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Fritz-Theater: Bei Hempels hinterm Sofa
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Wo der Chianti niemals leer wird

Alexandra Knief 15.06.2019 0 Kommentare

Karl-Friedrich Hempel (zweiter von rechts, Christopher Ciraulo) ist viel fitter als seine Tochter Dagmar (rechts, Cindy Walther) und seine Enkelin Stephanie (Lena Wischhusen) denken.
Karl-Friedrich Hempel (zweiter von rechts, Christopher Ciraulo) ist viel fitter als seine Tochter Dagmar (rechts, Cindy Walther) und seine Enkelin Stephanie (Lena Wischhusen) denken. (Thomas Holz)

Bei Familie Hempel regiert hinterm Sofa nicht das Chaos, sondern Opa Karl-Friedrich Hempel (Christopher Ciraulo). Denn der versteckt hier seine Plattensammlung. Und einen Vorrat an Chianti-Flaschen. Seine Tochter Dagmar (Cindy Walther) und seine Enkelin Stephanie (Lena Wischhusen), mit denen er sich eine Wohnung in Bremen teilt, halten ihn für einen zerbrechlichen, von Arthritis geplagten Greis. Doch kaum sind die beiden Frauen aus dem Haus, legt Opa Karl-Friedrich Elvisplatten auf, öffnet eine Flasche Wein und stellt sich vor, er wäre ein heißblütiger Italiener mit dem Namen „Carlo-Frederico“, während er seinen Rollator in die Ecke stellt und im Wohnzimmer die Hüften schwingt.

Eines Nachmittags bekommt er dabei unerwartet Gesellschaft: von Gerhard Koschinksi (Tim Reichwein), dem Uni-Professor und heimlichen Geliebten seiner Enkelin. Der hatte sich nämlich nach einem nächtlichen Besuch bei Stephanie im Schrank versteckt und wurde von Karl-Friedrich erwischt, als er sich rausschleichen wollte. Doch anstatt den Eindringling, der sich als GEZ-Mitarbeiter ausgibt, anzuschreien, drückt Karl-Friedrich ihm eine Flasche Wein in die Hand und ein lustiger Nachmittag beginnt. Bis Dagmar und Stephanie nach Hause kommen – da kommt Gerhard kurzerhand zurück in den Schrank.

Durchzechte Partynacht

Allgemein verbringt Tim Reichwein in seiner Rolle als Gerhard im neuen Stück „Bei Hempels hinterm Sofa“ am Fritz-Theater sehr viel Zeit im Schrank. Denn irgendwann lernt auch Dagmar ihn kennen und will ihn als potenziellen neuen Lover vor ihrer Familie geheim halten. Und so wird der arme Gerhard von allen Familienmitgliedern reihum in das alte Möbelstück in der Ecke verfrachtet. Das kann auf Dauer natürlich nicht gut gehen, und nachdem noch ein wenig mehr Chianti und Prosecco geflossen sind, endet die Vierecks-Beziehung in einer Partynacht, nach der niemand mehr weiß, was passiert ist.

Im Gegensatz zu einigen seiner vorherigen Stücke setzt Theaterleiter und Autor Christopher Kotoucek dieses Mal mehr auf kleine Running Gags, anstatt auf platten Schubladen-Humor. Hier baut er einen Loriot-Klassiker ein, an anderer Stelle spielt er mit dem Humor von Louis de Funès oder der „Rocky Horror Picture Show“. Diese Mischung ist ganz wunderbar und beweist einmal mehr, dass Unterhaltungstheater auch ohne inflationär eingestreute „Männer/Frauen sind...“-Klischees und ausgelutschte Schenkelklopfer funktionieren kann.

Buntes Musikprogramm

Die Handlung wird aber sowieso schnell zur Nebensache, denn es ist vor allem die Musik, von der das Stück lebt. Und dabei setzt das Theater (musikalische Leitung: Lena Wischhusen, Oliver Ahlbrecht) auf Vielfalt: Von fast vergessenen Oldies (Little Richards „Ready Teddy“), über alte Schlager (Udo Jürgens' „Bleib doch bis zum Frühstück“), Ohrwürmer aus den Achtzigern (Ina Deters „Neue Männer braucht das Land“) bis hin zu aktuelleren Hits (Carly Rae Jepsens „Call Me Maybe“) und recycelten Partisanenliedern, die zum Sommerhit wurden („Bella Ciao“), ist alles dabei.

Alle vier Schauspieler überzeugen gesanglich, es ist aber vor allem Christopher Ciraulo, der in „Bei Hempels hinterm Sofa“ mit Stimmgewalt und amüsanten Opa-Marotten gleichwohl für Gänsehautmomente und Lacher sorgt. Und so wird die neue Musik-Komödie zu einer leichten und kurzweiligen Abendunterhaltung, die man gerne weiterempfiehlt.

Weitere Informationen

Viele Juni-Termine sind bereits ausverkauft. Infos zu Restplätzen und Tickets für die kommenden Monate unter www.fritz-bremen.de


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