Gesundheitsdeputation zum Impfen

„Wir segeln hart am Wind“

Lockerungen für Geimpfte, Impfreste und der Stand der Impfungen beschäftigten die Gesundheitsdeputation. Und: Der Vertrag für das Impfzentrum in Bremen-Nord soll voraussichtlich nicht verlängert werden.
14.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Wir segeln hart am Wind“
Von Sabine Doll
„Wir segeln hart am Wind“

Eine Spritze mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca wird aufgezogen.

Ronny Hartmann / dpa

Der Stand der Corona-Impfungen und das aktuelle Infektionsgeschehen beschäftigte zu großen Teilen die Sitzung der Gesundheitsdeputation am Dienstag. Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) bezeichnete die Inzidenz als „besorgniserregend steigend“ und verwies auf die Lage in den Krankenhäusern. „Die Stationen sind sehr, sehr ausgelastet. Insbesondere im Intensivbereich gibt es nur noch eine Handvoll Betten.“ Im Gespräch sei daher auch eine erneute Absenkung planbarer Eingriffe, um mehr Kapazitäten zu schaffen, wenn die Entwicklung sich weiter zuspitze. Was künftige Impfstoff-Lieferungen betrifft, herrscht laut der Senatorin weiterhin große Unsicherheit. „Die nächsten sechs Wochen werden wir nicht überbordend mehr bekommen. Und das kann sich täglich auch wieder ändern. Das ist sehr unschön — diplomatisch ausgedrückt.“ Weitere Themen:

Zukunft der Impfzentren: Am 30. Juni läuft der Vertrag für die Impfstation in Bremen-Nord in der Strandlust aus – nach aktuellem Stand soll er darüber hinaus nicht verlängert werden, wie die Behörde auf eine Berichtsbitte der CDU-Fraktion mitteilte. Ein Grund für die Einrichtung des Zentrums sei gewesen, alten und mobilitätseingeschränkten Menschen eine wohnortnahe Möglichkeit zu bieten und ihnen damit den Weg ins Impfzentrum auf der Bürgerweide zu ersparen. Ein großer Teil dieser Gruppe sei schon jetzt und spätestens bis Ende Juni geimpft. Dazu komme, dass niedergelassene Ärzte künftig noch stärker in die Impfungen einsteigen, sagte Gesundheitsstaatsrätin Silke Stroth. „Die maximale Kapazität des Impfzentrums in der Stadt ist ausgelegt auf 12.000 bis 15.000 Impfungen am Tag“, so Stroth. „Wenn mehr Hausärzte ins Impfgeschehen eingreifen, muss man auch hier die weitere Entwicklung abwarten.“

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Rechte für Geimpfte: Die FDP-Fraktion wollte wissen, wie es um Lockerungen und Freiheitsrechte für vollständig Geimpfte steht – ob es Planungen gibt, insbesondere auch in Einrichtungen. Oder auch Ausnahmen von Testpflichten sowie Ausgangssperren. Bernhard warnte wegen fehlender wissenschaftlicher Erkenntnisse vor verfrühten Lockerungen für vollständig Geimpfte – vor allem auch wegen der Virusmutationen. „Ich habe die Vermutung, dass uns das Virus durch sein Variantenreichtum immer eine Nasenlänge voraus ist. Es gibt aktuell Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen, wo die Bewohner mit Biontech vollständig geimpft sind, unter anderem in Niedersachsen. Das zeigt: Die Ansteckungsgefahr ist weiter gegeben. Daher können wir es uns gerade in dieser Gruppe nicht erlauben, lässig zu werden.“ Im Anschluss an die Deputation nahm die Senatorin am Abend an einer Runde der Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder mit dem Robert-Koch-Institut teil, in der es explizit um dieses Risiko trotz Impfung gehen sollte.

Impfstrategie: Bremen setzt laut Lutz Liffers – zuständig in der Behörde für die Impf-Organisation – darauf, möglichst viele Erstimpfungen vorzunehmen. „90 Prozent aller Impfstoffe sind aktuell verbraucht.“ Bremen kommt im Vergleich der Bundesländer mit einer Impfquote von fast 20 Prozent aktuell am schnellsten voran. Dieses Konzept berge auch Risiken, „wenn etwa angekündigte Lieferungen ausfallen würden“, so Liffers. „Wir segeln hart am Wind, das Risiko sollten wir aber tragen, um möglichst schnell und viel zu impfen.“ Die Impfungen der Personengruppe mit höchster Priorität seien bis auf einige Nachmeldungen fast abgeschlossen. In den Kliniken sollen die Erstimpfungen in dieser Woche abgeschlossen sein, so Liffers. „Aktuell werden in den Impfzentren schwerpunktmäßig Personen der Priorisierungsgruppe 2 geimpft, unter anderem die 70- bis 79-Jährigen, Personen mit den benannten Vorerkrankungen sowie Beschäftigte von Sicherheitsbehörden. Wir gehen auch schon in die Gruppe der 60- bis 69-Jährigen, die alterstechnisch einzig übrig gebliebene Gruppe für den Impfstoff von Astra-Zeneca sind.“

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Impfstoff-Reste: Deputationsmitglieder wollten wissen, wie mit Impfdosen umgegangen wird, die etwa am Abend in den Zentren übrig sind und zeitnah verimpft werden müssen, damit sie nicht verfallen. In Städten wie Duisburg gebe es digitale Lösungen, um die Vergabe nach dem Zufallsprinzip zu organisieren. Bislang gingen solche „Reste“ etwa an Beschäftigte im Sicherheits- oder Rettungsdienst. „Das betraf bislang drei bis vier Impfdosen bei 3000 bis 4000 Impfungen am Tag“, so Liffers. „Daher haben wir im Moment nicht das Problem. Wenn es uns aber nicht gelingen sollte, den Impfstoff von Astra-Zeneca, bei dem teilweise große Verunsicherung herrscht, an die Leute zu bringen, werden wir uns etwas überlegen – nach dem Motto Happy-Hour oder nächtliches Durchimpfen. Das ist nicht auszuschließen.“

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