Birgit Kelle Lesung mit umstrittener Autorin in Bremen abgesagt

In Bremen ist eine Lesung mit der Publizistin Birgit Kelle und dem Verein Deutsche Sprache abgesagt worden. Das Hotel, in dem die Veranstaltung stattfinden sollte, will mit den Inhalten nichts zu tun haben.
31.08.2022, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Lesung mit umstrittener Autorin in Bremen abgesagt
Von Kristin Hermann

Anders als geplant, wird es in Bremen wohl vorerst keine Lesung mit der streitbaren Autorin Birgit Kelle geben. Dazu hatte der "Verein Deutsche Sprache" (VDS) für den kommenden Donnerstag eingeladen. Stattfinden sollte der Vortrag unter dem Titel "Gender-Politik ist das Problem, nicht die Lösung" (ein Buchtitel Kelles) ursprünglich im Hotel Munte, doch dort hat man die Buchung storniert. Das Hotel selbst wollte keine Details über den Veranstalter preisgeben und verwies auf den Datenschutz. Dafür bestätigte der VDS auf Nachfrage die Absage.

Zu den Gründen führt Jan Pauls, Inhaber des Hotels Munte, an, die Veranstaltung sei falsch angekündigt und "als Dichterlesung" eingereicht worden. Über den Blog "AfD Watch Bremen" sei man auf die tatsächliche Ausrichtung hingewiesen worden und habe infolgedessen abgesagt. Der Verein widerspricht dieser Darstellung, man habe keine Inhalte vertuschen wollen, sagt VDS-Geschäftsführer Holger Klatte. Es sei das erste Mal passiert, dass ihnen ein Veranstaltungsort storniert wurde.

Für das Hotel Munte passen die Inhalte der Veranstalter nach eigenen Angaben nicht zur hausinternen Philosophie. Das Hotel distanziere sich von Diskriminierungen jeglicher Art und wolle nicht mit Organisationen oder Personen in Verbindung gebracht werden, die solches Gedankengut fördern, heißt es weiter. Die konservative Publizistin Birgit Kelle polarisiert seit Jahren mit Beiträgen über Transgender-Politik oder ihrer Feminismus-Kritik. Der Verein Deutsche Sprache hatte sich ursprünglich dem Kampf gegen Anglizismen verschrieben, fiel zuletzt aber vor allem dadurch auf, das Gendern generell abzulehnen. Kritiker stellen die Thesen des Vereins und sein wissenschaftliches Verständnis infrage.

Lesen Sie auch

Grund genug, um Veranstaltungen wie diese grundsätzlich zu verbieten? Für Politikwissenschaftler Stefan Luft von der Uni Bremen wird an dem aktuellen Fall ein Grundsatzproblem deutlich. "Die Aussagen des Vereins und der Autorin sind meiner Auffassung nach von der formalen Meinungsfreiheit gedeckt", sagt er. "Diese aus politischen oder moralischen Gründen einzuschränken, halte ich für problematisch." Der Bremer Sprachwissenschaftler Andreas Rothenhöfer beurteilt das ähnlich. "Ich halte es für zielführender, solchen Leuten durchaus kritisch und mit sachlichen Gegenargumenten zu begegnen", sagt er.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+