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ZDF-Krimi in Bremen abgedreht

Ina Bullwinkel 03.05.2019 0 Kommentare

Manchmal müssen Autoreifen geschleppt werden: Julia Koschitz und Aljoscha Stadelmann am Set.
Manchmal müssen Autoreifen geschleppt werden: Julia Koschitz und Aljoscha Stadelmann am Set. (Christina Kuhaupt)

„Aljoschaaa“, ruft eine Frau, ihr Kopf ragt aus einem der weißen Setwagen, die vor einem Bremer Hotel aufgebaut sind. Nach einer kurzen Pause schiebt sie zögernd ein „Stadelmann?“ nach. Der Schauspieler soll in die Maske kommen. „Jetzt kann ich gerade nicht“, ruft Aljoscha Stadelmann von einer Bierbank zurück und schaut auf das Glas mit Cappuccino in seiner Hand. Wenig später folgt er dem Ruf dann doch, den Kaffee nimmt er mit.

Es ist eine kleine Welt, die zwischen Hotel und Park nahe des Hauptbahnhofs aus dem Boden gewachsen ist, und sie dreht sich allein um einen neuen ZDF-Film. Die Bewohner dieser Welt sind Schauspieler, zahlenmäßig übertrumpft von all den Menschen, die im Hintergrund arbeiten und später nicht im Film zu sehen sein werden. Den Beginn dieser Welt bildet eine Kette aus weißen Kastenwagen. Sie säumen den Weg zu der kleinen Wiese vor dem Hotel und führen zu einem Lkw, dessen Seitenwand hochgeklappt ist, ähnlich wie der eines Hähnchenverkäufers. Hier gibt es Essen und Getränke für das Filmteam.

Ans Set geht es erst mal nicht. „Ich kann gerade nicht durchfunken, wir drehen“, entschuldigt sich einer der Männer mit Funkgerät an der Hüfte. Seit einigen Wochen dreht das ZDF in Kooperation mit einer Bremer Produktionsfirma eine Krimikomödie mit dem Arbeitstitel „Das Gesetz sind wir“. Wann der Film ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest. In den Hauptrollen: Julia Koschitz und Aljoscha Stadelmann. An diesem Tag werden zwei Szenen im Hotel gedreht: eine in der Bar und eine in der Tiefgarage. Neben dem Setwagen, in dem Stadelmann gerade verschwunden ist, steht ein weiterer der gleichen Bauart. Eine wohnwagenähnliche Tür schwingt auf in Richtung Bierbankbereich. Julia Koschitz, kurzes dunkelbraunes Haar, blickt sich um. Neben ihr klebt ein Schild am Wagen: „MAJA WITT“. Es ist der Name ihrer Rolle.

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Sie nimmt auf einer der Bierbänke Platz, ein paar Minuten nimmt sie sich Zeit, bevor sie sich zurückzieht und auf ihren Dreh in der Tiefgarage wartet. Sie ist schon im Kostüm, was allerdings nicht auffällt: Jeans, grüne Jacke und Handtasche trägt sie. Keine Uniform wie es ihre Rolle als Streifenpolizistin erwarten ließe. Die Szene, die gleich gedreht wird, spielt sie in Zivil. Wie es so ist, in einer Polizeiuniform zu stecken? „Furchtbar!“, sagt sie, „Die Polizisten tun mir so leid, es hängt lauter Zeug an einem dran, Waffe, Schlagstock, Handschellen und noch mehr und trotzdem muss man schnell rennen können“, sagt ­Koschitz. Außerdem sei es seltsam, wie Menschen, die sie als echte Polizistin wahrnehmen, ihr Respekt entgegen brächten. Als sie in an einem Drehtag in der Stadt am Rand des Sets stand, sei ein Mann zu ihr gekommen und hätte sich entschuldigt: Ihm sei gerade eine Glasflasche heruntergefallen, er habe aber nichts zum Zusammenkehren.

Kurzes Signal von einem der Männer mit Funkgerät. Gerade werde nicht gedreht, es kann zum Set gehen. „Das Handy schon auf Flugmodus?“, fragt Jan, ein Assistent der Set-Aufnahmeleitung. Nachnamen scheinen Nebensache zu sein. Er geht zügig voraus und steigt mit flachen Sprüngen die Stufen zum Hintereingang des Hotels hoch. Eine kleine Lobby führt zu einem dunklen Flur, dessen Teppich die Geräusche der Schritte sofort verschluckt. Vor dem Durchgang zur Bar versperrt eine Holzwand die Sicht. Dahinter verbirgt sich der zweite Teil der Welt, die draußen bei den Bierbänken begonnen hatte. Die Bar ist in schummriges Licht getaucht und erfüllt von Gemurmel. Überraschend viele gut gekleidete Menschen stehen herum oder sitzen auf Barhockern: Schauspieler und Komparsen. Die Männer tragen Anzüge, die Frauen kurze Kleider. Es fühlt sich an wie nachts, obwohl es elf Uhr am Vormittag ist.

