität und Lampenfieber. Ich oszilliere zwischen Todesangst und Größenwahn. Wenn ich an einem Konzerttag dem Auftritt immer näher komme, merke ich, wie sozusagen stündlich mein Pulsschlag nach oben geht".

Wenn von Deylen nicht gerade mit dem Kleinbus von Berlin nach Indien fährt,  sich von Bremerhaven aus mit der Polarstern in die Arktis begibt oder auf Tour ist, arbeitet er eigentlich immer. Entweder, um das Erlebte in Musik umzusetzen oder um eine neue Tournee zu planen. Als Workaholic würde er sich trotzdem nicht bezeichnen. „Mir geht es darum, die Freiheit zu haben, alles selbst machen zu können. Ich empfinde das Ganze nicht als Arbeit, es ist meine Leidenschaft, und ich brauche keinen Feierabend. Es ist sozusagen mein Idealzustand.“

Von Deylens aktuelles Album

Ein Idealzustand, der bei der Produktion des aktuellen Albums „Morgenstund“ einen Höhepunkt erfuhr. Erstmals arbeitete er mit Tangerine Dream zusammen: „Ein Kindheitstraum". Die Ruhe suche er zwar eigentlich nicht, sagt er, finde sie aber immer wieder in Bremen. Relativ regelmäßig besucht er die Stadt, die für ihn als Teenager „ein ständiger Anziehungspunkt“ war.

„Bremen hat für mich die perfekte Größe. In einem überschaubaren Umfeld gibt es viele verschiedene Facetten, die man erleben kann. Man kann im Viertel oder an der Weser entlangspazieren und die neue Überseestadt besuchen, die ich sehr faszinierend finde. Bremen war und ist für mich das Tor zur Welt. Und ich verbinde einfach auch viele positive Erinnerungen mit der Stadt." Zum Beispiel die an den alten Freund, der immer noch in Bremen wohnt und ihm damals die Tangerine-Dream-Kassette gab.

Weitere Informationen

Am Donnerstag, 23. Mai, stellt Schiller sein aktuelles Album „Morgenstund“ ab 20 Uhr in der ÖVB-Arena vor.


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