Autoren im Interview

„Bremen Kunterbunt“ - Ein Reiseführer für Kinder

Die Geschwister Alicia Abramowski und Christian Armerding haben einen Reiseführer für Kinder geschrieben. Das Buch wurde im eigens von ihnen gegründeten Verlag verlegt.
06.07.2020, 10:43
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel
„Bremen Kunterbunt“ - Ein Reiseführer für Kinder

Alicia Abramowski und Christian Armerding haben ihr Kinderbuch „Bremen Kunterbunt“ und vier Einzelbände dazu in ihrem eigenen Verlag herausgegeben.

Christina Kuhaupt
Frau Abramowski, Herr Armerding, Sie haben das Kinderbuch „Bremen Kunterbunt“ geschrieben. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Alicia Abramowski: Ich habe den Prototyp des Buches schon in der Berufsschule mit meinen damaligen Mitauszubildenden geschrieben. Wir sollten ein touristisches Projekt entwickeln. Wir haben uns da für einen Reiseführer für Kinder entschieden. Im Studium haben wir das Buch dann weiter vertieft.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, einen Reiseführer für Kinder zu schreiben?

Abramowski: Weil es das in der Form noch nicht gab. Es gibt zwar Bücher, die eine Stadt für Kinder erklären oder die auflisten, was für Attraktionen es für Kinder und Familien gibt. Aber es gab eben nicht diese Kombination, die dann auch noch so für Kinder geschrieben ist, dass sie mal selbst die Reiseplanung übernehmen können. Als ich noch in der Tourismusbranche gearbeitet hab, hieß es häufig von den Eltern, sie würden gerne mit den Kindern dieses und jenes machen. Aber nur ganz selten wurden die Kinder gefragt, was sie eigentlich machen wollen. Das fand ich immer sehr schade.

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Wurde das in Ihrer Kindheit anders gehandhabt?

Christian Armerding: Ja, das war bei uns in der Familie immer ganz anders. Wir wurden immer gefragt und in die Planungen einbezogen. So konnten wir auch immer unsere eigene Reise gestalten.

Abramowski: Aber das war für mich als Kind manchmal schwierig. Viele Informationstafeln waren nicht kinderfreundlich geschrieben. Auch heute sind die Infotafeln oft so geschrieben, dass sie kein Kind verstehen kann. Ohne Eltern geht es daher nicht. So ist auch die Grundidee für den Reiseführer entstanden.

Wie wurde aus der Grundidee das fertige Buch?

Armerding: Im Studium war der Reiseführer in Heimarbeitsqualität quasi schon einmal fertig. Jeder, dem das Buch gezeigt wurde, hat gesagt: Das ist cool, sowas muss es doch mal zu kaufen geben. Das war letztlich der Anreiz zu sagen: Das müssen wir jetzt mal in Angriff nehmen. Als man sich dann wirklich um die Umsetzung gekümmert hat, kamen noch hundert neue Dinge dazu, um die man sich vorher keine Gedanken gemacht hatte.

Sie haben schließlich sogar einen eigenen Verlag gegründet ...

Armerding: Ja, weil es eine Idee mit so viel Potenzial ist. Wir haben mit Hamburg und Berlin sogar schon weitere Städte in der Planung, damit aus dem Reiseführer eine ganze Reihe für viele Städte entstehen kann.

Es stecken also viele Jahre Arbeit in dem Projekt?

Abramowski: Genau, die Idee ist nicht von heute auf morgen entstanden.

Armerding: Ich musste meine Schwester auch ein bisschen überzeugen, damit sie sich traut, das Ganze endlich anzugehen.

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Sie haben das Buch gelesen und gesagt: Das ist so gut, wir müssen da mehr draus machen?

Armerding: Ja, so ungefähr.

War Ihnen von Anfang an bewusst, wie viel Arbeit dahinter steckt, ein eigenes Buch zu verlegen?

Armerding: Ja, das haben wir eigentlich ganz gut geplant.

Abramowski: Ich habe vorher einen Business-Plan geschrieben. Da bin ich einmal alles durchgegangen. Wir haben in Hamburg auch gute Unterstützung von Personen erfahren, die selber einen Verlag gegründet haben und jahrzehntelang betreiben. Das war natürlich Gold wert.

Gibt es schon erste Resonanzen oder muss jetzt erstmal das Marketing angekurbelt werden?

