Neue Wirkungsstätte in der Vahr

Abschied vom schönsten Arbeitsplatz der Welt

Kerstin Wührmann verlässt die Kindertagesstätte der Findorffer Martin-Luther-Gemeinde. 16 Jahre lang hat sie die Kita geleitet. Nun wechselt sie in die Vahr.
29.03.2021, 05:00
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Von Anke Velten
Abschied vom schönsten Arbeitsplatz der Welt

Kerstin Wührmann, seit 16 Jahren Leiterin der Kindertagesstätte der Findorffer Martin-Luther-Gemeinde, hört dort auf und wechselt beruflich in die Vahr.

Roland Scheitz

Weidedamm. 16 Jahre lang hat Kerstin Wührmann die Kindertagesstätte der Martin-Luther-Gemeinde geleitet. Um diesen, wie sie selbst sagt, „schönsten Arbeitsplatz der Welt” aufzugeben, kann es nicht nur einen Grund geben. Es sind sehr viele triftige kleine Gründe. Ab dem 1. April wird die Sozialpädagogin die Leitung des Frühförderzentrums der Bremer Evangelischen Kirche (BEK) übernehmen. An ihrer neuen Wirkungsstätte in der Vahr wird sie ein 70-köpfiges Fachleute-Team leiten, das alle Kinder der evangelischen Kitas im Blick hat, die bei ihrem Start ins Leben besondere Unterstützung brauchen. Diese Kinder in ihrer Entwicklung fördern, ihnen Chancen zu eröffnen, „das lag mir schon immer sehr am Herzen”, erklärt die 55-Jährige. Gemeinsam mit ihren Findorffer Kolleginnen und Kollegen hat sie in den vergangenen Jahren die Kita an der Neukirchstraße in einen Ort umgestaltet, in dem jedes Kind in seiner Besonderheit gesehen, gehört und ernst genommen wird.

Gebaut wurde in ihrer Zeit in der Einrichtung vieles. Da war die große Umbau- und Sanierungsmaßnahme in den Jahren 2009/2010, die Neugestaltung des Außengeländes 2012, und mit dem Einbau eines Fahrstuhls vor circa fünf Jahren schließlich ein Meilenstein in Richtung Barrierefreiheit. Seit fast 30 Jahren wird in der Findorffer Kita die Überzeugung umgesetzt, dass Kinder mit und ohne Behinderungen zum gegenseitigen Vorteil miteinander spielen und voneinander lernen können. In Wührmanns Zeit wurde die Findorffer Kita zum Schwerpunkthaus für Kinder mit ausgewiesenem Förderbedarf. Inzwischen zählen dazu fast ein Viertel der insgesamt 110 Kinder in den sechs Gruppen. Inklusion, wie man den Begriff hier definiert, heißt: jedem einzelnen Kind das Gefühl zu geben, richtig und wichtig zu sein, so wie es ist. „Wir haben 110 Inklusionskinder”, sagt Wührmann. Unter ihrer Leitung machte sich die Einrichtung vor einigen Jahren auf den Weg, ein partizipatives Konzept zu entwickeln. Statt eines genau strukturierten Programms, das von den Erzieherinnen vorbestimmt und getaktet wird, vertraut man an der Kita heute viel mehr auf die Kinder selbst. Sie sollen sich aktiv einbringen, selbst Verantwortung übernehmen und dabei zu eigenständigen, respektvollen, empathischen und hilfsbereiten Menschen werden. Basis ist ein Ethik-Kodex, der auf der UN-Kinderrechtskonvention beruht.

Möglich war das nur, erklärt Wührmann, weil sie in Findorff Kolleginnen und Kollegen hatte, die die Kita als „lernende Institution” verstehen und sich und ihre Arbeit immer wieder hinterfragen. Sie brachten die Offenheit und die Bereitschaft mit, neue Wege zu gehen - auch, wenn das viel anstrengender sei als am Althergebrachten festzuhalten. „Eine Columbusfahrt”, sagt Wührmann, deren Ziel man vorher noch gar nicht genau kannte. Doch das Findorffer Haus ist angekommen – als Konsultationskita, von der Fachleute sich etwas abschauen können. „Von Kindern kann man immer etwas lernen", sagt die dreifache Mutter und stolze Großmutter eines Fünfjährigen.

„Ich habe mich hier immer rundum wohl gefühlt”, schwärmt Wührmann: Von Anfang an, als sie nach zwölf Jahren in der offenen Kinder- und Jugendarbeit aus dem Viertel nach Findorff gewechselt war, und sofort den „sehr wertschätzenden, herzlichen Umgang miteinander” wahrgenommen habe. Im Stadtteil schätze sie die „schöne Durchmischung” der Bevölkerung, den quasi dörflichen Charakter, und die zugänglichen, kontaktfreudigen Findorffer selbst. „Man muss hier schon stehen bleiben für einen Schnack”, sagt sie. „Einfach im Vorbeigehen Hallo sagen, das geht hier nicht.”

Ab April wird die bisherige Stellvertreterin Babette Bönsel zunächst kommissarisch die Leitung der Kita übernehmen.

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