"Weiter geht's unten in der Tiefgarage"

Jan übergibt an Christoph, wieder jemand ohne Nachname. „Ich bin Regie-Assi“, sagt er freundlich, dann muss er sich auch schon wieder um etwas anderes kümmern. Die Kamera ist auf eine Gruppe in einer Sitzecke gerichtet. Ein Tontechniker hält ein langes Stiel-Mikrofon über die Köpfe der Schauspieler, der Regisseur Markus Imboden steht dicht bei der Kamera. „Ruhe jetzt, bitte!“, ruft Christoph. „Wir geh’n auf Anfang, bitte – Ton ab, Achtung – und: bitte“. Während der einzelnen Drehs müssen alle Unbeteiligten weit genug hinter der Kamera bleiben und aufpassen, dass sie nicht in einem der vielen Spiegel zu sehen sind. Zur gleichen Zeit wird schon der Dreh in der Tiefgarage vorbereitet. Eine Frau von der Requisite läuft mit mehreren Bremer Autokennzeichen im Arm zum Ausgang der Bar. Nach drei verschiedenen Kameraeinstellungen ist die Hotel-Szene im Kasten.

„Weiter geht’s unten in der Tiefgarage“, heißt es, und schon bewegt sich der Tross aus Schauspielern, Technikern, Requisiteurinnen und Setassistenten aus der Bar durch den Flur nach links die Treppe hinunter durch eine kleine Halle bis zur Hotelgarage. Wieder kein Tageslicht. Es ist kühl, einige ziehen ihre Jacken über. In einer Ecke der Garage spannen zwei Techniker eine Scheibe an zwei Trägern vor der Kamera ein. Wozu die Scheibe gebraucht wird, können sie nicht beantworten. „Ich weiß auch nicht mehr, ich bau das hier nur auf“, sagt einer von ihnen. Auf der anderen Seite stehen mehrere Autos in den Parklücken bereit. Sie müssen für die Szene noch umgeparkt werden. „Alle Autofahrer zu mir“, sagt Christoph. Nacheinander steigen sie ein, das Brummen der Motoren hallt durch den flachen Betonbau, der beißende Geruch der Abgase erfüllt die Luft. Die Szene aus der Bar wird später im Film parallel zu der in der Garage geschnitten. Koschitz und Stadelmann tauchen deswegen nur in dieser Szene auf. Noch sind sie nicht am Set. „Psssscht, bisschen mehr Ruhe bitte, danke!“, obwohl noch nicht gedreht wird, sorgt Set-Aufnahmeleiter Max für eine leise Umgebung. „Aljoscha, drehfertig machen, bitte“, lautet jetzt die Anweisung des Regisseurs. Und ein wenig später: „Aljoscha bitte zu uns.“

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„Achtung, Ton ab – Klappe – bitte.“ Stadelmann stellt sich vor die Kamera. Von seinem Regiestuhl aus beobachtet Imboden auf einem tabletgroßen Display, wie Stadelmann auf die Kamera zutritt und mit schwarzer Farbe einen Kreis sprüht. Jetzt ergibt die Scheibe einen Sinn: Für den Zuschauer sieht es so aus, als würde Stadelmann in seiner Rolle eine Überwachungskamera zusprühen. In Wirklichkeit landet die Farbe auf der Scheibe, damit nicht das Objektiv der Filmkamera beschädigt wird. „Aus“, ruft Imboden. „Nimmste oder soll ich sauber machen?“, fragt eine Requisiteurin, bewaffnet mit Küchenpapier und Glasreiniger. Imboden reicht ein Take. Weiter geht es mit der nächsten Szene, in der auch Julia Koschitz mitspielt. Stadelmann bekommt in der Garage einen Autoschlüssel überreicht, während Koschitz einen Autoreifen von einem Kofferraum in den anderen hievt. Die gleiche Szene mit dem gleichen Sprechtext läuft wieder und wieder. Nach etwa sechs Wiederholungen ist der ­Regisseur zufrieden. Erleichterung ist an den Gesichtern abzulesen aber auch Müdigkeit. Das Team packt zusammen, Mittagspause. Draußen wartet nicht nur das Tageslicht, sondern auch das Catering. Julia Koschitz ist nicht mehr Maja Witt, sie steht in der Schlange, die sich vor dem Catering-Wagen gebildet hat, ihr Handy am Ohr. In etwa einer Stunde geht es zum nächsten Drehort.


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