Armerding: Das Marketing muss noch erfolgen. Bisher haben wir es nur im Freundes- und Bekanntenkreis erzählt. Wir sind aber schon in zwei Buchhandlungen, bei Leuwer am Wall und dem Leseland im Viertel, vertreten und unsere Bücher können in jeder Thalia-Filiale bestellt werden. Im Leseland ist der große Reiseführer sogar schon ausverkauft.

Wie viele Exemplare lagen da aus?

Armerding: Eins (lacht). Das war aber eine ganz coole Aktion. Ich war in der Gegend unterwegs und habe den kleinen Buchladen für Kinder entdeckt. Ich dachte mir: Das ist doch genau unsere Zielgruppe. Ich hatte ein paar Bücher im Auto, bin rein und habe gefragt, ob sie sich nicht dafür interessieren. Sie haben mir je eine Ausgabe abgenommen, ins Schaufenster gelegt und dann waren die auch schnell weg.

Wer ist denn die Zielgruppe?

Abramowski: Die Bücher sind hauptsächlich an Kinder gerichtet, die bereits lesen können. Eltern können ihren Kindern aber auch vorlesen, sodass dann gemeinsam entschieden werden kann, was man unternehmen möchte.

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Oder die Eltern nutzen das Buch als Anreiz...

Armerding: Genau, sie könnten quasi sagen: Wenn du diese Seite lesen kannst, dann machen wir das. Die Bücher eignen sich absolut, um das Lesen zu üben.

Abramowski: Wir haben zum Beispiel ein Inhaltsverzeichnis im Buch, aber nicht alle Kinder wissen, wofür das ist. Da haben wir extra Farben und Fußabdrücke der Tiere genutzt, an denen sich die Kinder orientieren können. Wenn die Eltern sagen: „Lass uns mal ins Grüne“ – dann können die Kinder den Hufspuren des Esels folgen und landen im Kapitel Natur.

Armerding: Das Buch ist aber nicht nur für diejenigen interessant, die Bremen besuchen, sondern auch für gebürtige Bremer. In dem Reiseführer werden ganz viele Attraktionen aufgelistet, die auch wir bis zur Recherche gar nicht auf dem Schirm hatten.

Welche Attraktionen waren das zum Beispiel?

Abramowski: Das Straßenbahn-Museum. Ein Freund hatte mir gesagt, das wäre sein Highlight in der Kindheit gewesen. Als ich dann vor Ort war, habe ich gemerkt, dass das wirklich ein cooles Ausflugsziel ist. Ich fand es während der Recherche auch schön, Bremen mal ein Stück weit aus Kinderaugen zu sehen. Als Erwachsener läuft man ja relativ starr durch die Stadt.

Das Gespräch führte Mario Nagel.

Info

Zur Person

Die Geschwister Alicia Abramowski (29) und Christian Armerding (34) sind die Autoren des Kinderbuches „Bremen Kunterbunt“ und Gründer des Scio-Buchverlages. Während Abramowski nach ihrer Ausbildung und einem Studium in der Tourismusbranche arbeitete und sich seit 2019 voll dem Reiseführer für Kinder widmet, ist Armerding als selbstständiger Heilpraktiker für Psychotherapie tätig. Doch auch der 34-Jährige tritt beruflich kürzer, um seine Schwester zu unterstützen.

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Zur Sache

Natur, Abenteuer und Spaß

Das Buch „Bremen Kunterbunt“ dient als Reiseführer für Kinder. Schluss mit Eltern, die für ihre Kinder planen, so die Hoffnung von Alicia Abramowski und Christian Armerding. „Im Urlaub oder in der Freizeit sollte Familienplanung auch wirklich Familienplanung sein“, sagt Abramowski. Auf 90 Doppel-Seiten haben die Geschwister Attraktionen und Freizeit-Möglichkeiten zusammengetragen.

Neben Bildern und den „Bremer Stadtmusikanten“ warten auf den 240 Seiten auch Kinderrätsel oder Gutscheine und Coupons darauf, eingelöst zu werden. „Bremen Kunterbunt“, das mit einer Auflage von 500 Büchern gedruckt wurde, ist für 19,90 Euro erhältlich. Die vier Begleitbücher kosten je 8,90 Euro. Alle Bücher sind bei Leuwer am Wall und dem Leseland im Viertel erhältlich oder können in jeder Thalia-Filiale bestellt werden.

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